Skip to main content
Jetzt spenden
Anti-Atomkraft-Demo in Berlin 09/05/2009
Paul Langrock / Zenit / Greenpeace

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Eigentlich ist das Treffen in Berlin nichts Besonderes. Seit dem Beschluss des Atomausstieges trifft sich die Bundesregierung einmal im Jahr mit Vertretern der großen Energiekonzerne RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall. Doch das Treffen heute ist das erste seit der Wahl im September. Union und FDP haben sich in ihrem Koalitionsvertrag auf eine Verlängerung der bisher vorgesehenen Kraftwerkslaufzeiten verständigt. Bei dem Treffen im Kanzleramt soll über Sicherheitsanforderungen beim Betrieb der Atomkraftwerke beraten werden. Eine Entscheidung will die Bundesregierung erst Ende Oktober 2010 vorlegen. Bisher fehlt ihr jegliches Konzept für die künftige Energieversorgung. Auch die Endlagerung das Atommüll ist nicht geklärt.

Mit der Aufkündigung des Atomausstiegs setzt Merkel genau die unselige Klientelpolitik fort, die schon zum Asse-Desaster und den Manipulationen beim geplanten Endlagerstandort Gorleben geführt haben, sagt Heinz Smital, Atomphysiker bei Greenpeace. Merkel verkauft die Sicherheit der Bevölkerung, um ihre versprochenen Steuergeschenke zu finanzieren. Ein zukunftsweisendes und tragfähiges Energiekonzept läßt sich nicht auf die gefährliche und umstrittene Laufzeitverlängerung für veraltete Atomkraftwerke stützen.

Veraltete Atomreaktoren weiter zu betreiben, verstärkt die Sicherheitsrisiken für die Bevölkerung. Deshalb sieht der Atomkonsens vor, dass im Regelfall keine Reststrommengen von jüngeren auf ältere AKW übertragen werden dürfen. Genau das aber wollen die Atomstromkonzerne erreichen.

In den nächsten Monaten müsste das Atomkraftwerk Neckarwestheim 1 abgeschaltet werden. So sieht es das Ausstiegsgesetz vor. Die Reststrommenge, die der Reaktor produzieren darf, ist dann aufgebraucht. Block 2 darf länger am Netz bleiben. Er ist 13 Jahre jünger und verfügt daher über eine größere Reststrommenge. EnBW hat beantragt, Restrommengen von dem jüngeren auf den älteren Meiler zu übertragen.

Unter der alten Bundesregierung entschied das Umweltministerium, dass diese Übertragung nicht möglich ist. In einem 100 Seiten starken Ablehnungsbescheid bestätigte es, dass der Reaktor Neckarwestheim I nicht sicher ist und daher abgeschaltet werden soll. Er sei unter anderem nicht gegen einen möglichen Flugzeugabsturz gesichert, der einen schweren Reaktorunfall auslösen könnte. Die Koalition aus Union und FDP könnte diese Entscheidung rückgängig machen. Ehrenamtliche aus mehreren baden-württembergischen Greenpeace-Gruppen haben deshalb am gestrigen Mittwoch vor dem Atomkraftwerk gegen eine mögliche Laufzeitverlängerung für Block 1 protestiert.

Seit 2002 haben die Energieunternehmen 100 Milliarden Euro Gewinn eingefahren. Doch sie weigern sich vehement, für die Sanierung des maroden Endlagers Asse II aufzukommen. Experten schätzen die Kosten für die Sanierung auf 2,4 Milliarden Euro. Nach Greenpeace-Recherchen stammen 63 Prozent der Radioaktivität aus dem EnBW-Atomkraftwerk Obrigheim, sechs Prozent aus Abfällen aus RWE-Atomkraftwerken und weitere zwei Prozent aus Atommeilern von E.ON und Vattenfall. Bei einer Laufzeitverlängerung fallen pro Jahr zusätzlich 400 Tonnen hochradioaktiver Müll an. Die Frage nach einem Endlager ist in Deutschland ungeklärt.

  • Auf der Anti-Atomkraft-Demo in Berlin: Greenpeace-Aktivisten auf "Trojanischem Pferd"  09/05/2009

    Auf dem Trojanischem Pferd

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Jetzt mitmachen

Du willst Teil der Energiewende sein?

Menschen stellen die Energiewende dar - von der Atomkraft zur Windkraft 15.04.2011

Dann besuche in unserer Mitmach-Community Greenwire die Energiewende-Themengruppe und tausche dich mit Anderen aus, finde weitere Mitmachangebote und erfahre mehr über unsere Kampagnen.

Hier lang zur Themengruppe-Energiewende

Themengruppe auf

Menschen stellen die Energiewende dar - von der Atomkraft zur Windkraft 15.04.2011

Mehr zum Thema

Shut Down of Nuclear Power Plants: AKW Dinosaur in Berlin

Am Ende der Atomkraft

  • 15.04.2023

Welche Wirkung die Gnadenfrist für deutsche Atomkraftwerke hatte, zeigt eine Studie im Auftrag von Greenpeace und Green Planet Energy: kaum eine. Der Abschied von der Atomkraft fällt leicht.

mehr erfahren
Last Resistance Party in Gorleben, Germany

Adieu, Atomkraft

  • 14.04.2023

Nach Jahrzehnten des Protestes steigt Deutschland endlich aus der Atomkraft aus. Roland Hipp, geschäftsführender Vorstand von Greenpeace Deutschland, blickt zurück - und mit Freude in die Zukunft.

mehr erfahren
Projection for Final Shutdown at Neckarwestheim NPP

Die Mär von der Renaissance der Atomkraft

  • 05.04.2023

Auch wenn vielerorts eine “Renaissance der Atomkraft” herbeigeredet wird, die Fakten sprechen dagegen: Atomenergie ist in Deutschland, im Rest Europas und weltweit auf dem absteigenden Ast.

mehr erfahren
Projektion zum Atomausstieg am AKW Isar 2

Atomkraftwerke abschalten

  • 03.04.2023

Atomkraft ist nicht nur riskant, sondern auch keine Lösung für die Energiekrise. Vor dem Jahrestag der Fukushima-Katastrophe fordern Greenpeace-Aktivist:innen, die deutschen AKW endlich abzuschalten.

mehr erfahren
"Shut Down"-Projektion am AKW Emsland

Atomausstiegsfest

  • 03.04.2023

Die Vorfreude steigt: Nach jahrzehntelangem Einsatz vieler mutiger Menschen steigt Deutschland endlich aus der Atomkraft aus. Diesen Erfolg wollen wir mit euch feiern. In München und Berlin!

mehr erfahren
Balloons on the 'Plein' at The Hague

Scheinlösung Kernfusion

  • 27.03.2023

Ein technologischer Meilenstein, aber kein Modell für die Zukunft: Warum der gelungene Versuch der Kernfusion nicht die Probleme der Gegenwart löst.

mehr erfahren