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Die Entleerungsstation im Atommüll-Endlager Morsleben in Sachsen-Anhalt, Juni 1990
© B. Hoff / Greenpeace

Atommüll-Endlager - Kurzzusammenfassung der Situation in den verschiedenen Ländern

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Schweden (Jenny Lundström)

In Schweden werden zur Zeit zwei Standorte für Endlager verglichen. Beide Orte, Oskarshamn und Forsmark liegen an der Ostseeküste. In den Gemeinden gibt es bereits Atomkraftwerke, die als wichtige lokale Arbeitgeber gelten.

Die Atomindustrie wollte als zusätzlichen Standort für ein Endlager die Gemeinde Tierp gewinnen - einen Ort, an dem es noch keine Atomanlagen gibt. In Tierp entwickelte sich ein starke Bürgerinitiative und konnte ihre kritischen Argumente zu Gehör bringen. Die Gemeindeverwaltung griff die Kritik sogar auf. Im April 2002 sprach sich der Gemeinderat gegen die Erkundung aus, weil die Atomfirma SKB die Bedingungen des Gemeinderats für eine Prüfung nicht erfüllt hat.

Oskarshamn und Forsmark sind nicht aus Sicherheitsgründen ausgesucht worden. Die Auswahl berücksichtigt allein die Interessen der Atomindustrie. In Gemeinden ohne Nuklearanlagen hätte sich ein Endlager nicht durchsetzen lassen, weil dort mit mehr Widerstand gerechnet wurde.

Unabhängige Experten haben aufgezeigt, dass die Küstengebiete die kürzersten Transportzeiten zum Grundwasser aufweisen. Da der Atommüll in einer Tiefe gelagert werden soll, in der sich auch grundwasserführende Schichten befinden, kann dies einen Hauptrisikofaktoren darstellen.

Schweden (Jenny Lundström)

In Schweden werden zur Zeit zwei Standorte für Endlager verglichen. Beide Orte, Oskarshamn und Forsmark liegen an der Ostseeküste. In den Gemeinden gibt es bereits Atomkraftwerke, die als wichtige lokale Arbeitgeber gelten.

Die Atomindustrie wollte als zusätzlichen Standort für ein Endlager die Gemeinde Tierp gewinnen - einen Ort, an dem es noch keine Atomanlagen gibt. In Tierp entwickelte sich ein starke Bürgerinitiative und konnte ihre kritischen Argumente zu Gehör bringen. Die Gemeindeverwaltung griff die Kritik sogar auf. Im April 2002 sprach sich der Gemeinderat gegen die Erkundung aus, weil die Atomfirma SKB die Bedingungen des Gemeinderats für eine Prüfung nicht erfüllt hat.

Oskarshamn und Forsmark sind nicht aus Sicherheitsgründen ausgesucht worden. Die Auswahl berücksichtigt allein die Interessen der Atomindustrie. In Gemeinden ohne Nuklearanlagen hätte sich ein Endlager nicht durchsetzen lassen, weil dort mit mehr Widerstand gerechnet wurde.

Unabhängige Experten haben aufgezeigt, dass die Küstengebiete die kürzersten Transportzeiten zum Grundwasser aufweisen. Da der Atommüll in einer Tiefe gelagert werden soll, in der sich auch grundwasserführende Schichten befinden, kann dies einen Hauptrisikofaktoren darstellen.

USA (Judy Treichel & Steve Frishman)

Dieses Jahr hat der amerikanische Präsident Bush die Entscheidung getroffen, in Yucca Mountain in Nevada ein Endlager für hochradioaktiven Atommüll zu bauen. Bush hat sich damit über die Entscheigung des Gouverneurs von Nevada hinweg gesetzt, der Yucca Mountain als Endlager-Standort ablehnt. Die Regierung in Washington plant, das Endlager in Yucca Mountain 2010 in Betrieb zu nehmen, trotz vieler Sicherheitsbedenken.

Judy Treichel ist Geschäftsführerin der Nevada Nuclear Waste Task Force. Sie sagt: Die USA behaupten, sie hätten mit Yucca Mountain eine Lösung für die Entsorgung des hochradioaktiven Atommülls gefunden. Um Yucca Mountain als Lösung zu verkaufen, haben sie alle Regeln und Vorschriften so lange geändert, bis der ungünstige Standort Yucca Mountain als geeignet deklariert werden konnte. Die ablehnende Haltung der Bevölkerung wurde ignoriert.

Die Menschen in Nevada und ihre Regierung werden nicht zulassen, dass Yucca Mountain zur amerikanischen Atommüllkippe wird. Sie werden sich gegen diese Ungerechtigkeit der Bush-Regierung vor Gericht und quer durchs Land wehren. Denn nicht nur die Menschen in Nevada werden durch Yucca Mountain gefährdet. Die Bürger aus 43 US-Staaten sind von den Atomtransporten betroffen, die über tausende von Kilometern quer durch die USA nach Nevada fahren sollen.

Finnland (Matti Kojo)

2001 hat die Gemeinde Eurajoki sich für die Einrichtung eines Endlagers in 500 Meter Tiefe im Gneiss-Granit-Gestein an der Südwestküste Finnlands ausgesprochen. An diesem Ort stehen bereits zwei von Finnlands vier Atomkraftwerken. Der Standort wurde nicht allein nach geologischen Sicherheitskriterien ausgewählt. Entscheidend war die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Bis 1994 wollte die Gemeinde noch kein ein Atommüll-Endlager. Erst nach Zahlung von Akzeptanzgeldern in Höhe von sieben Millionen Euro und dem Bau von zahlreichen Altersheimen und anderen Infrastrukturmaßnahmen änderte sich die Meinung in der Gemeinde. Die Leute wurden von den Atomfirmen praktisch gekauft.

Kein technisches Sicherheitsproblem ist bisher gelöst. Betreiber und Regierung argumentieren lediglich, dass bisher nichts gegen den Standort Olkiluoto spräche. 2010 soll die Baugenehmigung erteilt werden, 2020 soll das Endlager in Betrieb gehen.

Frankreich (Michel Marie)

1980 wurde Auriat der Region Auvergne als Endlagerstandort ausgewählt. Nach starken Protesten der Landbevölkerung wurde der Plan 1981 wieder fallengelassen. Von 1987 bis 1990 wurden vier andere Regionen ausgesucht. Wieder scheiterten alle Endlagerversuche am Widerstand der Bevölkerung.

Nach dem Versprechen der französischen Regierung gegenüber den Gemeinderäten der Region Bure in Lothringen-Champagne (Ostfrankreich), Arbeitsplätze und Geld in die strukturschwache Region zu bringen, wurde Ende 1993 ein Versuchsendlager in 500 Meter Tiefe im Ton eingerichtet. Bereits zwei Monate nach der Entscheidung fanden die ersten Demonstrationen gegen das Endlager statt. Bisher ist in Bure noch kein Atommüll eingelagert worden.

Anfang 2000 hat die Regierung 15 weitere Regionen ausgewählt, die als potentieller Endlagerstandort in Frage kommen. Seitdem gibt es starken Widerstand in all diesen Regionen. 2006 muss die französische Regierung eine Entscheidung treffen, ob der Müll tatsächlich unterirdisch gelagert werden soll.

Nach französischem Recht müssen mehrere Standorte im Vergleich erkundet werden. Namhafte Geologen halten Bure wegen der Verbindung des Endlagerraumes zu Grundwasser führenden Schichten für nicht geeignet. Im Mai 2002 wurden die Erkundungsarbeiten in Bure wegen eines Schachtunfalls, bei dem ein Arbeiter starb, vom Gericht eingestellt. Die Bevölkerung befürchtet, dass Bure trotz der negativen Befunde doch noch zum Endlagerstandort wird.

Australien (Bruce Thompson)

In Australien fällt Atommüll bereits am Anfang der Brennstoffspirale an: Beim Uranabbau. Des weiteren verfolgt die Regierung Pläne, einen umstrittenen Versuchsreaktor zu bauen, der schwach- und mittelradioaktive Abfälle und hochradioaktive abgebrannte Brennelemente produziert.

Ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle durchläuft zur Zeit eine Umweltverträglichkeitsprüfung.Der radioaktive Abfall soll in 20 Meter Tiefe in einem Loch in Südaustralien auf einem ehemaligen Waffentestgelände der Briten - nahe der weltgrößten Uran-Mine Olympic Dam - vergraben werden. Für hochradioaktive Abfälle gibt es keinen Ort.

Von 2000 bis 2001 wurden diverse Probebohrungen in West- und Zentralaustralien mit dem Ziel durchgeführt, ein internationales Endlager auf dem australischen Kontinent einzurichten. Diese Pläne waren bisher politisch nicht durchsetzbar. Doch die Gegner des Projektes befürchten, dass die Option Australien in Zukunft noch Wirklichkeit werden könnte.

Russland (Wladimir Tschuprow)

Russland betreibt seit 1948 Atomreaktoren. Bis heute gibt es aber noch keine sichere Endlagerung für hochradioaktiven Müll. Die abgebrannten Brennelemente werden in die Wideraufarbeitungsanlage Majak gebracht. Dort wurden die radioaktiven Abfälle über Jahrzehnte in die umliegenden Seen und Flüsse eingeleitet.Der Karatschai-See ist so verstrahlt, dass man am Ufer eine lebensgefährliche Strahlendosis abbekommen kann.

Im Jahr 1995 hat die russische Regierung den Plan vorgestellt, ausländischen Atommüll im großen Stil zur Wiederaufarbeitung und zur Zwischenlagerung zu importieren. Greenpeace und andere Umweltschutzorganisationen sammelten in wenigen Monaten 2,5 Millionen Unterschriften, um die Importe per Volksentscheid zu verhindern. Um die Volksentscheidung, für die mindestens zwei Millionen Unterschriften gebraucht wurden, zu Fall zu bringen, erklärte die russische Regierung kurzer Hand 600.000 Unterschriften für ungültig.

Im Jahr 2001 hat die Duma das Atomimportgesetz verabschiedet. Reaktorbetreiber aus der Schweiz und Taiwan, Frankreich und Deutschland haben Interesse geäußert, ihren Atommüll nach Russland zu bringen. Doch die Menschen in Russland wollen keinen Atommüll aus dem Ausland. Russland kann nicht einmal seinen eigenen Atommüll sicher entsorgen.

Deutschland (Mathias Edler)

Mathias Edler erinnerte daran, dass der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) das Elbdorf Gorleben an der Grenze zur DDR im Jahre 1977 mit den Worten Da werden sich die Ostzonalen schön ärgern! zum Endlagerstandort erklärt hatte. Seit 1983 wird der Salzstock unter dem Deckmantel der Erkundung zum Atommüll-Endlager ausgebaut: ohne Langzeitsicherheitsnachweis, ohne atomrechtliches Planfeststellungsverfahren und ohne Öffentlichkeitsbeteiligung.

Edler kritisierte scharf, dass auch die rot-grüne Bundesregierung in puncto Endlager die Weichen auf Gorleben stelle, obwohl der Salzstock in Expertenkreisen bereits seit 1981 als ungeignet und unsicher gilt. Edler: Der von der Bundesregierung 1999 eingesetzte Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte (AkEnd) erfüllt nur eine Feigenblattfunktion. Nicht mal die Finanzierung einer alternativen Standortsuche durch die Abfallverursacher E.ON und Co. hat Rot-Grün bisher gesetzlich fest schreiben können.

Die Regierung wird sich in der Endlagerfrage von den Energieversorgern genauso über den Tisch ziehen lassen, wie im Fall des Weiterbetriebs von Deutschlands ältestem AKW Obrigheim. Dann bleibt der Atommüll doch an Gorleben kleben!. Jeder Castorbehälter, der ins Zwischenlager Gorleben transportiert wird, zementiert den nur wenige hundert Meter entfernten unsicheren Endlagerstandort Gorleben.

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