Skip to main content
Jetzt spenden

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Gestern, Sonntag, 21 Uhr. Wir sind mitten in einer Besprechung auf dem Deck des Flussschiffes, als plötzlich eine Barke an uns vorbeifährt, voll beladen mit Holz. Alle, die Crew, die Journalisten, die Greenpeacer, springen auf, rennen an die Reling. Wir entziffern den Schriftzug Madenorte - eine Firma, die schon häufig in illegalen Holzeinschlag verwickelt war.

Die Hektik ist groß. Paulo, unser brasilianischer Koordinator, rennt in den Funkraum und ruft die IBAMA an, die brasilianische Umweltbehörde. Ihr Schiff liegt nur wenige Kilometer flussabwärts und ist immer noch dabei, die 2200 Stämme aus dem Holzeinschlag von Josafá zu vermessen (siehe Amazonas-Reisetagebuch Teil 7).

Dabei wollten wir bei unserem Treffen über den dicken Fisch reden: Ein Riesengebiet, von Holzfällern total platt gemacht. Holzstämme liegen stapelweise umher. Ein illegaler Flugplatz ist ganz in der Nähe. Auf unseren Fotos aus dem Helikopter können wir Arbeiter ausmachen. Doch wie wir erst am Abend erfahren haben, sind wir nicht die Ersten, die dieses Gebiet entdecken. Die IBAMA war schon vorher da und hat einen Teil des eingeschlagenen Holzes beschlagnahmt - vorerst.

Wir fürchten, dass die IBAMA das Holz freigibt, obwohl die Frage nach dem rechtmäßigen Besitz des Landes nicht geklärt ist. Es gibt strenge Regeln, wer Besitzer eines Landes sein darf, zum Beispiel, dass man von dort stammen muss. Diese Regeln werden hier in Porto de Moz (der Region, in der auch Apeí und Carmelinho liegen) selten eingehalten. Es gehört nicht zu den Aufgaben der IBAMA zu überprüfen, ob der Besitz rechtmäßig ist, sondern nur, ob die Holzfäller zu viel einschlagen.

Was sollen wir tun? fragen wir uns in dem Moment, als die Barke von Madenorte an uns vorbeifährt. Die Anaconda, unser Schnellboot, ist sofort startklar. Agnaldo, der vorne im Boot steht, zieht eine kugelsichere Weste an. Es ist stockdunkel auf dem Jaurucú. Agnaldo leuchtet die Flussbegrenzung mit einer Taschenlampe ab. Irgendwann kommt die Barke in Sicht. Greenpeace bleibt auf Distanz, Sicherheitsabstand. Als die IBAMA endlich eintrifft, stoppt sie das Schiff und lässt es nicht mehr weiterfahren. Untersuchen will sie es erst am Morgen.

Zu viele Gesetzeslücken, zu viele Tricks, die Regierung hat zu wenig Mittel. Auf dem Erdgipfel in Rio 1992 haben Delegierte aus aller Welt eine Konvention zum Schutz der Arten verabschiedet. Passiert ist seitdem wenig. Nächstes Jahr im März ist der nächste internationale Naturschutzgipfel. Es wird Zeit, dass die Regierungen (auch die deutsche Bundesregierung) endlich genug Geld bereitstellen, um Schutzgebiete einzurichten.

Zum Nachlesen: Amazonas-Tagebuch Teil 7

Mehr zum Thema

Ein Hubschrauber der Bundespolizei fliegt mit einem Löschwasser-Außenlastbehälter, um einen Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz zu löschen.

2022 – Das Jahr der Waldbrände

  • 28.07.2022

Was verbindet den US-amerikanischen Yosemite-Nationalpark, die griechische Insel Lesbos und die Sächsische Schweiz? Sie fackeln ab. Eine traurige Weltreise in die brennenden Wälder der Erde.

mehr erfahren
Indigene und Greenpeace-Aktive im Boot auf dem Manicoré River

Greenpeace und Moritz Jahn auf Amazonas-Expedition

  • 15.07.2022

Greenpeace war gemeinsam mit Forschenden und Influencer Moritz Jahn auf Expedition im Amazonas-Regenwald. Ziel war, die Region zu erforschen und den Indigenen beim Schutz ihres Zuhauses zu helfen.

mehr erfahren
Dom Phillips and Bruno Pereira

Aktivisten im Amazonasgebiet tot aufgefunden

  • 16.06.2022

Unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Die im brasilianischen Amazonasgebiet verschwundenen Aktivisten sind tot. Greenpeace fordert eine transparente Aufklärung.

mehr erfahren
Waldbrand im Amazonas

EU-Mercosur-Abkommen

  • 02.06.2022

Der Amazonas-Regenwald ist ein Schlüsselelement für Biodiversität und Klimaschutz. Doch das geplante EU-Mercosur-Freihandelsabkommen gefährdet ihn weiter - während die Autoindustrie profitiert.

mehr erfahren
PT Megakarya Jaya Raya (PT MJR) Oil Palm Concession in Papua

Klima und Arten brauchen ein EU-Gesetz für weltweiten Waldschutz

  • 17.03.2022

Ein starkes EU-Gesetz für weltweiten Waldschutz ist dringend nötig, um gegen die Wald- und Naturzerstörung sowie die Verletzung von Menschenrechten anzukämpfen.

mehr erfahren
Illegal Mining in Yanomami Indigenous Land in Brazil

Drei Jahre Bolsonaro: Drei Jahre Umweltzerstörung in Brasilien

  • 17.01.2022

Im Januar 2022 feiert Jair Bolsonaro dreijähriges Amtsjubiläum als Präsident von Brasilien. Doch für das Klima und die Biodiversität Brasiliens gibt es wenig Grund zu feiern.

mehr erfahren