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Online-Redaktion: Wolf, das Sylter Außenriff ist ca. 5000 Quadratkilometer groß. Wie konntet ihr in einem solchen Gebiet einen versenkten Stein wiederfinden?

Wolf Wichmann: Es war eine gehörige Portion Glück im Spiel. Wir hatten zwar Positionskoordinaten, aber die lassen einen Spielraum von ungefähr 20 Metern. Und das bei zwei bis drei Metern Sichtweite unter Wasser. Wir haben den Stein zunächst mit der Schleppkamera gefunden und die Stelle mit einer Boje markiert.

Online-Redaktion: Was ist eine Schleppkamera?

Wolf Wichmann: Das ist eine Kamera in einem wasserdichten Gehäuse mit Flügeln. Die Kamera wird vom Schiff aus ins Wasser gelassen und mitgezogen. Die fährt da unten praktisch Schlitten. Sie erfasst ein Umfeld von vier bis fünf Metern. Danach ist Gavin von Greenpeace Großbritannien runtergegangen. Der hatte auch Glück. Er konnte nur gute zwei Meter weit sehen, hat den Stein aber trotzdem gefunden.

Online-Redaktion: Habt ihr schon erste Anzeichen für eine Besiedelung am Stein feststellen können?

{video}Wolf Wichmann: Für eine richtige Besiedelung ist es natürlich noch zu früh. Aber mitten auf dem Stein thronte ein Taschenkrebs und rundherum haben wir noch mehr Krebse gesehen. Ansonsten gibt es da überwiegend Sandgrund. Keinen Kies, keine Steine. Dafür Krebse und Muscheln. Wir haben das alles in Foto und Video festgehalten. Es entspricht auch unseren Erwartungen. Das war ja ein zielgerichteter Einsatz, der kleinräumig erfolgen sollte.

Online-Redaktion: Wie viel Zeit hattet ihr für Tauchgang und Dokumentation?

Wolf Wichmann: Eigentlich 20 Minuten. Wir sind aber ziemlich tief getaucht – bis 30 Meter – und waren 35 Minuten unten. Das ging nur, weil die Bedingungen sehr günstig waren.

Online-Redaktion: Was ist beim Tauchen dort zu beachten?

{image}Wolf Wichmann: Die Bedingungen für Taucheinsätze in der Nordsee sind generell schwierig und sehr schwer exakt vorherzusagen. In der Regel hat man während der Stauwasserzeiten - also dem Wechsel zwischen Ebb- und Flutstrom - ein Zeitfenster von einer halben bis maximal einer Dreiviertelstunde, um einen Tauchgang sicher zu absolvieren.

Hinzu kommen noch schwer vorhersagbare Einflüsse: etwa die aktuelle Situation von Wind und Welle, oder gezeitenunabhängige Strömungen am Grund oder an der Oberfläche. Schlechte Sicht macht das Arbeiten ebenfalls oft schwierig.

Da macht es dann glücklich, wenn alles stimmt, wie jetzt am Sonntag. Wir hätten uns für den Start der Dokumentation kaum besseres Wetter wünschen können.

Online-Redaktion: Du tauchst nicht zum ersten Mal für Greenpeace ...

Wolf Wichmann: Richtig. Der letzte größere Einsatz für Greenpeace war 2007 in der Ostsee bei der Bestandsaufnahme zum Naturraum Adlergrund. Ich habe aber auch schon einige Tauchgänge in der Nordsee absolviert, auch für Greenpeace. Zum Beispiel während der Greenpeace-Expedition 2004 auf der Doggerbank und anschließend den Shetland-Inseln.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch, Wolf.

Wolf Wichmann, 55, ist Diplom-Geologe und Wissenschaftsjournalist. Er ist seit 1984 für Greenpeace im Einsatz. Zum Tauchen kam er nach eigener Aussage schon als Zwölfjähriger. Seine erste Ausbildung hat er als Rettungstaucher bei der DLRG absolviert. Wichmanns fachliches Interesse am Naturraum Meer - und besonders unter Wasser - führte ihn schnell zur Mitarbeit in Meeresforschungsinstituten und zur Unterwasserfotografie und -videografie. Sein Engagement bei Greenpeace, sagt er, sei eigentlich nur die logische Fortsetzung dieses Aktivitätenspektrums.

Hier ein Video zum Thema Schutzgebiete und Grundschleppnetzfischerei.

 

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