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Protest gegen Shells Pläne für seismische Sprengungen in Südafrika
© Greenpeace / Fixerfilm

Ölerkundung vor Südafrika rechtswidrig

Erfolg für den Meeresschutz: Shell darf vor der afrikanischen Wild Coast keine Schall-Untersuchungen durchführen.

Der Ölkonzern Shell wollte vor der Küste Südafrikas nach Öl und Gas suchen und dafür seismische Tests mit Druckluftkanonen am Meeresgrund vornehmen: Eine massive Gefahr für das marine Ökosystem und die Heimat zahlreicher Meereslebewesen wie Wale, Delfine, Schildkröten und Haie - teilweise vom Aussterben bedrohte Arten oder solche, die nur in dieser Region vorkommen. Insgesamt plante Shell eine Fläche von mehr als 6000 Quadratkilometern abzusuchen, in der unmittelbaren Nähe von vier Meeresschutzgebieten, die durch den erzeugten Unterwasserlärm ebenfalls betroffen wären. Der Oberste Gerichtshof in Makhanda hat nun entschieden, dass das Explorationsrecht von Shell für seismische Untersuchungen an der Wild Coast Südafrikas rechtswidrig erteilt wurde, und hob es daher auf.

Bei den seismischen Untersuchungen sollten mithilfe von Druckluftkanonen (Airguns) Druckwellen auf den Meeresboden geschossen werden, um diesen nach Öl- und Gasvorkommen abzusuchen: alle 10 Sekunden, 24 Stunden am Tag, 5 Monate lang. Durch den erzeugten Unterwasserlärm werden Meerestiere wie Wale massiv in ihrer Kommunikation und Navigation gestört. Schlimmstenfalls können sie sogar getötet werden, wenn ihre Organe durch den Lärm verletzt und sie orientierungslos an Strände gespült werden.

In dem von Shell anvisierten Gebiet vor der Wild Coast gibt es außerdem eine der mächtigsten Strömungen weltweit, den Agulhas-Strom. Wenn Shell mit der Öl- und Gasförderung beginnen würde, könnte austretendes Öl mit der Strömung innerhalb weniger Tage die Ostküste Südafrikas erreichen und verschmutzen und dabei immense Umweltschäden verursachen. Säuberungsaktionen wären bei dieser rasanten Ausbreitung des Öls nahezu unmöglich. Die Öl- und Gasindustrie befeuert die Klimakrise, und Shells zerstörerische Pläne in Südafrika gefährden eine artenreiche Unterwasserwelt.

Massiver Protest gegen Shell

Der Ölkonzern erhielt bereits 2014 das Explorationsrecht an der Wild Coast Südafrikas, das seitdem zweimal erneuert wurde. Dagegen formierte sich massiver Protest in über 60 Orten, mit zahlreichen lokalen Gemeinden und Organisationen. Aus dem Protest entstand eine Klage verschiedener Verbände. Greenpeace Africa unterstützte die Klage gegen das Explorationsrecht von Shell – mit dieser Klage konnte jetzt ein wichtiger Sieg für Meeresschutz erreicht werden, da der Oberste Gerichtshof in Makhanda anerkannt hat, dass die Explorationsgenehmigung unrechtmäßig erteilt wurde. 

Die Kläger:innen forderten, das Explorationsrecht zu kippen, da es rechtswidrig erteilt wurde: Es fand keine Konsultation der betroffenen Gemeinschaften statt, die Konsultationen der Unternehmen waren unzureichend. Bei der Erteilung des Explorationsrechts haben die Entscheidungsträger:innen die mögliche Beeinträchtigung der Lebensgrundlage der lokalen kleinen Fischer:innen sowie die Auswirkungen auf ihre kulturellen und spirituellen Rechte nicht berücksichtigt. Außerdem wurde der massive Beitrag der Öl- und Gasförderung zur Klimakrise nicht berücksichtigt. Das Gericht entschied in allen Revisionsgründen zugunsten der Kläger:innen und erkannte die Schlüsselrolle des Meeres für den Lebensunterhalt sowie das spirituelle und kulturelle Leben der Küstengemeinden an. 

Die Entscheidung des Gerichts ist gleichzeitig eine Ermutigung für die weltweiten Kämpfe, die gegen neue Öl- und Gasexplorationen stattfinden. Noch dieses Jahr will beispielsweise der australische Energiekonzern Woodside vor der Küste Westaustraliens ebenfalls Druckluftkanonen einsetzen, um nach Gasvorkommen zu suchen. Greenpeace protestiert mit weiteren Organisationen gegen das Tiefseegasprojekt, bei dem RWE und Uniper mit Woodside die Meereswelt vor der westaustralischen Küste bedrohen.

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