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Greenpeace-Aktivisten betonieren einen zweieinhalb Meter hohen Briefkasten mit rund 10.000 Protestbriefen von Verbrauchern vor der Zentrale der Molkerei Weihenstephan in Freising ein. Auf dem Firmenschild steht nun "Gen-Milch Molkerei Weihenstephan". Juli
Greenpeace

Ein Konzern setzt auf Gentechnik und ignoriert Konsumentenpost

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Die Molkerei Weihenstephan hatte endlich den Briefkasten, der ihr gebührt: Gen-Milch Molkerei Weihenstephan stand am Donnerstagmorgen auf dem Firmenschild. Weihenstephan weigert sich seit Mai, die Protestbriefe von Verbrauchern gegen Gen-Milch anzunehmen. Nun hatten Greenpeace-Aktivisten die Initiative ergriffen und einfach einen zweieinhalb Meter hohen Briefkasten samt Inhalt vor der Firmenzentrale in Freising einbetoniert.

Doch auch das scheint Weihenstephan nicht zu interessieren. Statt den Briefkasten zu öffnen und die Post entgegenzunehmen, wurde dieser mit Hilfe der Feuerwehr schnellstmöglich abgebaut. Diese hat den Postkasten dann auch samt Inhalt mitgenommen. Wo die Briefe jetzt sind? Keiner weiß es. Von Weihenstephan war bisher niemand zu einer Stellungsnahme bereit. Auch die neuen Firmenschilder mit der Aufschrift Gen-Milch Molkerei Weihenstephan gefielen anscheinend nicht. Sie wurden ebenfalls entfernt.

Fraglich, was da bei Weihenstephan schief läuft, wovor hat der Konzern Angst? In den unerwünschten Briefen äußern lediglich viele Konsumenten ihre Meinung. Sie wollen keine Verfütterung von Gen-Pflanzen an Milchkühe. Und sie sind bereit, dafür tiefer in die Tasche zu greifen: Jedem Umschlag liegt ein Cent bei. Diese minimale Summe entspricht der preislichen Differenz, die ein Liter Milch teurer würde, wenn die Kühe mit gentechnikfreiem Futter versorgt werden.

Im Mai hatte Greenpeace schon einmal versucht, der Molkerei 4.000 Protestschreiben zu übergeben. Auch damals zeigte die Molkerei kein Interesse an der Meinung der Käufer. Noch besser: In einem offenen Brief behauptete Weihenstephan sogar, die Absender seien keine Verbraucher.

Ob ein solcher Umgang mit der Meinung Zehntausender zu empfehlen ist, ist fraglich. Schon vor dieser ersten versuchten Briefübergabe hatten mehrere zehntausend Verbraucher mit Emails, Postkarten und Briefen für eine gentechnikfreie Fütterung protestiert. Laut einer Greenpeace-Umfrage sind 80 Prozent der Verbraucher bereit, den zusätzlichen Cent zu zahlen, den die gentechnikfreie Fütterung pro Liter kosten würde.

Die Konkurrenz schläft nicht. Campinas Marke Landliebe bewirbt ihre H- und Frischmilch mit der Kennzeichnung Ohne Gentechnik. So konnten bei Campina die Verkaufszahlen in den ersten vier Monaten dieses Jahres um 10 bzw. 3,9 Prozent gesteigert werden. Und das obwohl der Markt derzeit rückläufig ist. Gentechnikfreie Fütterung der Milchkühe ist also nicht nur machbar, sondern lohnt sich auch wirtschaftlich.

Gen-Soja: Eine große Gefahr

Die Genmanipulation von Pflanzen ist mit hohem Risiko verbunden. Mit dem Eingriff in die Pflanze können unerwünschte Stoffe mit schwierigen Nebenwirkungen entstehen.

Außerdem lassen sich die großen Agrarkonzerne die Gen-Soja sogar patentieren. Dadurch vergrößern sie die Abhängigkeit der südamerikanischen Bauern. Diese können nicht einfach mit dem Ertrag des einen Jahres im nächsten Jahr wieder aussäen. Da sie ja nur die Rechte am Samen für eine einzige Aussaat gekauft haben. Davon abgesehen sind die Folgen, die aus gentechnisch verändertem Saatgut entstehen, unabsehbar: Oft ist es nicht möglich, vorauszusehen wie sich die genmanipulierte Soja weiterentwickelt.

Gen-Soja wird stärker gespritzt als herkömmliche Soja. Zudem trägt die Pflanze wesentlich zur Urwaldzerstörung bei. Riesige Flächen wurden gerodet, um Platz für ihren Anbau zu schaffen. Dabei gefährden die giftigen Spritzmittel die im Urwald beheimateten Menschen. Die Chemikalien verunreinigen ihr Trinkwasser und bedrohen die Pflanzenvielfalt.

Eine Molkerei wie Weihenstphan, die Gen-Futter bei ihren Lieferanten duldet, nimmt solche Nebenwirkungen auf Mensch und Natur billigend in Kauf. Gleichzeitig scheint sie an möglichen Nachwirkungen des Einsatzes genmanipulierter Pflanzen im Tierfutter auf unsere Gesundheit kein Interesse zu haben - ebenso wie sie gerne Verbraucherwünsche ignoriert.

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