Skip to main content
Jetzt spenden

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Um etwas Licht in diese paradoxe Situation zu bringen, haben am Freitag rund 30 Aktivistinnen und Aktivisten vor der Ölmühle eine Gen-Kontrolle errichtet. Die Fahrer der mit Sojaschrot beladenen LKW wurden gebeten, den Lieferschein vorzulegen und eine Probe ihrer Ladung abzugeben. Ein Dutzend Fahrer zeigten sich kooperativ. Die Proben wird Greenpeace in einem Speziallabor auf gentechnische Veränderungen untersuchen lassen.

Bunge sagt selbst, dass die Mühle erst im April gründlichst gesäubert wurde. Bekannt ist, dass seither nur gentechnikfreie Soja verarbeitet wurde. Es ist vorbildlich, dass Bunge ausschließlich Soja ohne Gentechnik verarbeitet, sagt Carmen Ulmen, Gentechniksprecherin bei Greenpeace. Aber es ist irreführend, saubere Soja als Gen-Soja zu kennzeichnen. Der Konzern sabotiert damit einen gentechnikfreien Markt für Futtermittel, indem er die Ware künstlich verknappt - zum Schaden der Landwirte und Verbraucher.

Bei den Landwirten wird der Eindruck erweckt, dass es inzwischen Standard sei, dass in Futtermitteln Gentechnik drin ist, kritisiert Ulmen. Dabei zeigt gerade der Fall Bunge, dass das Unsinn ist. Bunge liefert das Sojaschrot an die Futtermittelindustrie, die es zu Futter für Schweine, Milchkühe und Hühner verarbeitet.

Bunge hält den Preis für Futter ohne Gen-Soja künstlich hoch und macht es zum Nischenprodukt, sagt Ulmen. Landwirte, die gentechnikfreie Soja wollen, werden mit willkürlich festgesetzten Preisen abgeschreckt. Dabei gibt es genug saubere Soja auf dem Markt. Das muss sich in den Preisen und im Angebot widerspiegeln.

Staatliche Stellen bislang untätig

Der Streit um Futtermittel ist für die Verbraucher wichtig, da Milch, Joghurt, Eier, Käse und Fleisch als einzige Lebensmittel nicht gekennzeichnet werden müssen, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen bei der Produktion eingesetzt wurden. Solange die tierischen Produkte nicht gekennzeichnet werden müssen, erhält die Industrie nicht genügend Druck von den Verbrauchern, um die Futtermittel gentechnikfrei zu halten, erklärt Ulmen.

Doch auch die Behörden müssen tätig werden. Bislang scheinen sie das Vorgehen der Ölmühle als nicht so schlimm anzusehen. Deshalb wird Greenpeace die Untersuchungsergebnisse an die Behörden weiterleiten. Nach der Europäischen Kennzeichnungsverordnung ist es gesetzeswidrig, Ware als genmanipuliert zu kennzeichnen, die gentechnikfrei ist. Nach einem Gespräch mit dem Regierungspräsidium in Karlsruhe bemerkt Ulmen: Eine Bewegung ist zu spüren. (mir)

Weitere Informationen über die Firma Bunge und die paradoxe gentechnikfreie Gen-Soja finden Sie in unserem Factsheet.

Mehr zum Thema

Dirk Zimmermann

Zum Tod von Dirk Zimmermann

  • 09.08.2022

Am 3. August 2022 ist unser Kollege und Freund Dirk Zimmermann viel zu früh, viel zu jung nach schwerer Krankheit gestorben. Ein Nachruf.

mehr erfahren
Organic Meals at Kindergarten in Hamburg

Warum Städte künftig mehr Bio-Essen anbieten wollen

  • 22.02.2022

Den Anteil an Bio-Lebensmitteln in öffentlichen Kitas, Schulen und städtischen Kantinen wollen 20 von 27 Städten in Deutschland mit konkreten Zielen erhöhen. Das ergab eine Abfrage von Greenpeace.

mehr erfahren
GP1SUQSD Urban Ecological Farming in Auckland

Neue Gentechnik: Positionen des Lebensmittelhandels

  • 31.01.2022

Bisher ist die gentechnikfreie Landwirtschaft in Europa eine Erfolgsgeschichte. Doch mit der Freiheit, sich bewusst gegen Gentechnik im Essen entscheiden zu können, könnte es bald vorbei sein.

mehr erfahren
Protest Against New Pig Farm in Alt Tellin

Umsetzung der EU-Agrarreform – ein Kommentar

  • 16.12.2021

Der Bundesrat besiegelt die nationale Umsetzung einer EU-Agrarreform, die diesen Namen nicht verdient. Milliarden Steuergelder werden ziellos verschwendet. Was die neue Bundesregierung nun tun muss.

mehr erfahren
Cem Özdemir

Landwirtschaftsminister Cem Özdemir - eine Analyse

  • 08.12.2021

Das Landwirtschaftsministerium steht nach fast zwei Jahrzehnten zum zweiten Mal unter grüner Leitung. Was nun zu tun ist - ein Interview mit Martin Hofstetter, Landwirtschaftsexperte von Greenpeace.

mehr erfahren

Bundesbehörde auf Abwegen

  • 04.10.2021

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit schützt die Gentechnik-Industrie statt die Verbraucher:innen.

mehr erfahren