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Mutter mit Kindern vor einem Maisfeld in Kenia, Juni 2001.
Matthias Ziegler / Greenpeace

Gentechnik: Keine Lösung gegen Hunger

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Circa eine Milliarde Menschen hungern weltweit. Dabei ist die landwirtschaftliche Produktion pro Erdenbürger höher als je zuvor. Wir leben in einer Zeit der Überproduktion an Nahrungsmitteln. Doch diese sind nicht gerecht verteilt. Hunger und Armut sind in erster Linie ein politisches und soziales Problem: Verursacht durch unfaire Handelsbedingungen, Kriege, politische Strukturen und dem fehlenden Zugang zu Ressourcen wie Land, Wasser, Saatgut oder finanziellen Mitteln.

Allein mehr Lebensmittel zu produzieren, kann den Hunger also nicht besiegen. Auch Klimawandel und Wetterextreme beeinflussen die Landwirtschaft und damit die weltweite Lebensmittelproduktion. Betroffen sind in erster Linie Kleinbauern und Konsumenten in den Ländern des Südens.

Mit dem Versprechen, das Hungerproblem zu lösen, versuchen Gentechnik-Konzerne, die Öffentlichkeit von der Notwendigkeit ihrer Risiko-Technologie zu überzeugen. Die Gentechnik bekämpft jedoch nicht den Hunger der Welt, sondern ist Teil des Problems. Zur Sicherung der Welternährung sind empfindliche, hochgezüchtete Gen-Pflanzen, die sich nur an die Anforderungen der industriellen Landwirtschaft richten und die Monopolstellung einiger weniger Agrarkonzerne fördern, nutzlos.

Vielmehr kommen im Bericht des Weltagrarrates von 2008 rund 400 Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die globale Landwirtschaft grundlegend verändert werden muss. Der im Auftrag der Vereinten Nationen und der Weltbank entstandene Bericht mahnt, dass das Hauptaugenmerk nicht mehr allein auf der industriellen Massenproduktion liegen dürfe, die bereits ein Drittel der fruchtbaren Böden zerstört hat. Auch in der Gentechnik erkennen sie keine Lösung. Vielmehr sollten Kleinbauern gefördert werden und die natürlichen Ressourcen der jeweiligen Regionen genutzt werden.

Vitamin-A-Reis: Leere Versprechen

Ein Vorzeigeprojekt der Gen-Lobby ist der gentechnisch veränderte Vitamin-A-Reis: Der mit einer Vorstufe des Vitamin A angereicherte Reis soll den Vitamin-A-Mangel beheben, der zu Erblindung und Tod führen kann - vor allem Kinder sind betroffen. Der Mangel wird hauptsächlich durch einseitige Ernährung verursacht.

Bis heute ist aber völlig unklar, wie viel Vitamin A beim Verzehr des Gen-Reises noch beim Menschen ankommt und was dagegen bei der Lagerung und Zubereitung verloren geht. Die Gen-Manipulation greift stark in den Stoffwechsel der Pflanze ein. Selbst Befürworter des Vitamin-A-Reises bemängeln, die ökologischen und gesundheitlichen Risiken seien noch längst nicht geprüft. So werden keine Lösungen, sondern zusätzliche Probleme geschaffen. Dabei gibt es Gemüsearten, die fast überall angebaut und die die Menschen mit viel Vitamin A versorgen können - ohne Gefahren für Mensch und Umwelt.

Patente gefährden die Welternährung

Mit Patenten versucht sich die Industrie ein Monopol über die landwirtschaftliche Produktion und Ernährung zu verschaffen. Patente im Bereich Landwirtschaft können exklusive Rechte über Saatgut, Ernte bis hin zu den Lebensmitteln beinhalten. Die Konzerne diktieren dann, wer was zu welchen Bedingungen und Preisen anbauen und verkaufen darf: vom Weizen bis zum Brot, vom Mais bis zum Popcorn.

Die Vielfalt der pflanzengenetischen Ressourcen steht seit jeher der Allgemeinheit zur Verfügung. Bauern nutzen sie zur Zucht neuer Ackerpflanzen. Patente blockieren dagegen diesen freien Zugang zum Saatgut: Bauern sollen auf einmal hohe Lizenzgebühren an die Industrie zahlen, die die Entwicklung neuer Pflanzen und Tiere zunehmend monopolisiert hat. Auf ein einzelnes Reiskorn können inzwischen einige Dutzend Patentansprüche fallen. Traditionelle Pflanzensorten, die für die Konzerne keine Gewinne versprechen, verschwinden. Und mit ihnen das Wissen.

Einst gab es in Indien etwa 30.000 Reissorten, heute spielen nur noch zehn eine Rolle. Genetische Vielfalt ist aber Ausgangsbasis für die Züchtung neuer, sich den wechselnden Umweltbedingungen anpassender Nutzpflanzen. Geht diese Vielfalt verloren, verschwindet die Grundlage zur Sicherung der Ernährung.

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