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Aktion in Bonn: Aktivisten schreddern symbolisch Geldscheine
Bernd Lauter / Greenpeace

Protest in Bonn: Artenschutz statt Agrarfabriken

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Die EU stellt die Weichen für die Agrarpolitik des nächsten Jahrzehnts. Aktivisten fordern von Deutschland, den ökologischen Umbau endlich voranzutreiben.

Agrarunternehmen, die auf riesigen Äckern Mais und anderes Getreide für Biogasanlagenanbauen. Investoren, die als Geldanlage in Ostdeutschland enorme Flächen aufkaufen. Betriebe, die Sauen so schlecht halten, dass sie sogar gegen die ohnehin laschen Haltungsvorgaben verstoßen. Sie alle erhalten Geld: EU-Subventionen, bereitgestellt aus Steuergeld. 60 Milliarden Euro sind es insgesamt, sechs Milliarden davon wandern nach Deutschland.

Eine vierköpfige Familie in Deutschland zahlt also umgerechnet jährlich rund 300 Euro allein für die Agrarsubventionen. Doch gibt es eine gesellschaftliche Akzeptanz dafür, dass ein Sauenhalter wie Gut Thiemendorf jährlich 107.000 Euro bekommt? Greenpeace hatte den Massenbetrieb in Thüringen angezeigt, weil er seine Tiere in gesetzeswidrig engen Ständen hält.

Heute hat die EU-Kommission ihren Vorschlag für eine Agrarreform veröffentlicht. Reform? Eigentlich bleibt alles beim Alten: Ökologische Leistungen sollen weiterhin kaum honoriert, Gelder nach wie vor fast ausschließlich an die Größe des Betriebes gebunden werden – nämlich 4,8 von den sechs Milliarden. „So wird auch die neue EU-Landwirtschaftspolitik Familienbetriebe und Artenvielfalt weiter zerstören“, kritisiert Martin Hofstetter, Greenpeace-Experte für Landwirtschaft. „Unsere Steuergelder sollten an ökologisch orientierte Betriebe fließen, die sich dem Gemeinwohl mit einer besseren Tierhaltung und mehr Klima- und Artenschutz verpflichtet fühlen.“ Dafür müsse sich Deutschland bei den anstehenden Agrarverhandlungen einsetzen.

Schädliche Subventionen in den Schredder

Als Zeichen dafür, wie sinnfrei die für Deutschland bestimmten sechs Milliarden Euro verteilt werden, haben Greenpeace-Aktivisten zusammen mit Landwirten der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) einen Schredder aufgestellt. Dieser zerreißt symbolisch vor der Tür des Landwirtschaftsministeriums in Bonn umweltschädliche Subventionen. Drinnen stellt Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) in einer Pressekonferenz besagten Agrarreform-Vorschlag aus Brüssel vor.

„Seit Jahren liegen der Bundesregierung Berichte über die negativen Folgen außerlandwirtschaftlicher Investitionen vor“, sagt Georg Janßen von der AbL. „Die Bodenpreise steigen, der Umweltschutz leidet und dörfliche Strukturen werden zerstört. Viele Unternehmen sanieren sich mit Subventionen, die eigentlich in die landwirtschaftliche Erzeugung fließen sollten“, so Janßen.

Mit Subventionen gegensteuern

Stattdessen müssten umwelt- und klimaschonende Leistungen der Bauern belohnt werden: Vielfältige Fruchtfolgen etwa, die für gesunde Böden sorgen, die deutlich mehr CO2 speichern als ausgelaugte Mais-Monokulturen. Der Erhalt von Wiesen, Weiden und Hecken bietet Tieren wie Insekten und Vögeln einen Lebensraum.

Wie dringend notwendig der ökologische Umbau ist, haben Wissenschaftler in der vergangen Woche erneut belegt. Unter dem Titel „Der stumme Frühling“  zeigen sie, wie eine industrielle chemieintensive Landwirtschaft das Artensterben beschleunigt. „Wir befinden uns mitten in einer tiefen ökologischen Krise: Bienen und Insekten, Vögel und Schmetterlinge verschwinden, unser Trinkwasser wird durch Gülleüberdüngung  aus der Intensivtierhaltung bedroht“, so Hofstetter. „Da kann man nicht einfach weitermachen wie bisher.“

>>> Greenpeace hat in einem Papier acht Forderungen für die künftige Agrarpolitk zusammengestellt. Unter www.abl-ev.de/abl-punktesystem legt die AbL ein Konzept vor, wie Agrarsubventionen Umwelt- und Tierschutz honorieren können.

  • Aufgespießte 500-Euro-Scheine

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  • Aktion in Bonn: geschredderte Geldbündel

    Ab in den Schredder

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  • Aktivisten schreddern symbolisch 500-Euro-Scheine

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EU-Agrarpolitik: Acht Greenpeace-Forderungen

EU-Agrarpolitik: Acht Greenpeace-Forderungen

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