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Bienen in einem Bienenstock, Juli 2008
Pieter Boer / Greenpeace

EU-Kommission will Pestizide nur vorübergehend verbieten

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace, erklärt, warum die Gifte dringend verboten werden müssen.

Online-Redaktion: Was hältst du von dem Vorschlag der EU-Kommission?

Christiane: Ein zweijähriges Verbot wäre absolut nicht ausreichend, um die Bienen langfristig zu schützen. Die giftige Wirkung der Neonikotinoide auf Bienen ist eindeutig belegt. Es ist deshalb dringend nötig, diese Gifte ohne Einschränkungen auf einzelne Pflanzen zu verbieten.

Online-Redaktion: Was genau machen Neonikotinoide mit den Bienen?

Christiane: Wissenschaftler aus Frankreich und Großbritannien entdeckten, dass Neonikotinoide - wie Clothianidin, Thiametoxam Imidacloprid - die Bienen verwirren können, da sie die Navigation der Bienen beeinflussen.

Erst im Dezember 2012 hat das EU-Parlament eine Studie veröffentlicht, die ebenfalls belegt, dass Neonikotinoide sehr giftig für Honigbienen sind. Schon eine geringe Dosierung könne bei Bienen zu Flug- und Navigationsproblemen führen, die Fortpflanzungsfähigkeit sowie die Fähigkeit der Nahrungssuche reduzieren.

Aber auch eine aktuelle Studie der EFSA hat bestätigt, dass die drei meist eingesetzten Neonikotinoide, die ich oben erwähnt habe, schwerwiegende Effekte auf Bienen haben. Hinzu kommt, dass die derzeitige Datenlage über die Wirkstoffe äußerst gering ist. Um dem Vorsorgeprinzip gerecht zu werden, sollten diese Stoffe sofort von einer Anwendung auf den Äckern und als Saatgutbeizmittel ausgenommen werden.

Online-Redaktion: Die Industrie behauptet, dass mit dem Pestizideinsatz ertragreicher gewirtschaftet werden kann. Würde ein Verbot von Neonikotinoiden dann nicht enorme Kosten verursachen?

Christiane: Die Bienen haben einen enormen Stellenwert in unserem System zur Produktion von Lebensmitteln. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO hängt über ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion von bestäubenden Insekten wie Bienen oder Hummeln ab. Als ökonomische Zahl ausgedrückt bedeutet dies für unser Wirtschaftssystem, dass der Wert der Bestäubung pro Jahr 70 bis 100 Milliarden Euro weltweit und in Deutschland etwa 2,5 Milliarden Euro beträgt. Dies schätzt die Universität Hohenheim.

Beim Ansatz der Industrie geht es lediglich um einen sozioökonomischen Blickwinkel, bei dem die bestehende Landwirtschaft unverändert weiterbetrieben wird und lediglich die Neonikotinoide weggelassen würden. Aber um langfristig und nachhaltig zu wirtschaften, muss die Landwirtschaft sich einem Strukturwandel unterziehen. Es muss zum Beispiel mehr Wert auf die Fruchtfolge gelegt werden, es muss mehr auf resistente Sorten zurückgegriffen werden und auch Aspekte wie gesunde Ackerrandstreifen und der Einsatz von Nützlingen müssen in Betracht gezogen werden.

Online-Redaktion: Die Bienen sind sehr wichtig für uns. Welchen weiteren Gefahren sind sie ausgesetzt?

Christiane: Die Neonikotinoide sind nicht die einzige Bedrohung für die Bienen. Der Lebensraum der Bienen wird auch durch Monokulturen eingeschränkt, denn diese bekommen ihre Nahrung von blühenden Pflanzen. In Landstrichen, in denen nur eine einzige Sorte von Pflanzen blüht, wie zum Beispiel bei intensivem Rapsanbau, haben die Bienen nur einen sehr einseitigen Speiseplan und dieser ist auch zeitlich sehr limitiert.

Ein weiterer Schädling, der die Bienen schwächt ist die Varroamilbe. Sie gilt als der weltweit bedeutendste Bienenschädling und befindet sich nicht auf den Pflanzen, sondern in den Bienenstöcken.

Online-Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch.

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