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Obstregal im Supermarkt
Axel Kirchhof / Greenpeace

Wie sich die Lebensmittelverschwendung bekämpfen lässt

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Was wir nicht verkaufen, darf auch kein anderer haben – der skandalösen Praxis einiger Supermärkte, weggeworfene Lebensmittel mit Chlor unbrauchbar zu machen, schob die französische Regierung im Mai per Beschluss einen Riegel vor. Nicht nur das: Übriggebliebene Ware muss seit der Entscheidung an Bedürftige gespendet, kompostiert oder als Tiernahrung genutzt werden. Gute Lebensmittel einfach in die Tonne werfen, das geht jetzt nicht mehr – jedenfalls auf den Höfen der großen Supermärkte Frankreichs.

Damit reagiert die Regierung dort auf Forderungen aus der Gesellschaft, die auch in Deutschland immer lauter werden. Hierzulande werden nach einer aktuellen Studie des WWF pro Sekunde etwa 313 Kilogramm unverdorbener Lebensmittel entsorgt. WWF-Vorstand Christoph Heinrich erklärte gegenüber der Deutschen Welle: "Derzeit ist es so, als würden wir Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland in einen riesigen Acker umwandeln und die eingefahrene Ernte einfach wegwerfen.“

Das Problem ist aber nicht nur der große Ackerflächenverbrauch für die am Ende weggeworfenen Lebensmittel. „Beim Anbau, Transport und Verarbeitung von Lebensmitteln werden große Mengen an Klimagasen frei. Zudem wird die Umwelt durch Pestizide und Mineraldünger der Landwirtschaft belastet. Und das alles für Lebensmittel, die am Ende nicht genutzt werden. Was für ein Wahnsinn“, so Martin Hofstetter, Agrarexperte von Greenpeace.

Zögern in der Regierung

Inzwischen nimmt auch die Politik Stellung zu einer Verantwortung des Großhandels. So sagte Nicole Maisch, Sprecherin der Grünen für Verbraucherpolitik, gegenüber der Huffington Post: „Dass die französische Regierung handelt und konkrete Vorgaben zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung trifft, ist  ein erster Schritt und mehr als die deutsche Bundesregierung macht.“ Handlungsbedarf sieht auch die Linke, deren ernährungspolitische Sprecherin im Bundestag, Karin Binder, an selber Stelle vom Großhandel forderte, „nicht verkaufte genießbare Waren an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gemeinnützige Einrichtungen oder interessierte Einzelpersonen kostenfrei weiterzureichen.“

Martin Hofstetter von Greenpeace meint allerdings, dass man das Beispiel aus Frankreich nicht eins zu eins übernehmen sollte. „ Die Möglichkeit, überschüssige Lebensmittel nun über Biogasanlagen zu verwerten klingt zwar sinnvoll, macht es dem Lebensmittelhandel allerdings recht einfach, sich des Problems zu entsorgen. Wichtiger sind konkrete Zielvorgaben, dass auf Ebene des Handels erst überhaupt keine Reste entstehen!“

Die Bundesregierung gibt sich allerdings bislang zögerlich, den Großhändlern Auflagen zu machen. Die Initiative der damaligen Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner „Zu gut für die Tonne“ aus dem Jahr 2012 appelliert eher an die Eigenverantwortung der Endverbraucher. Nicht ohne Grund: Schließlich entsorgen diese mit 39 Prozent den größten Posten an Lebensmitteln. Das sind 7,2 Millionen Tonnen Lebensmittel - von denen laut WWF allerdings rund 5 Millionen einwandfrei sind.

Aufklärung ist notwendig

Grundsätzlich lässt sich sagen: Je näher das Produkt dem Endverbraucher kommt, umso höher ist der Prozentsatz der Verschwendung. Verluste bei der Ernte- und der Nachernte betragen etwa 2,6 Millionen Tonnen, sind allerdings verarbeitungstechnisch kaum zu vermeiden. Ein Verlust in derselben Größenordnung entsteht bei der Weiterverarbeitung.

Der Groß- und Einzelhandel ist einer der größten Verschwender. Das hat so gut wie keine technischen Gründe, sondern ist die Folge von Marketingentscheidungen und Konsumentenerwartungen: Die Regale müssen immer gefüllt sein, die Ware makellos – und der Überschuss landet nach Ladenschluss im Container. Im Jahr macht das rund 2,4 Millionen Tonnen unverdorbener Lebensmittel im Müll. Großverbraucher wie Restaurantketten werfen im Jahr 3,4 Millionen Tonnen Lebensmittel weg, davon wären rund 2,3 Millionen Tonnen ohne weiteres nutzbar.

Aufklärung bei Verbrauchern ist unbedingt notwendig. Ansatzpunkte dafür gibt es viele: zum Beispiel die richtige Lagerung, ein bewussteres, maßvolles Einkaufsverhalten, Foodsharing-Initiativen und ein kritischerer Umgang mit Mindesthaltbarkeitsdaten – die keineswegs besagen, dass ein Produkt nach dem angegebenen Zeitpunkt nicht mehr genießbar ist. 

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