Skip to main content
Jetzt spenden
Kirschen und Erdbeeren, Juni 2009
Christoph Piecha / Greenpeace

Erdbeeren aktuell kaum belastet

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Beim Gedanken an Erdbeeren und Kirschen läuft vielen Menschen sogleich das Wasser im Munde zusammen. Gerne essen sie die roten Früchte auch außerhalb der Saison und meinen, sich etwas Gutes zu tun. Doch der Schein trügt. Zwar sind Erdbeeren aus Deutschland und Spanien mittlerweile immer weniger mit gefährlichen Giften belastet, doch bei Kirschen sieht es leider anders aus.

Jeder Deutsche verzehrt im Durchschnitt pro Jahr 3,1 Kilo Erdbeeren und 2,9 Kilo Kirschen in Form von Frischobst, Marmelade, Konserven oder Saft. Die derzeitig angebotenen Erdbeeren enthalten erfreulich geringe Mengen an Pestiziden. Daher rät Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace: Essen Sie Erdbeeren. Bei Kirschen dagegen ist Vorsicht geboten. In 73 Prozent der von Greenpeace getesteten Proben steckten Pestizidrückstände. Diese Pestizide haben besonders gefährliche Eigenschaften und können Krebs auslösen oder die Fortpflanzung beeinträchtigen.

Für den aktuellen Greenpeace-Test kauften Greenpeace-Mitarbeiter Ende Mai bundesweit 28 Proben Erdbeeren und 12 Proben Kirschen bei den Supermarktketten Aldi (Aldi-Nord und Aldi-Süd), Edeka (auch Netto), Kaiser´s Tengelmann, Lidl und Kaufland (beide gehören zur Schwarz-Gruppe), Metro (Kaufhof und Real) und Rewe (auch Penny). Zusätzlich wurde in einem kleinen Hamburger Obstladen eine Probe gekauft.

In 4 der 28 Erdbeerproben (14 Prozent) wurden überhaupt keine und bei 24 (86 Prozent) nur geringe Spritzmittelrückstände gefunden. Insgesamt setzt sich der Trend zu geringeren Rückständen bei Obst und Gemüse aus Supermärkten auch bei unseren aktuellen Tests fort. Das ist ein Erfolg der Greenpeace-Pestizidkampagne, sagt Krautter.

Als Reaktion auf umfassende Greenpeace-Tests hatten alle großen deutschen Supermarktketten zwischen 2006 und 2007 verschärfte Standards und Kontrollen eingeführt. So stellte Greenpeace bereits im August 2007 deutlich sinkende Pestizidrückstände bei Tafeltrauben fest. Im ersten Quartal 2008 zeigten behördliche Tests von Paprika deutliche Verbesserungen bei dem bis dahin problematischen Gemüse. Und auch die geringe Menge der jetzt in Erdbeeren gefundenen Pestizide lässt hoffen.

Dennoch bleibt die Gefahr von Pestiziden in Lebensmitteln weiterhin bestehen. Wir haben auch bei diesem Test immer wieder Rückstände besonders gesundheitsschädlicher Pestizide gefunden, die auf den Schwarzen Listen von Greenpeace und Edeka stehen, so Krautter. Nach den Kriterien dieser Schwarzen Listen gelten 46 Prozent der getesteten Kirschen als stark belastet und daher nicht empfehlenswert. Auch wenn hierbei nicht der gesetzlich vorgegebene Höchstschwellenwert überschritten wurde, bleibt die Frage, was der Endverbraucher tun kann, damit er wieder unbeschwert genießen kann.

Wenn Sie Früchte kaufen möchten, die als unbedenklich gelten, achten Sie darauf, in welchem Supermarkt Sie Ihr Obst und Gemüse erwerben. Denn je nach Anbieter gibt es große Unterschiede bei Pestizidrückständen. Ebenso wichtig ist die Herkunft der Produkte. Rund 70 Prozent des in Deutschland verkauften Obstes und Gemüses werden importiert. Produkte, die aus Südeuropa oder Übersee stammen, sind stärker belastet als heimische Ware. Spülen Sie Obst und Gemüse ab, denn hierdurch lässt sich ein kleiner Teil der Pestizide entfernen, immerhin.

Am einfachsten ist es, wenn Sie auf Bioprodukte zurückgreifen, da diese grundsätzlich ohne Pestizide angebaut werden. Gerade für Kleinkindnahrung sollten nur Biowaren verwendet werden.

Greenpeace fordert, dass die Bundesregierung den Landwirten und Handelsketten bei der Umstellung auf nichtchemische Pflanzenschutz-Alternativen unter die Arme greift. Bei der Startveranstaltung zum nationalen Pestizid-Aktionsplan der Bundesministerien für Landwirtschaft und Umwelt Ende Juni in Potsdam müssen dazu wirksame Programme verabschiedet werden.

(Autor: Malte Strathmeier)

Mehr zum Thema

Tisch gedeckt mit vegetarischem Essen

Wie gesunde Ernährung aufs Klima wirkt

  • 07.09.2022

Eine Ernährung mit weniger Fleisch und Milch würde den Flächenverbrauch in der Landwirtschaft um 40 Prozent reduzieren, zeigt eine neue Greenpeace-Studie.

mehr erfahren
Mähdrescher auf einem großen Weizenfeld in der Ukraine, 2021

Knappes Getreide: EU kann Exportausfälle der Ukraine ausgleichen

  • 05.04.2022

Der Krieg in der Ukraine verknappt das Angebot an Getreide und Pflanzenölen auf dem Weltmarkt. EU-Staaten könnten die Exportausfälle ausgleichen.

mehr erfahren
GE Clearing Contaminated Farm in Thailand

Gentechnik

  • 18.06.2021

Neue gentechnische Verfahren in der Pflanzenzucht versprechen ein lukratives Geschäft für die Gentechnik-Industrie. Doch der Einsatz der Agro-Gentechnik birgt unkalkulierbare Risiken.

mehr erfahren

Von wegen unsichtbar

  • 10.06.2021

Mit einem neuen, frei zugänglichen Verfahren kann erstmals die Anwendung sogenannter neuer Gentechnik bei einer Rapssorte nachgewiesen werden.

mehr erfahren

Tödliche Gefahr für die Bienen

  • 09.06.2021

Mit Sonderregelungen für Pestizide umgeht die Politik den Insektenschutz, den sie seit Jahren versprochen hat und gefährdet die Biodiversität.

mehr erfahren
Larissa Bombardi, Pestizidforscherin

"Das Potenzial ist enorm"

  • 17.05.2021

Der Pestizideinsatz in Brasilien ist enorm, er verursacht Schäden für Mensch und Umwelt. Oft stammt die Chemie aus Europa. Über Lebensmittelexporte gelangt sie zurück auf unsere Teller. 

mehr erfahren