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Biene auf Futtersuche
Axel Kirchhof / Greenpeace

Greenpeace-Studie zum Bienensterben: Pestizid-Verbote reichen nicht aus

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Update vom 27. April 2018

Die EU-Mitgliedsstaaten haben heute in Brüssel beschlossen, dass drei gefährliche Insektengiften aus der Klasse der Neonikotinoide künftig in der EU nicht mehr im Freiland eingesetzt werden dürfen: Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam. Die Stoffe sind nach Einschätzung von Experten mitverantwortlich für das Sterben von Bienen und anderen Insekten; ein Teilverbot galt daher bereits seit 2013. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatten sich bereits im Vorfeld für das vollständige Verbot ausgesprochen.

„Es ist gut, dass Deutschland für dieses überfällige Verbot gestimmt hat“, sagt Martin Hofstetter, Greenpeace-Experte für Landwirtschaft. „Die heutige Entscheidung alleine wird das rasante Artensterben jedoch nicht stoppen.“ Um Bienen und andere wertvolle Insekten dauerhaft zu schützen, müsse Deutschland sich dafür einsetzen, dass die EU den Einsatz aller giftigen Pflanzen- und Insektengifte schnell und drastisch senkt.

„Agrarministerin Klöckner kann bei der Entgiftung der Landwirtschaft vorangehen“, so Hofstetter. „Sie muss eine nationale Pestizidsteuer einführen, sowie strengere Regeln beim Düngen und ein Verbot von Glyphosat durchsetzen. Nur so geht Deutschlands Landwirtschaft nicht länger auf Kosten der Artenvielfalt.”

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Im Winter wird es ruhig um die Bienen; kaum jemand denkt an sie. Dabei haben wir den Bestäubern auch in der kalten Jahreszeit einiges zu verdanken. Ob das Apfelmus zum Reibekuchen, die Mandeln auf den Plätzchen oder ganz offensichtlich der Honig im Tee – ein Drittel der Nahrung, die wir jeden Tag zu uns nehmen, verdanken wir Biene, Hummel, Fliege und Co. Doch die summenden Insekten sind in Gefahr. In den vergangenen Jahren haben europaweit durchschnittlich 20 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht überlebt – in Deutschland waren es bis zu 30 Prozent. 

Da ist was im Busch

Grund dafür sind in der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide, insbesondere aus der Klasse der hochgiftigen Neonikotinoide. In Folge einer Risikobewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) verabschiedete die EU im Dezember 2013 ein Teilverbot der besonders umstrittenen Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam sowie Fipronil. Seither widmet sich die Wissenschaft verstärkt den Ursachen der Bestäuberkrise – mit besonderem Augenmerk auf Neonikotinoiden. Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie fasst die Erkenntnisse der jüngsten Forschung nun zu einer neuen Gefährdungsbeurteilung zusammen – und kommt zu keinem erfreulichen Schluss.

Die Liste an Argumenten, die 2013 zum Teilverbot führte, war bereits lang – von Missbildungen über Orientierungsstörungen bis hin zum Tod der Bienen. Doch der Greenpeace-Report zeigt nun: Die Auswirkungen von Neonikotinoiden reichen noch viel weiter als bisher angenommen. Neue Forschungsergebnisse weisen beispielsweise darauf hin, dass unbehandelte Wildpflanzen stärker als bisher angenommen kontaminiert sein können. Denn nur fünf Prozent des Insektizids werden bei der Saatgutbehandlung tatsächlich von der Zielpflanze aufgenommen; der große Rest landet im Boden und verbreitet sich in der Umwelt. So sind neben Bienen auch andere Blütenbesucher und Wasserinsekten dem Gift ausgesetzt – mit möglichen Dominoeffekten in der gesamten Nahrungskette.

Genug Gift verspritzt

Die Veröffentlichung der neuen Erkenntnisse kommt gerade recht: In diesem Jahr wird auf EU-Ebene über den Fortbestand des derzeit gültigen Teilverbotes diskutiert. Greenpeace fordert ein vollständiges Verbot von Imidacloprid, Clothianidin, Thiamethoxam und Fipronil sowie eine sorgfältige Überprüfung aller Pestizide hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Bienen. Die zuständigen Politiker in Deutschland setzen sich dafür aber bislang kaum ein - im Gegenteil: sogar das ohnehin unzureichende Teilverbot  höhlt Landwirtschaftsminister Christian Schmidt momentan mit zahlreichen Ausnahmen aus. „Minister Schmidt hat lange genug die Notwendigkeit eines dringend gebotenen Kurswechsels in der Landwirtschaft ignoriert“, so Christiane Huxdorff, Umweltwissenschaftlerin und Greenpeace-Expertin für Landwirtschaft. „Die dramatische Dimension des Bienensterbens muss auch bei ihm Anlass zum Umdenken geben.“

Die Richtung des neuen Kurses ist klar: Der einzige Weg, Bestäuber zu schützen, ist die nachhaltige Umstellung der Landwirtschaft – inklusive Verzicht auf chemisch-synthetische  Pestizide und den Erhalt einer hohen Biodiversität. Nur so lässt sich der unschätzbare Beitrag bewahren, den die Bestäuber für unser Ökosystem leisten.

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Umweltrisiken durch Neonicotinoide: eine Überprüfung der wissenschaftlichen Datenlage seit 2013 - Zusammenfassung

Umweltrisiken durch Neonicotinoide: eine Überprüfung der wissenschaftlichen Datenlage seit 2013 - Zusammenfassung

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