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Menschen in Bangladesch gehen durch eine überschwemmte Straße

Monsun: So stark wird er von der Klimakrise beeinflusst

Monsune beeinflussen Regen- und Trockenphasen subtropischer Gebiete

Die Klimakrise bringt natürliche Strukturen der Winde aber zum Schwanken – mit extremen Auswirkungen für Menschen und Biodiversität.

 

Das Wort Monsun stammt aus dem Arabischen und bedeutet so viel wie: „Saisonaler Wind“. Seit jeher gibt der Monsun in den betroffenen Gebieten den Rhythmus zwischen Sommer und Winter, Regen- und Trockenzeit an. Durch die Klimakrise sind Monsune aber unberechenbarer geworden und das ist ein Problem!

Für die Menschen vor Ort ist der natürliche Rhythmus zwischen Regen- und Trockenzeit nämlich von großer Bedeutung, beispielsweise für die Landwirtschaft und den Wasserkreislauf. Denn Monsune liefern den nötigen Regen für das Pflanzenwachstum und die Menschen vor Ort passen sich der jeweiligen Saison im Hinblick auf die Landwirtschaft und ihren Lebensstil an. In Indien sind beispielsweise mit knapp 60 Prozent immer noch die meisten Menschen in der Landwirtschaft beschäftigt, in Bangladesch sind es 56 Prozent. In diesen, mit Abstand bevölkerungsreichsten Staaten Südasiens, ist die Landwirtschaft also von Niederschlägen abhängig, die zum größten Teil in den vier Monsun-Monaten Juni bis September fallen. 

Fällt ein Monsun aber zu schwach oder zu heftig aus, zerstört das Ernteerträge, stabile Ökosysteme  und Wohngebiete – und damit Existenzen. 

 

Wie entsteht ein Monsun?

Das saisonale Windmuster, also der Monsun, entsteht aufgrund des Temperatur- und Druckunterschiedes zwischen Land und Meer. Im Sommer erwärmt sich das Land schneller als das Meer, was zu einem bodennahen Tiefdruckgebiet führt. Das erzeugt wiederum schwache Winde, die sich vom Meer aus in Richtung Land bewegen. Feuchte, warme Luft strömt vom Meer auf das Land. Dort erwärmt sich die aufsteigende Luft, die sich in den Wolkenschichten sammelt. Der Wasserdampf in der Luft kondensiert und es regnet. Problematisch wird es nun, wenn Temperatur- und Druckunterschiede zwischen Land und Meer durch Klimaveränderungen stark variieren.

Wie die Klimakrise den Monsun verändert

Überflutete Wohnsiedlung im Umland von Dhaka

Überflutete Wohnsiedlung im Umland von Dhaka

Die Klimakrise stört das Gleichgewicht des Monsuns und beeinträchtigt damit die Regelmäßigkeit und Balance des Naturphänomens, auf das sowohl Mensch als auch Natur in Monsungebieten angewiesen sind. In den letzten Jahrzehnten wurden die Trockenzeiten länger und Dürren dadurch häufiger. Denn die steigende Oberflächentemperatur des Indischen Ozeans trägt dazu bei, dass die Intensität und Dauer des Monsunregens abnimmt. 

Aber auch  Starkregenphasen werden zunehmend problematisch. Aufgrund der extrem ausgetrockneten Böden können die Wassermassen, die oft überraschend auftreten, nicht mehr aufgenommen werden. Die Folgen: Erosionen und Erdrutsche zerstören Wohngebiete und Infrastrukturen, Menschen und Tiere werden von Fluten überrascht und mitgerissen.

Klimaexpert:innen gehen davon aus, dass das Klimaphänomen Monsun in Zukunft durch die globale Erwärmung unvorhersehbarer und unkontrollierter wird. Damit wird es immer schwieriger, sich auf die Wetterextreme einzustellen. In vielen Teilen der Welt, wie beispielsweise in Bangladesch, Indien und Pakistan, treten bereits jetzt sowohl langanhaltende Trockenheit als auch schreckliche Überflutungen auf.

Grad.jetzt – wo Klima und Ökosysteme kippen

Für ihre Reportage-Reise grad.jetzt besuchten Naturfotograf Markus Mauthe und Journalistin Louisa Schneider verheerende Waldbrände in Brasilien, sprachen mit einem Meteorologen über den Regenwald als Kipppunkt und dokumentieren in Bangladesch und Senegal die Auswirkungen der Klimakrise auf den Monsunregen. Besuchen Sie den Instagram-Kanal grad.jetzt, um mehr über den Zusammenhang von Biodiversität, Klimakrise und Kipppunkten zu erfahren.

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Die Folgen veränderter Monsunstrukturen

Eine Region in Bangladesch die von Überflutungen betroffen ist

Eine Region im Nordosten Bangladesch die von Überflutungen im Sommer 2022 am meisten betroffen war

Monsunstrukturen reagieren höchst empfindlich auf äußere Einflüsse wie beispielsweise die globale Erwärmung. Verändern sich die Strukturen des Monsuns aufgrund der Klimakrise, hat das gravierende Auswirkungen auf die Natur und das Leben der Menschen.

Folgende Phänomene können sich durch die Klimakrise verstärken:

  1. Dürren und Überschwemmungen: Unregelmäßige und starke Monsun-Regen führen zu Überschwemmungen, die ganze Gebiete unter Wasser setzen und die Lebensgrundlage vieler Menschen zerstören. Neben Lebensräumen und Infrastruktur wird auch die Landwirtschaft durch starke Überschwemmungen und Erosion zerstört. Zudem führen Überschwemmungen zu Verschmutzung des Grundwassers, was Krankheiten zur Folge haben kann. Dürren hingegen bringen Wasserknappheit mit sich. Folglich stehen vielen Menschen nur geringe Trinkwassermengen zur Verfügung, Böden trocknen aus und regenerieren sich nur schwer und Pflanzen in Monsungebieten müssen sich an lange Dürreperioden anpassen, um zu überleben.
  1. Wirbelstürme: Ein Zyklon ist ein starker Wirbelsturm, der in tropischen Gebieten entsteht und ebenfalls für große Zerstörung und Überschwemmungen sorgen kann. Der Monsun kann eine entscheidende Rolle bei der Entstehung und Entwicklung von Zyklonen in tropischen Gebieten spielen. Denn während des Monsuns strömt warme, feuchte Luft vom Ozean ins Land und erzeugt eine Unterdruckzone über dem Gebiet. Gleichzeitig strömt kalte, trockene Luft vom Land in Richtung Ozean und erzeugt eine Überdruckzone. Diese kontrastierenden Luftmassen lösen einen Zyklon aus und können ihn je nach Druckunterschied auch verstärken. 
  1. Versteppung: Versteppung ist die fortschreitende Veränderung einer Landfläche zu einer Wüste. Dies ist auf eine Kombination von Faktoren zurückzuführen. Dazu gehören Klimaveränderungen, Übernutzung von Boden und Wasserressourcen, Abholzung und Feuer. Auch hier wirkt sich eine Veränderung des Monsun-Zyklus aus: Folglich können lange Dürreperioden zur Versteppung beitragen. 
  1. Ergrünung: Wenn die Vegetation durch Monsunregen ergrünt, kann das zunächst einmal wie ein gutes Zeichen wirken. So zum Beispiel in der afrikanischen Sahelzone. Sie erstreckt sich über 7.000 Kilometer in Westafrika und ist normalerweise von einer geringen Niederschlagsmenge geprägt. Die Monsunregen, die dort jedes Jahr im Sommer stattfinden, sind eine wichtige Quelle für den Niederschlag in der Region. Sie tragen dort zur Vegetation bei. Starke Unregelmäßigkeiten in Dauer und Intensität von Monsunregen zwingen Lebewesen aber zu einer Anpassung in einem Tempo, mit dem sie oft nicht Schritt halten können. Folglich ist auch das ein Problem für die Biodiversität.

Damit sich Wetterextreme wie in Monsungebieten nicht weiter verschärfen, ist es ausschlaggebend, Maßnahmen zu ergreifen, um die Auswirkungen der Klimakrise zu minimieren und Schlimmeres zu vermeiden. Auch Sie können helfen, indem Sie unsere Arbeit unterstützen! 

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