Greenpeace und BUND Naturschutz Bayern schlagen Naturwald-Verbundsystem vor

Vorrang für die Natur

Bayern braucht mehr Naturwälder. Daher haben Greenpeace und der Bund Naturschutz Bayern ein Konzept für ein Naturwald-Verbundsystem entwickelt – für 90.000 Hektar ohne Holznutzung.

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Greenpeace und der BUND Naturschutz in Bayern (BN) haben heute gemeinsam eine Studie für ein Naturwaldverbundsystem in Bayern vorgeschlagen. Damit soll der große Mangel an Naturwäldern, also Wäldern, die sich ohne forstliche Nutzung entwickeln dürfen, in dem Bundesland behoben werden; die biologische Vielfalt in den Wäldern soll besser bewahrt werden.

Denn viele der ursprünglich vorhandenen Waldarten sind in Bayern ausgestorben oder hoch bedroht und stehen daher weit oben auf den Roten Listen. Um diese Defizite zu beheben, hat die Bundesregierung mit der Nationalen Biodiversitäts­strategie 2007 beschlossen, dass deutschlandweit zehn Prozent der öffentlichen Wälder bis 2020 der natürlichen Entwicklung überlassen werden sollen. Im Gegensatz zu fast allen anderen Bundesländern lehnt es Bayern bislang ab, diese Ziele umzusetzen.

„Bayern hat nicht nur die Verpflichtung, sondern auch das Potenzial, in fast 50 Waldgebieten der Natur und Schöpfung Vorrang vor wirtschaftlicher Nutzung einzuräumen", so Martin Kaiser, Experte für Wälder bei Greenpeace. „Davon profitieren auch die Regionen und die Menschen." Gegenwärtig werden in Bayern nur drei Prozent der öffentlichen Waldfläche als Naturwälder geschützt. Da es bis heute kein Gesamtkonzept für holznutzungsfreie Wälder in Bayern gibt, haben BN und Greenpeace das Konzept für ein Naturwald-Ver­bund­system entwickelt. Die Grundlagen dafür erarbeitete Norbert Panek, ein renommierter Experte für Buchenwälder.

Mix aus großen, mittelgroßen und kleinen Naturwäldern

Als zentrale Bausteine des Naturwaldverbundes schlägt das Konzept neue Großschutzgebiete von 2000 Hektar im Spessart, Nordsteigerwald, Gramschatzer Wald, Hienheimer Forst und Ammergebirge vor. Zur Vernetzung sollen mittelgroße Regionen in weiteren 27 Waldgebieten Bayerns und viele kleine Wälder dienen, insgesamt 88.000 Hektar. „Wir appellieren an die Bayerische Staatsregierung, einen Dialogprozess zu starten, bei dem geeignete Flächen für ein Naturwald­verbundsystem diskutiert und ausgewählt werden“, so Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BN. „Die vorgelegte Studie stellt dazu eine geeignete Diskussionsgrundlage dar.“

Potential für Naturwälder in Bayern vorhanden

Buchenwald-Experte Norbert Panek stellt fest: „Obwohl Bayern das waldreichste Bundesland ist, gibt es wegen des verbreite­ten Nadelholzanbaus nur noch wenige Waldgebiete, die für eine Naturwald­entwicklung geeignet sind.“ Aktuell sind in Bayern nur 33.000 Hektar als Naturwälder geschützt; diese sind sehr ungleich in den Regionen verteilt. In weiten Teilen Nordost- und Ostbayerns, in ganz Mittel­franken sowie in großen Landesteilen zwischen Donau und Alpenvorland exis­tieren kaum mehr größere naturnahe Waldgebiete; es finden sich allenfalls klein­flächige Wälder, die für eine Natur­waldentwicklung geeignet sind. Dort sind wegen der historischen und aktuellen Waldbehandlung großflächig naturferne Nadelforste entstanden.

Die Einrichtung von Naturwäldern ist nicht nur eine Notwendigkeit für Natur- und Klimaschutz in Bayern, sondern auch eine Verpflichtung, die die bayerische Regierung umsetzen muss.  Die dafür vorgeschlagenen Gebiete liegen nur im öffentlichen Wald – vor allem im Staatswald - nicht jedoch im Privatwald. Bevor die wenigen geeigne­ten Waldgebiete infolge der praktizierten forstlichen Intensivnutzung noch weiter schwinden, soll der Holz­einschlag in den alten staatlichen Laubwäldern ruhen, fordert Greenpeace.  Zudem muss auch Bayern die Ziele der Nationalen Biodiversitäts­strategie umsetzen – damit dort künftig mehr Naturwälder wachsen können. 

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