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Greenpeace veröffentlicht Bericht zur Piratenfischerei im Nordostatlantik

Räuber auf der Hohen See

Greenpeace hat am Dienstag in New York eine neue Dokumentation zur Piratenfischerei vorgestellt. Sie zeigt auf, wie wenig effektiv die derzeitigen Regelungen zum Schutz unserer Ozeane sind. Die Fallstudie Daylight Robbery in the High Seas - Greenpeace Case Study on IUU fishing 3 (Ausplünderung der Hohen See - Eine Greenpeace-Studie zur IUU-Fischerei) zeigt am Beispiel von fünf Hochsee-Trawlern, wie legale Schlupflöcher und die schwache Umsetzung der geltenden Gesetze dazu führen, dass die Meere geplündert werden.

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Im Jahr 2005 erstellten die Europäische Union und die Nordostatlantische Fischereikommission (NEAFC) schwarze Listen von Schiffen, die duch illegale, unregulierte und undokumentierte Fischerei aufgefallen waren. Diese Piratenfischer treiben maßgeblich im Nordatlantik ihr Unwesen.

Mit der Listung der Schiffe wurden die europäischen Staaten aufgefordert, die Trawler in ihren Häfen nicht mehr für deren Raubzüge auszurüsten und ihnen das Anlanden ihres Fischs dort unmöglich zu machen. Dass diese Regelungen nicht umgesetzt werden, macht die neue Greenpeace-Fallstudie deutlich.

Piratenfischerei ist ein globales Problem, das eine globale Lösung benötigt, sagt dazu Iris Menn, Meeresexpertin bei Greenpeace. Die Europäische Union, und mit ihr jeder andere Staat weltweit, muss dringend handeln, um das Leben und die Gesundheit unserer Ozeane für heute und für die Zukunft zu sichern. Ein erster sehr wichtiger Schritt ist ein Sofortverbot für die Grundschleppnetz-Fischerei auf der Hohen See.

In den letzten sechs Monaten hat Greenpeace fünf der gelisteten Piratentrawler genau beobachtet. Die heute unter georgischer Flagge fahrenden Schiffe Eva, Juanita, Rosita, Carmen und Isabella überwinterten im Hafen von Rostock. Damals noch unter dominikanischer Flagge und mit den Namen Oyra, Ostroe, Okhotino, Olchan und Ostrovets. Entgegen europäischer und deutscher Gesetzgebung waren sie dort für ihre nächste Fangfahrt ausgerüstet worden.

Ihr Weg führte weiter über Polen nach Litauen, wo die Piratenschiffe den letzten Schliff für ihre Raubzüge erhielten. Vor einer Woche beobachtete Greenpeace zusammen mit der isländischen Küstenwache die Trawler beim Fischen in der Irminger See im Nordatlantik, obwohl die Schiffe bis heute keine Fangquote besitzen. Insgesamt wurden 64 Fischtrawler in dem für seine sensiblen Kaltwasserkorallenriffe bekannten Gebiet dokumentiert - acht davon sind als Piratenfischer bekannt. Einige betreiben die so genannte Grundschleppnetz-Fischerei, eine der zerstörerischsten Fangmethoden überhaupt.

Die Greenpeace Fallstudie wird zu einem Treffen der Vereinten Nationen in New York veröffentlicht, bei dem die Wirksamkeit von internationalem Fischereimanagement überprüft werden soll. Angesichts der Unfähigkeit der regionalen Fischereiabkommen, die Fischbestände nachhaltig zu bewirtschaften, muss als kurzfristige Maßnahme ein Sofortverbot für die Grundschleppnetz-Fischerei beschlossen werden, sagt Menn. Die Politiker sollten diese Zeit nutzen, um die regionalen Fischereiabkommen effizient zu gestalten.

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