Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Norwegen poliert wieder sein Image als Walfangnation auf

Am Wochenende hat die alljährliche norwegische Waljagd begonnen. Auf der Abschussliste stehen wie im letzten Jahr 1052 Minkewale. 1052 getötete Tiere, für deren Fleisch es kaum Abnehmer gibt. Trotz aggressiver Werbung für Walprodukte schrumpft die Nachfrage beständig. Warum Norwegen trotzdem an der Waljagd festhält? Offenkundig aus Prinzip.

  • /

Dass es um reine Symbolpolitik geht, belegt auch ein weiterer Umstand: In den vergangenen Jahren verfehlten die Waljäger regelmäßig ihr Ziel. Die Quote wurde weit unterschritten - im letzten Jahr um rund 50 Prozent. Zu hohe Dieselpreise und widriges Wetter seien dafür verantwortlich, hieß es.

Das Jagdgebiet der Norweger ist groß. Durch weit vorgelagerte Inseln wie Jan Mayen verfügt das Land über eine sehr große sogenannte Ausschließliche Wirtschaftszone. Der Fang vor allem weit draußen wird dadurch viel zu kostspielig.

Um trotzdem die Quote von über 1000 Minkewalen zu erreichen, hat die Regierung schon in der letzten Fangsaison viele Tiere für den küstennahen Abschuss freigegeben. In diesem Jahr sind es 900, noch einmal 300 mehr als 2006. Sehr wahrscheinlich kann die komplette Quote dadurch erfüllt werden.

Die norwegische Rohfischvereinigung räumte gegen Ende der letzten Fangsaison ein, dass kein interner Markt für mehr als 500 Minkewale vorhanden sei. Auch gibt es kein Indiz dafür, dass dieser Trend wieder rückläufig würde. Für Stefanie Werner, Meeresexpertin bei Greenpeace, ist das Grund genug zu fragen, worauf das norwegische Fischereiministerium eigentlich hinaus will.

Werner: Die stark erhöhte küstennahe Quote ist nichts anderes als eine unnötige Provokation, die eindeutig in Richtung IWC geht. Doch ob Norwegen auch im Blick hat, welche Signalwirkung diese Entscheidung und die jährliche klare Positionierung an der Seite der Walfangnationen Japan und Island für andere Staaten hat? Ich bezweifle das.

Tatsächlich missachten die Norweger mit diesem Vorgehen gezielt eine Regel der Internationalen Walfangkommission (IWC). Sie besagt, dass Fänge - gerade in dieser Größenordnung! - auf das Gesamtgebiet verteilt werden müssen, um den Genfluss nicht zu gefährden. Durch die Konzentration der Jagd auf die Küstengewässer werden die Minkewalpopulationen dort einseitig belastet und geschwächt.

Norwegen selber jedenfalls profitiert nicht von dieser Politik. Auch wenn die Regierung anderes behauptet - das Wohl der Küstengemeinden hängt nicht vom Walfang ab. Wirtschaftlich betrachtet ist dieser Sektor eine Randerscheinung. Sein Anteil an der Fischereiindustrie beträgt weniger als 0,2 Prozent. Er rettet auch keine Arbeitsplätze.

Der Walfang wurde 1993 wieder aufgenommen. Seitdem haben jedes Jahr durchschnittlich 700 Fischer ihren Job verloren - durch eine verfehlte Politik, die nichts gegen illegale Fangflotten und Überfischung unternimmt. Von diesem Defizit soll der Walfang offenbar ablenken.

Weiterführende Publikationen zum Thema

In deep Water

The oceans are facing more threats now than at any time in history. Yet a nascent industry is ramping up to exert yet more pressure on marine life: deep sea mining. This report shines a light on the economical interests in this business.

Mehr zum Thema

Katastrophe mit Ansage

Die größte Ölkatastrophe in der Geschichte Israels ist auch ein Versagen der Politik. Satellitenbilder vom Mittelmeer zeigen, dass die Gefahr rechtzeitig zu erkennen gewesen wäre.

Ohne Erde kein Film

Kann Film die Welt verändern? Die Kurzfilme des 17Films-Wettbewerbs jedenfalls zeigen recht unterschiedlich, wie jeder und jede Einzelne die Welt ein Stück besser machen kann.

Fisch auf den Tisch

Fisch ist gesund und hält schlank. Supermarktprodukte erfüllen ökologische Standards jedoch meist nicht. Kleiner Ratgeber zum Fischkauf.