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Antarktisschutz-Kommission tagt zu weltweit größten Meeresschutzgebieten

Was 2012 misslang, kann in den kommenden Tagen auf den Weg gebracht werden: Vom 11. bis zum 16. Juli tagen die 25 Mitglieder der antarktischen Schutzkommission CCAMLR (Commission for the Conservation of Antarctic Marine Living Ressources) in Bremerhaven. Dort wird über die Zukunft der Ross-See und der Ostantarktis entschieden. Beide Areale des Südpolargewässers könnten zu Meeresschutzgebieten erklärt werden - den größten weltweit.

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Bereits im vergangenen Oktober lagen den 24 teilnehmenden Landesdelegationen und der EU die Anträge für die zwei südpolaren Meeresschutzgebiete vor, damals wurden beide abgelehnt, ein einstimmiger Beschluss blieb aus. Sollten jetzt einer oder gar beide Anträge im Zuge des außerordentlichen Treffens verabschiedet werden, würde die CCAMLR damit ihr Versprechen einlösen, ein Netzwerk von Schutzgebieten einzurichten; ein Versprechen, das sie ursprünglich schon 2012 hatte angehen wollen und das für den Erhalt der Artenvielfalt so wichtig wäre.

Eingereicht werden die Anträge von unterschiedlichen Gemeinschaften. Während Neuseeland und die USA den Antrag zum Schutz der Ross-See einbringen werden, kämpfen Australien, Frankreich und die Europäische Union für den Schutz der Ostantartktis. Dabei sind die Forderungen in beide Richtungen sehr deutlich. Für die Ross-See, die aufgrund ihrer relativen Unberührtheit auch als "der letzte Ozean" bezeichnet wird, ist die Einrichtung einer 2,3 Millionen Quadratkilometer großen Schutzzone vorgesehen - einschließlich einer 1,6 Millionen Quadratkilometer großen Zone, in der jegliche menschliche Intervention untersagt ist. Australien, Frankreich und die Europäische Union plädieren für ein Meeresschutzgebiet in der Ostantarktis, das 1,63 Millionen Quadratkilometer umfasst. Sollte die CCAMLR in den kommenden Tagen beiden Anträgen zustimmen, wäre die Fläche an geschützten Meeresgebieten damit mehr als verdoppelt.

Eine weitreichende Entscheidung

Eines ist klar, es steht viel auf dem Spiel. Über 10.000 unterschiedliche Tierarten leben in den Südpolargewässern, darunter der weltweit größte Bestand an Pinguinen, Walen, Meeresvögeln, Koloss-Kalmaren und schwarzem Seehecht. Ihr natürlicher Lebensraum bliebe durch die Einrichtung der Schutzgebiete weitestgehend intakt. Denn auch vor diesen Gebieten macht die industrielle Fischerei mittlerweile nicht mehr Halt.

"Die Meeresumwelt in der Antarktis steht unter unglaublichem Druck. Genau jetzt ist die seltene Gelegenheit da, sie zu schützen, bevor es zu spät ist", sagt Iris Menn, Greenpeace Meeresexpertin. Ein auch für die wissenschaftliche Forschung wichtiges Faktum. Denn ihr könnten die Südpolargewässer als Referenzgebiete in der Erforschung der Funktion unberührter Meeresgebiete ebenso dienen, wie in der Erforschung der Auswirkungen des Klimawandels auf solche Ökosysteme.

Um den Mitgliedern der CCAMLR die Tragweite ihrer Entscheidung noch einmal vor Augen zu führen, sind die Partner der Antarctic Ocean Alliance (AOA), darunter auch Greenpeace, in Bremerhaven vor Ort.

(Autorin: Linda Sass)

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