Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Geknechtete Meere

Unverantwortliches Handeln gegenüber dem Ökosystem Meer ist kein Kavaliersdelikt. Trotzdem machen viele Ländern durch die laxe Umsetzung von Richtlinien zum Schutz der Meere auf sich aufmerksam. Frankreich sind jetzt von der EU-Kommission Strafgebühren in Rechnung gestellt worden. Der Vorwurf: Das Land hat zugelassen, dass zu viele Jungfische in den Netzen seiner Fischereiflotte gelandet sind.

  • /

Frankreich ist beschuldigt worden, ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Juli 2005 nicht ordnungsgemäß zu befolgen. Damals ist Frankreich aufgefordert worden, Kontrollen zu verbessern und zu verhindern, dass zu junger Fisch gefangen werde. Nun drohen Frankreich Strafzahlungen in Höhe von 57 Millionen Jahr für jedes halbe Jahr, in dem das Land den EU-Anforderungen seit dem Urteil nicht nachgekommen ist.

Die Fehde zwischen den beiden Parteien währt nunmehr 15 Jahre. Bereits 1991 bestätigte der Europäische Gerichtshof die EU-Kommission, die festgestellt hatte, dass Frankreich EU-Gesetze zum Fang von zu kleinem Fisch verletze. Die Kommission überwachte daraufhin französische Fischereien. 2002 kam es dann erneut zu einer Anklage wegen Mißachtung der Gesetze.

Die Weltmeere werden bis zum Gehtnichtmehr geknechtet. Diejenigen, die nachweislich nicht mal geltende Gesetze einhalten und sich rücksichtslos bedienen, müssen dafür hart bestraft werden. Nur so kann eine nachhaltige und ökologisch verträgliche Fischerei auf den Weg gebracht werden. Bedrohten Fischbeständen muss die Möglichkeit gegeben werden, sich zu erholen, so Andrea Cederquist, Greenpeace-Meeresexpertin.

Paris streitet die Vorwürfe ab und wird die Zahlungsforderung anfechten. Im Gegensatz zu Frankreich hat ein anderes Land nun offen zugegeben, bestimmte Richtlinien nicht befolgt zu haben. So hat Japans Landwirtschaftsminister am Donnerstag bekannt gegeben, sein Land habe mehr geschützten Tunfisch gefangen als erlaubt.

Das nach internationalen Bestimmungen für Japan festgelegte Maß von 6.065 Tonnen jährlich hat das Land schon vor Ablauf der Frist um 1500 Tonnen überschritten. Japan will nun härter durchgreifen. Jedem einzelnen Fischerboot wird ein bestimmtes Fanglimit zugeteilt. Um die Einhaltung des Limits nachprüfbar zu machen, werden alle gefangenen Fische mit Nummern markiert.

(Benjamin Borgerding)

Weiterführende Publikationen zum Thema

In deep Water

The oceans are facing more threats now than at any time in history. Yet a nascent industry is ramping up to exert yet more pressure on marine life: deep sea mining. This report shines a light on the economical interests in this business.

Mehr zum Thema

Ohne Erde kein Film

Kann Film die Welt verändern? Die Kurzfilme des 17Films-Wettbewerbs jedenfalls zeigen recht unterschiedlich, wie jeder und jede Einzelne die Welt ein Stück besser machen kann.

Fisch auf den Tisch

Fisch ist gesund und hält schlank. Supermarktprodukte erfüllen ökologische Standards jedoch meist nicht. Kleiner Ratgeber zum Fischkauf.

Tiefsee in Gefahr

In den Tiefen der Ozeane verbirgt sich ein einzigartiger Lebensraum, den wir gerade erst zu verstehen beginnen. Doch westliche Firmen drängen auf Ausbeutung dortiger Rohstoffe.