Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Fischernetze - tödliche Fallen für Delfine

Intelligent, wendig und verspielt. So werden Delfine vom Menschen gesehen - und dennoch massenhaft getötet. Vor allem durch zerstörerische Fischereimethoden. Dies zu dokumentieren, ist am Dienstag in London das Greenpeace-Schiff Esperanza ausgelaufen. Mit an Bord: Wissenschaftler der Whale and Dolphin Conservation Society (WDCS). In ihrem Bericht The Net Effect hat die WDCS für Greenpeace das Delfinsterben beschrieben. Er wurde ebenfalls am Dienstag in London veröffentlicht.

Jedes Jahr werden Hunderte toter Delfine und Schweinswale an europäische Strände geschwemmt. Ihre meist verstümmelten Körper sprechen für sich. Es sind Tiere, die sich in Fischereinetzen verfangen haben und als unerwünschter Beifang tot oder sterbend ins Wasser zurückgeworfen wurden.

Beispiel 1997: Innerhalb von nur drei Wochen im Februar und März wurden mehr als 600 Delfine an die französischen Küsten gespült. Fast drei Viertel wiesen die typischen Merkmale für den Beifang in Fischernetzen auf.

Allein in europäischen Gewässern verenden jedes Jahr mehr als zehntausend Kleinwale in Fischernetzen. Im Nordostatlantik sind Delfine mittlerweile vom Aussterben bedroht. Weltweit fallen Schätzungen der Internationalen Walfangkommission (IWC) zufolge jährlich rund 300.000 Wale und Delfine als Beifang der Fischerei zum Opfer. Sie sterben in Stellnetzen, Treibnetzen, Schleppnetzen ...

Bis zu 23.000 Quadratmeter groß kann die Fangöffnung eines so genannten pelagischen Schleppnetzes sein. Fischereischiffe durchpflügen damit die Meere auf der Suche nach Seebarsch, Makrelen oder Tunfisch. Pelagische Schleppnetze decken den Bereich zwischen Meeresboden und -oberfläche ab. Sie fischen alles ab, was sich in diesem Bereich bewegt. Die Sortierung in erwünscht oder unerwünscht erfolgt dann an Bord.

Ali Ross, Fischereiexpertin der WDCS: "Die Schleppnetzfischerei gefährdet das Überleben zahlreicher Populationen und Arten und verursacht darüber hinaus auch unermessliches Leid."

Die Politiker sind gefragt

Die EU hat das Problem schon vor Jahren erkannt, ist aber untätig geblieben. Im Juli 2003 hat die EU-Kommission endlich einen Richtlinien-Entwurf vorgelegt. Er sieht schwerpunktmäßig den Einsatz von akustischen Scheuchvorrichtungen vor, so genannten Pingern. Außerdem sollen Beobachter an Bord der Fangflotten den Beifang von Walen und Delfinen erfassen.

Umweltschützern geht der Entwurf nicht weit genug. Ob die Pinger in gewünschter Weise wirken oder nicht, ob die Geräte sich sogar schädlich auf die Tiere auswirken können, müsse überwacht werden. Auch sei die vorgeschlagene Anzahl an Beobachtern zu gering. Es fehlten klare Managementziele, um den Beifang auf Null zu reduzieren.

Greenpeace-Meeresexperte Thomas Henningsen und Ali Ross von der WDCS fordern die Mitgliedsstaaten der EU auf, umgehend aktiv zu werden. Henningsen: Beifang ist die größte Bedrohung für Delfine und Schweinswale. Die Fischereiminister müssen dieses tausendfache Sterben endlich beenden. (sit)

Lesen sie dazu auch die deutsche Kurzfassung des WDCS-Berichts (PDF, 111,4 kb) oder den vollständige WDCS-Bericht in englischer Sprache.

Publikationen

Weiterführende Publikationen zum Thema

Fishy Business

Fisch aus illegaler Fischerei überschwemmt die internationalen Märkte. Das Umladen von Fang- auf Kühlschiffe fernab der Häfen spielt dabei eine wichtige Rolle.

Haie unter Attacke

Obwohl sie sich „Schwertfischfischerei“ nennt, wird dabei im Nordatlantik hauptsächlich eins gefangen: Haie. Entweder absichtlich, oder als Beifang, zeigt dieser Greenpeace-Report.2017 zum Beispiel kam auf 1 Kilo Schwertfisch 4 Kilo Hai.

Mehr zum Thema

Fischbestände erholen sich

Sind Restaurants und Kantinen zu, sinkt der Verbrauch von Fisch. Corona könnte gelingen, was die EU-Politik seit Langem verfehlt: Dass 2020 das erste Jahr ohne Überfischung wird.

Wilder Westen auf hoher See

Fisch aus illegaler Fischerei überschwemmt die internationalen Märkte. Das Umladen von Fang- auf Kühlschiffe fernab der Häfen spielt dabei eine wichtige Rolle.

Die Welt ist nicht genug

Heute, am Earth Overshoot Day, ist Schluss: Wir haben der Natur mehr genommen, als die Erde übers Jahr erneuern kann. Wie wäre es also, wenn wir ihr ab jetzt etwas zurückgeben?