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Fischereipolitik stinkt zum Himmel

Was macht eine tote Baby-Scholle in Köln? Sie klagt zusammen mit weiteren 11.000 toten Meerestieren an. Auf der Anklagebank: die Fischereipolitik. Auf die Kölner Domplatte kam die tote Scholle mit Greenpeace-Aktivisten. Diese präsentierten der Öffentlichkeit am Mittwoch die toten Meeresbewohner - auf fast 60 Meter Länge.

Das Entsetzen der Passanten und Touristen, die den Dom besuchen wollten, war groß. Die riesige Menge an toten Tieren und der Gestank machte viele fassungslos. Nicht wenige ließen sich unter dem Motto: Leben ist kein Abfall von den Greenpeacern über die Hintergründe und Ursachen für den Massentod auf See informieren.

Bei den toten Meerestieren handelt es sich um so genannten Beifang. Sie waren am 11. August von einem einzigen Fischkutter nach zwei Stunden Fangzeit in der Nordsee als Abfall aussortiert worden und verendet. Gewöhnlich wird der tote Beifang - der auch weit über die Hälfte eines Fanges ausmachen kann - achtlos über Bord geworfen.

Diesen Beifang hatte der Kapitän eines Fischkutters den Aktivisten an Bord des Greenpeace-Schiffes Esperanza überlassen. Sie zählten die Tiere und dokumentierten die Arten. Dazu zählen Rochen, Baby-Schollen, kleine Wittlinge, Seeigel, Muscheln und Krebse, die sich nicht verkaufen lassen. So sterben jährlich allein in der Nordsee mehr als 700.000 Tonnen Meerestiere einen überflüssingen Tod als Beifang.

Neben einer Seezunge müssten neun Teller mit Beifang stehen, um das Ausmaß der Verschwendung zu zeigen, sagt Iris Menn, Meeresbiologin bei Greenpeace. Diese sinnlose Vernichtung der Fischbestände muss beendet werden.

Greenpeace fordert, 40 Prozent von Nord- und Ostsee unter Schutz zu stellen. In den Schutzgebieten soll die Fischerei verboten sein. Nur große Schutzgebiete, in denen die Fischerei ausgeschlossen ist, bietet den Lebensräumen und ihren Bewohnern die Chance zu Erholung, erklärt Menn.

In den von Greenpeace geforderten Schutzgebieten in Nord- und Ostsee sollen neben Fischerei auch Öl- und Gasförderung sowie Sand- und Kiesabbau verboten werden. Nur mit diesen umfassenden Maßnahmen können die Fischbestände geschützt und der Fischerei langfristig das Überleben gesichert werden.

Sie wollen wissen, wo diese Schutzgebiete liegen sollen? Dann besuchen Sie unsere Schutzgebiete-Seite. Dort finden Sie das erklärende Kartenmaterial.

Sie können miterleben, was unseren Aktivisten bei ihrer Arbeit für den Meeresschutz widerfährt. Lesen Sie ihre Beschreibungen fürs Internet (Weblog) von der Esperanza, der Beluga II und der Marktschreier-Tour.  (mir)

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