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EU finanziert spanisches Piratenstück

Spanien wird seinem zweifelhaften Ruf als Plünderer der Meere mehr als gerecht. Das zeigt der neue Greenpeace-Report Spanien: Meister der Überfischung. Und für seine nicht immer ganz legalen Fischzüge auf lohnende Fänge wie Thunfisch oder Hai bekommt das Land sogar finanzielle Unterstützung von der EU: In der vergangenen Förderperiode 2000 bis 2006 ging mit über 1,6 Milliarden Euro knapp die Hälfte der Fischerei-Fördergelder der EU nach Spanien.

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Doch nicht nur die Spanier überfischen die Meere. Die europäische Fangflotte nimmt sich aktuell das Doppelte bis Dreifache von dem, was für eine nachhaltige Nutzung der Fischbestände gut wäre.

Die Fischbestände sind dramatisch überfischt, sagt Thilo Maack, Meeresexperte bei Greenpeace. Eine Reform der Fischereipolitik ist die letzte Chance, die europäischen Fischbestände auch für kommende Generationen zu sichern. Bei den Beratungen zu dieser Reform wehte den europäischen Fischereiministern am 2. Mai 2010 im spanischen Drehkreuz für Fischfang La Coruna ein Willkommensgruß der besonderen Art entgegen: Greenpeace-Aktivisten forderten mit dem Banner „EU: Save our oceans“ zu deutlich mehr Nachhaltigkeit auf.

EU fördert Fischpiraten

Der neue Greenpeace-Bericht "Spanien: Meister der Überfischung" nimmt die Praktiken der berühmt-berüchtigten Fischfanggiganten Spaniens ins Visier: Die von der EU geförderten Flotten von OPAGAC, Oya Perez und Antonio Vidal Pego operieren auf allen Weltmeeren. Zu ihnen gehören einige der bekanntesten Schwarzfischereischiffe. Weil diese schon oft bei illegalen Fischereien beobachtet wurden, stehen sie auf den schwarzen Listen der nationalen und internationalen Fischereibehörden.

Und es ist diese Fischfangflotte Spaniens, die an erster Stelle von europäischen und nationalen Fördergeldern profitiert: Die spanischen Schiffe erhielten von 2000 bis 2006 neben 1,6 Milliarden Euro von der EU zusätzliche 639 Millionen aus nationalen Fördertöpfen. Zum Vergleich: Nur zwei Prozent der spanischen Gesamtausgaben wurden für den Schutz und Erhalt der Fischbestände ausgegeben.

Die Großen fressen die Kleinen

Die Hälfte der spanischen Fangkapazität verteilt sich auf nur 400 Schiffe, zu denen die größten Fischtrawler der Welt gehören. Diese Flotte fischt zu 90 Prozent außerhalb der EU – und weitet damit die Überfischung der europäischen Meere gnadenlos aus. Einige der großen Fischtrawler können während eines einzigen Beutezuges im Pazifik bis zu 3.000 Tonnen Thunfisch verarbeiten – manche der pazifischen Inselnationen fangen in einem ganzen Jahr nicht halb so viel. Kleinere Fischereibetriebe, die für umweltfreundlichere Fangtechniken stehen, werden schlicht aus dem Wettbewerb gedrängt.

Die europäische Fischerei-Reform muss konsequente Schutzmaßnahmen beschließen: Den ersten Schritt dazu fordert Greenpeace am 4. Mai 2010 bei einem weiteren Treffen der EU-Fischereiminister im spanischen Vigo ein. Die Europäische Kommission muss eine Reduzierung der Flottenkapazität beschließen. Darüber hinaus muss auch die Fläche der streng geschützten Meeresgebiete auf 40 Prozent erhöht und zerstörerische Fischereipraktiken wie die Grundschleppnetzfischerei verboten werden. Die Meere brauchen dringend eine Erholungspause, um sich zu stabilisieren. Schon heute sind die europäischen Speisefischbestände zu fast 90 Prozent ausgereizt. Selbst bei einem absoluten Fischereistopp 2010 würden sich über 20 Prozent der Bestände nicht erholen.

 

Zum Weiterlesen:

CITES: Auch kein Schutz für Haie
Debakel beim Schutz des Roten Thuns

 

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