Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Experten prangern Hightech-Fischerei an

Mehr als 1.100 Meeresexperten haben einen Aufruf an die Vereinten Nationen und die Regierungen der Welt unterschrieben. Sie fordern, die Zerstörung der Tiefseekorallen durch die Grundschleppnetzfischerei zu verbieten. Ihr Appell wurde am Montag in Kuala Lumpur auf der UN-Artenschutzkonferenz (CBD) veröffentlicht.

Moderne Hightech-Fischereischiffe durchsieben die Ozeane bis in Tiefen von 1.500 Metern. Die Jagd mit Bodenschleppnetzen kann als besonders effektiv bezeichnet werden - vorausgesetzt, man blendet die Folgen aus. Die riesigen Netze, mit denen die Schiffe den Meeresboden durchpflügen, sind mit stählernen Gewichten oder Eisenrollen beschwert. Sie zerstören alles, was ihnen in den Weg kommt, darunter die ökologisch wertvollen Tiefseekorallenriffe.

Gerade bei den niedrigen Temperaturen in großer Tiefe gedeihen besonders viele Korallenarten. Einige ähneln Bäumen, die bis zu zehn Meter hoch werden. Die Riffe werden auch Regenwälder der Tiefe genannt. Manche Bäume sind fast 2.000 Jahre alt. Korallen sind Lebensraum und Kinderstube für Tausende Lebewesen, darunter auch begehrte Speisefischarten. Mit den Korallenwäldern verlieren die dezimierten Fischpopulationen den Raum, den sie brauchen, um sich zu regenerieren.

Wir wissen sehr wenig über das Leben der Tiefseefische, erklärt Greenpeace-Meeresbiologin Andrea Cederquist. Aber wir wissen, dass sie in Zeitlupe leben und daher besonders empfindlich sind. Der Atlantische Sägebauch beispielsweise wird zwar rund 150 Jahre alt, aber dafür wird er auch erst mit 25 Jahren geschlechtsreif. Arten mit solch einem langsamen Lebenszyklus haben sehr wenig Nachwuchs. Ihre Bestände können binnen weniger Jahre zusammenbrechen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Zurück – oder in die Zukunft

Die Internationale Walfangkommission steht vor einem Paradigmenwechsel: Will sie weiter nur den kommerziellen Walfang regulieren – oder aktiv zum Schutz der Wale beitragen?

Ins Gewissen geredet

Sie müssen nicht, aber sie wollen: Internationale Krillfangunternehmen lassen künftig empfindliche Gebiete der Antarktis in Ruhe. Ein wichtiger Schritt Richtung Schutzgebiet.

Wo geht’s zum Weddellmeer?

Am Südpol soll das größte Meeresschutzgebiet der Welt entstehen. Greenpeace-Aktivisten zeigen heute in ganz Deutschland den Weg in die Antarktis – und warum sie Schutz benötigt.