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Die Schönheit der Wale erhalten

Wenigen anderen Tieren wurde in der Geschichte der Menschheit derart viel Aufmerksamkeit zuteil wie Walen und Delfinen. Seit Menschengedenken üben diese Lebewesen eine geheimnisvolle Faszination auf uns auf. Als Kind erfuhren wir ungläubig, dass der Walfisch eigentlich kein Fisch, sondern ein Säugetier ist - wie wir. Und immer wieder hörten wir von sagenhaften Geschichten, zum Beispiel von Delfinen, die schiffbrüchige Seeleute retteten.

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Vor einer derartigen Ehrfurcht für diese wunderbaren Geschöpfe ist heute mancherorts nicht viel übrig geblieben. Denn in diesem Moment wildert die japanische Walfangflotte in antarktischen Gewässern nach Mink- und Finnwalen. Es sei die Frage erlaubt, ob es einem der Walfänger hin und wieder in den Sinn kommt, welcher Schönheit er uns alle damit beraubt, welche Einzigartigkeit er unwiderruflich zerstört.

Ob sie wissen, dass Finnwale Töne produzieren? So tief, dass wir sie nicht hören können, aber andere Finnwale, die bis zu 850 Kilometer entfernt sind. Ob sie wissen, dass diese Tiere bis zu 100 Jahre alt werden? Vielleicht täten sie gut daran, mal einem Buckelwal beim Singen zuzuhören. Es gibt Buckelwale, die singen sogar im Chor. Verschiedene Walgruppen im Umkreis von bis zu 5.000 Metern singen so das gleiche Lied. Wenn es sich ändert, dann ändert es sich im Kollektiv.

Bislang hat man nicht herausfinden können, warum Buckelwale singen oder warum sie oft so übermütig aus den Fluten springen. Doch möglicherweise wird die Zeit knapp, dieses Geheimnis zu lüften. Denn die Japaner wollen bald auch wieder Jagd auf Buckelwale machen.

Ganze Arbeit hat die Walfangindustrie auch bei den Blauwalen geleistet. Vermutlich gibt es heute nicht mehr als 3.500 dieser Könige der Meere. Eine Ausrottung des Blauwals würde das Ende eines Tieres der Superlative bedeuten: Der Blauwal ist das größte lebende Tier der Welt. Aber er ist nicht nur das größte Tier der Welt, er ist auch das lauteste. Die Rufe der Blauwale erreichen bis zu 188 Dezibel. Das ist lauter als ein Düsenjet, der gerade mal mit 140 Dezibel auf der Skala ausschlägt.

Doch der Blauwal hat noch mehr zu bieten. Allein das Herz dieser Walart ist so groß wie ein Kleinwagen. Seine Aorta ist so groß, dass sie ein Mensch durchschwimmen könnte. Für ihr Junges produziert eine Blauwalkuh nicht weniger als 400 Liter ihrer extrem fettigen und nahrreichen Milch, und das täglich.

Und auch den Pottwalen erging es wie den meisten anderen Walen. Sie wurden im Laufe des letzten Jahrhundertes kontinuierlich gejagt und ihre Zahl immer weiter dezimiert. Diese Kosmopoliten - Wale also, die in so gut wie allen Weltmeeren zu Hause sind - machen dem Blauwal als Tier der Superlative mächtig Konkurrenz. Mit neun Kilogramm haben sie das größte Gehirn aller Lebewesen.

Zudem sind sie die größten Raubtiere auf Erden. Sie können länger tauchen als jedes andere Säugetier - und vor allem tiefer: ein Potwalbulle kann nachweislich bis zu 2.250 Meter tief tauchen. Vermutet wird, dass sie sogar in Tiefen von 3.000 Metern vordringen.

Auf der Speisekarte der Pottwale stehen Tintenfische und Riesenkalmare, die sie mit Hilfe eines komplexen Sonarsystems, dem so genannten Spermaceti-Organ, ausfindig machen. Dieses Echolot ermöglicht es dem Pottwal, sich in den dunkelsten Gewässern zu orientieren. Er stößt dazu Klicklaute aus, die von Objekten in seiner Umgebung oder seiner Beute zurüchgeworfen und in seinem Hirn zu einer Umgebungskarte verarbeitet werden.

Nachdem die Bestände an Blau- und Finnwalen auf ein Minimum zurückgegangen waren, geriet auch der Seiwal vor die Harpunen der Walfänger. Vor allem die Japaner schätzen ihr Fleisch zur Zubereitung von Sashimis. Um die Abschlachtung zu legitimieren wird standhaft behauptet, Seiwale hätten maßgeblichen Anteil an dem Rückgang weltweiter Fischbestände. Das darf verwundern, schließlich ernähren sich Seiwale hauptsächlich von Plankton.

(Autor: Benjamin Borgerding)

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