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Beifang unter die Lupe genommen

Windstärke sieben, zwei Meter hohe Wellen und dazu strahlender Sonnenschein. So beginnt der achte Tag auf der Nordsee im Schutzgebiet Doggerbank. Das Greenpeace-Flaggschiff Esperanza ist im Rahmen der Meeresschutzkampagne von sieben europäischen Greenpeace-Büros unterwegs. Gemeinsam fordern sie von den Anrainerstaaten die Einrichtung von Schutzgebieten in der Nordsee. Täglich berichtet Björn Jettka, der Pressesprecher an Bord über die Ereignisse vor Ort.

Den ganzen Morgen ist die Esperanza umringt von Möven. Offenbar verwechseln die Vögel das Schiff mit einem der mehreren tausend Trawlern, die hier unterwegs sind. Bei ihnen finden sie immer Nahrung. Rund 90 Prozent des gesamten Fangs wird nämlich von den Fischern als Beifang über Bord geschmissen.

Die Meerestiere erleiden dieses Schicksal, weil sie sich nicht verkaufen lassen oder einige Fische nicht die gewünschte Größe erreicht haben. Normalerweise überleben die Fische, Krabben oder auch Seeigel diese Prozedur nicht. Jedes Jahr landen auf diese Weise fast 700.000 Tonnen Lebewesen schwer verletzt oder tot wieder in der Nordsee.

Das wollen wir ändern. Heute fahren wir durch das von uns symbolisch markierte Schutzgebiet auf der Suche nach Trawlern. Gegen 16:00 Uhr gibt es einen ersten Kontakt auf dem Radarschirm: ein Fischer mit großem Geschirr an Deck, an dem das tonnenschwere Netz über den Meeresboden gezogen wird.

Wir lassen eines unserer Schlauchboote zu Wasser und fahren dem Fischer entgegen. Uns interessiert sein Beifang. Zudem möchten wir die Besatzung über unser Schutzgebiet informieren.

Fangquoten bringen überhaupt nichts

Nach zwanzig Minuten erreicht das Boot den belgischen Trawler. Der Kapitän erlaubt es, dass unsere Meeresexperten und Kameraleute an Bord kommen können. Sie reden mit dem Mann und überreichen unsere Karten mit den eingezeichneten Schutzgebieten.

Der Kapitän stimmt uns zu, dass die bisherige Politik versagt hat. Fangquoten bringen überhaupt nichts, sagt er zu der aktuellen europäischen Regelung. So deutlich hört man dies selten von seinem Berufsstand.

Wir schauen uns den Beifang an: zerfetzte Tiere wie Knurrhähne, Schollen, Seezungen, Tintenfische und Wittlinge, Krebse mit zerdrückten Gehäusen. Alles was auf dem Meeresgrund nicht schnell genug verschwindet, wird mitgefangen. Viele Fische sind zu groß, um durch die Netzmaschen zu schlüpfen und dennoch zu klein, um sie zu verkaufen. Heute wird uns klar, was die statistischen Werte in Wirklichkeit bedeuten.

Die täglichen Berichte von Bord der Esperanza sind in einem Weblog zusammengefasst. Hier kann die Arbeit der Esperanza-Besatzung verfolgt werden. (kab)

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