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Zeichen setzen für eine nachhaltige Agrarpolitik

Auf den ersten Blick hat die Internationale Grüne Woche in Berlin, die dieser Tage stattfindet, überwiegend den Charakter eines Volksfestes. Der Konsum von Agrarprodukten scheint die Auseinandersetzung mit Inhalten zu dominieren. Doch auf Europas Agrar- und Lebensmittelmesse Nummer 1 finden sich auch Politik und Interessenvertreter ein, um ihre Positionen auszutauschen und die Weichen für die Zukunft zu stellen. Grund genug Samstag an der Demo gegen Agrarindustrie in Berlin teilzunehmen.

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Denn dieses Jahr reisen so viele Agrarminister an wie nie zuvor. Für die nähere Zukunft sieht es im Moment leider nach "business as usual" aus - nach einer Agrarpolitik die in den letzten Jahren und Jahrzehnten eine düstere ökologische Bilanz aufzuweisen hat.

Doch es geht auch anders - und immer mehr Menschen wollen das. Demonstriert werden soll dies unter dem Motto "Wir haben Agrarindustrie satt". Vor dem Kanzleramt soll erneut ein Zeichen für eine bäuerlich-nachhaltige Landwirtschaft gesetzt und der Agrarindustrie die rote Karte gezeigt werden.

Dieses Jahr ist es von besonderer Bedeutung dies sichtbar zu machen: es stehen bedeutende Entscheidungen auf nationaler und europäischer Ebene an. In der EU stehen die Beschlüsse zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auf der Agenda - und mit ihnen die Ausrichtung der europäischen Landwirtschaft für die nächsten Jahre.

Deutschland kommt in den Abstimmungsprozessen eine wichtige Rolle zu, umso bedauerlicher ist die Blockadehaltung der Bundesregierung gegenüber ökologischen und nachhaltigen Lösungsansätzen für unübersehbare und fundamentale Probleme in der industrialisierten Landwirtschaft. Auf Bundesebene kommt Ende 2013 im Rahmen der Bundestagswahl auch die Möglichkeit einer grünen Wende auf dem Acker zur Abstimmung.

Die Politik muss zur Kenntnis nehmen, dass es den Wählern alles andere als egal ist wie ihre Lebensmittel erzeugt werden. Die Verschwendung von Milliarden von Steuergeldern für die Subventionierung der Agrarindustrie muss ein Ende finden und eine Ökologisierung der gesamten Landwirtschaft eingeleitet werden. Dies wollen auch wir am 19. Januar in Berlin fordern - mit hoffentlich vielen Gleichgesinnten! Wir freuen uns auf einen bunten und konstruktiven Protest ebenso wie auf kurz entschlossene Mitstreiter.

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