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Erwiderung auf die Behauptungen des Fachverbands der Gewürzindustrie e.V.

Am 1. Oktober haben wir die Ergebnisse eines Tests vorgestellt, nach dem Gewürze und Kräuter zum Teil stark mit Pestiziden belastet sind. Der Fachverband der Gewürzindustrie e.V. reagierte auf die Untersuchungsergebnisse mit einer Presseerklärung. Die darin aufgeführten Behauptungen kommentiert Manfred Krautter, Chemieexperte von Greenpeace:

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Bei den Aussagen der Gewürzindustrie handelt es sich um falsche Behauptungen und Fehlinterpretationen. Das bestätigt auch die nochmalige Überprüfung der Pestizid-Untersuchung durch das von Greenpeace beauftragte Fachlabor. Zudem haben es die Verantwortlichen der Gewürzindustrie versäumt, sich vor ihrer Stellungnahme mit Greenpeace in Verbindung zu setzen und so eine Fehldarstellung zu vermeiden. Greenpeace weist die vom Verband aufgestellten Fehlinterpretationen und Vorwürfe zurück und prüft rechtliche Schritte.

Die Gewürzindustrie verstößt mit dem Verkauf stark pestizidbelasteter Ware nicht nur gegen das Lebensmittelgesetz, sie gefährdet auch die Gesundheit der Verbraucher. Durch die jetzt veröffentlichte Fehldarstellung versuchen die Gewürzhersteller über eigene Defizite hinweg zu täuschen. Sie müssen stattdessen die Missstände umgehend abstellen.

Nicht nur Greenpeace stellt schwere Verstöße der Gewürzindustrie gegen das Lebensmittelrecht fest. Massive Überschreitungen gesetzlicher Pestizid-Grenzwerte in Gewürzen haben auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)1 oder die Lebensmittelüberwachung von Baden-Württemberg dokumentiert2 dokumentiert. Die zuständigen Behörden für Lebensmittelüberwachung müssen aber mehr tun als nur zu dokumentieren. Sie dürfen den Verkauf derartiger Ware nicht mehr dulden.

Die Richtigstellung von Greenpeace im Einzelnen:

1. Der Verband behauptet: Keine der untersuchten Proben überschritt die gesetzlich zugelassenen Höchstmengen.

Richtig ist: Das von Greenpeace beauftragte Fachlabor für Pestizidrückstände in Lebensmitteln hat die Untersuchungsdaten nochmals überprüft und die von ihm bereits festgestellten Überschreitungen bestätigt.

Alle Angaben von Greenpeace sind demnach korrekt: In zwei Proben wurden die gesetzlichen Höchstmengen überschritten, in einer erreicht. In einem Fall wurde zwar die gesetzliche Höchstmenge überschritten, jedoch bestand auf Grund einer Übergangsregelung Verkehrsfähigkeit der Ware.

Probe 7 ist sowohl nach EU-Recht (395/2005/EG) als auch nach der alten deutschen Rückstandshöchstmengenverordnung nicht verkehrsfähig.

2. Der Verband behauptet: Greenpeace lehnt die Herausgabe der Untersuchungsergebnisse ab.

Richtig ist: Greenpeace hat die Untersuchungsergebnisse am 1.10.2008 um 5.06h veröffentlicht. Sie sind seit diesem Zeitpunkt z.B. im Internet unter www.greenpeace.de abrufbar. Darüber hinaus hat Greenpeace Einzelhandelsunternehmen, bei denen beanstandete Ware verkauft worden war - also Edeka, dem Metro-Konzern (Kaufhof) und Aldi - bereits am 30.9.2008 die Einzelbefunde per FAX übermittelt. Am 1.10. wurden detaillierte Einzelbefunde zudem an mehrere betroffene Unternehmen der Gewürzindustrie - wie Wagner-Gewürze, 1Plus oder Raoul Rousso - per FAX und Email übermittelt. Greenpeace liegen Belege für diese Übermittlungen vor. Der Verband publizierte somit eine falsche Tatsachenbehauptung.

3. Der Verband behauptet: Greenpeace hat den Grenzwert für frische Paprika auf getrocknete Paprika angewendet, was zu einer rechtlich falschen Bewertung führt. [...] Zudem hat Greenpeace fälschlicherweise EU-Recht herangezogen, wo deutsches Recht gilt.

Richtig ist: Der Verband hat in seiner Meldung fälschlicherweise wiederholt den Grenzwert für das getrocknete Erzeugnis dem vom Greenpeace-Labor berechneten Gehalt für die Frischware gegenüber gestellt. Korrekt wäre es, den Grenzwert für das frische Erzeugnis mit dem berechneten Gehalt in der Frischware oder aber den berechneten Grenzwert für das getrocknete Erzeugnis mit dem gemessenen Gehalt im Erzeugnis zu vergleichen. Der Fachverband hat hier Ergebnisse von Greenpeace bewusst oder grob fehlerhaft falsch ausgelegt. Der Fehler liegt somit beim Fachverband der Gewürzindustrie e.V.

4. Der Verband behauptet: Der Grenzwert für Fenpropathrin in frischem Paprika beträgt nach der deutschen Verordnung 0,02 ppm.

Richtig ist: Diese Höchstmenge gilt nicht mehr. Die von dem von Greenpeace beauftragtem Labor korrekter Weise herangezogene aktuelle Höchstmenge liegt bei 0,01 mg/kg. Auf eine alte Höchstmenge von 0,02 mg/kg könnte in bestimmten Fällen nur zurück gegriffen werden, wenn die Ware entsprechend Art. 49 Abs. 1 der EG-Verordnung vor dem 1.9.08 erzeugt oder importiert wurde. Dies ist in diesem Fall in Frage zu stellen. Doch selbst die höhere Höchstmenge wäre durch den Messwert zu 70 Prozent ausgeschöpft worden. An der Einordnung nach dem Greenpeace-Bewertungskonzept hätte sich nichts geändert.

5. Greenpeace bewertet Pestizidrückstände bereits seit mehreren Jahren nach einem dem Gesundheitsschutz verpflichteten Bewertungskonzept, um Defizite der gesetz-lichen Höchstmengen auszuschließen. So wird beim Greenpeace-Konzept im Gegen-satz zu den gesetzlichen Höchstmengen in klar definierter Form das Vorhandensein von Mehrfachbelastungen und die besondere Empfindlichkeit von Kindern berück-sichtigt. Die Gewürzindustrie, deren Produkte massive Mehrfachbelastungen mit Pestiziden aufweisen, sollte sich dieses vorsorgende Bewertungskonzept zu eigen machen, statt es anzugreifen. Insgesamt konnten wir bei dem Test zwar im Einzelfall keine Indizien für eine akute Gesundheitsgefährdung feststellen, jedoch können chronische Gesundheitsschäden aufgrund der Pestizidbelastungen nicht ausgeschlossen werden.

6. Der Verband behauptet: In Anhang 1 der Veröffentlichung stellt Greenpeace dann fest: 'keine illegalen Pestizide nachgewiesen.'

Richtig ist: In der angesprochenen Veröffentlichung von Greenpeace Pestizidtest Kräuter und Gewürze 2008 ist die Aussage keine illegalen Pestizide nachgewiesen nicht zu finden. Auch nicht im Anhang 1 der Publikation.

Im Anhang 1, Seite 9 findet sich zwar eine Tabellenrubrik Anzahl Illegale, doch dort gibt es keine Einträge, da in dieser Tabelle die entsprechende Auswertung nicht erfolgt.

Die Auswertung auf Pestizide, die in der EU keine Zulassung haben, findet sich dagegen auf Seite 8 des Dokuments in der rechten Spalte. Demnach waren 18 der 53 nachgewiesen Pestizidwirkstoffe nicht in der EU zugelassen. Somit hat auch in diesem Fall der Fachverband der Gewürzhersteller e.V. eine fehlerhafte Aussage und eine falsche Tatsachenbehauptung getroffen.

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