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Biene auf einer Rapsblüte
© Fred Dott / Greenpeace

Analysen der Behörden: Raps-Saatgut frei von gentechnischen Verunreinigungen

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Update vom 30. Oktober 2017

Besser geht‘s nicht: Keine der in diesem Jahr von den Behörden getesteten 269 Raps- und über 500 Maissaatgutproben war gentechnisch verunreinigt. Beim Raps ist das seit fünf Jahren so, beim Maissaatgut ging die Belastung Jahr für Jahr zurück und ist nun auch bei null gelandet. „Diese erfreuliche Entwicklung zeigt, dass sich die Nulltoleranz beim Saatgut bewährt“, erklärt Dirk Zimmermann, Greenpeace-Experte für Gentechnik. Denn in Deutschland darf Saatgut keine Gentechnik enthalten, auch kein klitzekleines Bisschen. Tut es das, wird es vom Markt gezogen, damit sich die Gentechnik auf dem Acker und somit im Saatgut nicht ausbreiten kann.

So erging es einer Sojabohnen-Charge. Die einzige von den Bundesländern festgestellte Verunreinigung steckte in einer Sojabohnen-Probe – die betroffene Partie gelangte allerdings nicht in den Handel. „Der Erfolg der Saatgut-Kontrollen steht allerdings durch neue gentechnische Verfahren auf dem Spiel“, warnt Zimmermann. In Nordamerika wächst bereits mit Methoden des Genome Editings manipulierter Raps auf den Äckern, der dort nicht als Gentechnik eingestuft wird. In Europa steht die Entscheidung noch aus. „Die neuen gentechnischen Methoden sollten rechtlich als Gentechnik eingestuft werden, was sie zweifellos sind“, sagt Zimmermann. „Nur dann müssen sie eine umfassende Risikobewertung durchlaufen und unterliegen einer gesetzlichen Nachweis-, Rückverfolgbarkeits- und Kennzeichnungspflicht.“

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Raps ist ein wahrer Überlebenskünstler: Pollen können festgeklebt am Bein einer Biene eine Strecke von 20 Kilometern überwinden, Samen zehn Jahre im Boden überdauern. Diese beeindruckenden Fähigkeiten können jedoch zur Plage werden: Nämlich dann, wenn der Raps gentechnisch verändert und seine Ausbreitung nicht mehr kontrollierbar ist. So konnte sich Gen-Raps flächendeckend in Kanada aussamen – ein gentechnikfreier Rapsanbau ist dort kaum noch möglich. Gut zu wissen daher, dass auch in diesem Jahr – zum vierten Mal in Folge – das Saatgut in Deutschland sauber ist. Das zeigen die Saatgutanalysen der Bundesländer, die Greenpeace und Bioland ausgewertet haben. Keine einzige der insgesamt 301 Raps-Proben war gentechnisch verunreinigt.

„Die Tests fallen so erfreulich aus, weil in Europa kein genmanipulierter Raps angebaut wird – er ist nicht zugelassen“, erklärt Dirk Zimmermann, Agrarbiologe und Experte für Landwirtschaft bei Greenpeace. Zudem gilt die Nulltoleranz: Saatgut darf nicht – auch nicht zu einem geringen Teil – mit Gentechnik verunreinigt sein. Sonst wird es aus dem Verkehr gezogen. Die Hersteller achten also penibel darauf, dass etwa bei der Lagerung nicht gepfuscht wird. Denn Gen-Raps darf zwar in Europa nicht auf den Acker, er kann aber importiert werden.

Bayer: Profit mit Gift und Gen-Pflanzen

„Es ist aber absehbar, dass durch die Fusion von Bayer und Monsanto der Lobby-Druck auf die europäischen Parlamente steigen wird“, so Biologe Zimmermann. „Bayer wird versuchen, die  Nulltoleranz für Saatgutverunreinigungen aufzuweichen.“ Es liegt nahe, dass der neue Megakonzern Monsantos Gen-Pflanzen und Gifte auf den Markt bringen will – irgendwie müssen die 66 Milliarden Dollar ja wieder reinkommen, die die Monsanto-Übernahme kosten wird. Bayer als deutsches Unternehmen stehen in Brüssel vermutlich mehr Türen offen als dem ehemaligen amerikanischen Konkurrenten mit dem schlechten Ruf eines skrupellosen Kapitalisten.

Bayer weiß aber auch, dass die bisherige Gentechnik-Generation eher floppte: Die wenigen Pflanzensorten, die es zur Marktreife gebracht haben, sind in Europa nicht gerne gesehen – weder auf dem Acker noch im Essen. In Argentinien und den USA müssen die Bauern immer mehr Gifte sprühen, da Gen-Pflanzen die Entwicklung von Resistenzen unerwünschter Beikräuter begünstigen.

Einfallstor für Gentechnik

Bayer könnte allerdings durch neue Gentechnik-Methoden bestehende Regelungen zum Schutz der Verbraucher und Landwirtschaft umgehen. Denn bislang entscheidet das Manipulationserfahren für die Pflanze, ob sie unter das Gentechnikgesetz fällt oder nicht. Wenn ja, unterliegt sie strengeren Vorgaben. Gentechnisch veränderte Produkte müssen gekennzeichnet, ihre Rückverfolgbarkeit garantiert werden. Zudem ist eine Sicherheitsprüfung vorgeschrieben; diese ist zwar mangelhaft – aber immer noch besser als keine.

Der Umgang mit den neuen Verfahren wie CRISPR/Cas und ODM ist gesetzlich noch nicht geregelt – ein Einfallstor für die Industrie-Lobby. „Diese Pflanzen sind genauso risikoreich wie die alten Gen-Pflanzen“, sagt Zimmermann. „Es wäre unverantwortlich, hier nicht das Gentechnikgesetz anzuwenden. Nur dann haben Verbraucher und Landwirte weiterhin die Möglichkeit, Gentechnik im Essen und auf dem Acker zu verhindern.“

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