Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Das Geschäft mit der Verharmlosung

Immer wieder wird versucht, die Gefahr von Pestiziden zu verharmlosen. Doch auch deutsche Behörden stufen die Pestizidbelastungen der Lebensmittel in den letzten Jahren immer wieder als zu hoch ein - oftmals gar als unakzeptabel. Daher hat die EU dieses Jahr die Pestizidzulassung deutlich verschärft. Doch an den Pestiziden verdienen Konzerne viel Geld und so verwundert es nicht, das verschleiernde Stimmen nicht verstummen wollen.

  • /

Pestizide sind gefährlich und keine harmlosen Stoffe. Wer das behauptet verschweigt und verharmlost ernsthafte Gefahren für die Gesundheit, sagt Manfred Krautter, Chemieexperte bei Greenpeace. Nicht nur Greenpeace hat in vielen Tests festgestellt, dass die Konzentrationen der Pestizide in unseren Lebensmitteln durchaus relevant sind. Schließlich sind viele Pestizide nach internationaler wissenschaftlicher Einstufung krebserregend, erbgutschädigend, die Fortpflanzung beeinträchtigend, nervenschädigend oder immuntoxisch.

Deutschland ist der billigste Lebensmittelmark Westeuropas und keinesfalls frei von Skandalen. Über zehn Jahre lang stiegen die Pestizidbelastungen im hierzulande verkauften Obst und Gemüse stetig an. Sie erreichten kritische Bereiche, die selbst das Bundesinstitut für Risikobewertung als nicht akzeptabel bezeichnete.

Immer öfter wurden die EU-Höchstmengen und WHO-Grenzwerte für Pestizide überschritten. Da konnte und wollte Greenpeace nicht zusehen, so Krautter weiter. Wir beschlossen einzugreifen und führten die umfassendsten unabhängigen Tests hierzulande durch. Schwerpunkte waren u. a. die kritische Überprüfung derGiftigkeit der Pestizide und die Sicherheit der gesetzlichen Grenzwerte.

Toxikologische Überprüfungen machten deutlich, dass die Grenzwerte oftmals nicht sicher sind. Sie berücksichtigen meist nicht, dass Mehrfach-Pestizidbelastungen von Lebensmitteln heute üblich sind. Zudem werden bestimmte Wirkungen, wie die hormonelle oder immuntoxische, bei der Festlegung der Grenzwerte so gut wie nicht berücksichtigt.

Dazu kommen Fehler bei der Festlegung, was Greenpeace wiederholt nachweisen konnte. So musste erst dieses Jahr die oberste europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde eingestehen, dass bei etwa 300 der letztes Jahr erlassenen EU-Höchstmengen Verschärfungen nötig sind.

Die Verbraucher wollen kein Gift in ihrem Essen. Das haben mittlerweile auch Produzenten und Supermärkte erkannt. Und endlich achten auch Supermarktketten darauf, dass die Belastung ihrer Ware abnimmt. Greenpeace fordert dies seit langem.

Mittlerweile sinken, dank der von Greenpeace geschafften Transparenz für die Verbraucher und der Maßnahmen der Supermarktketten, in vielen Produkten die Belastungen deutlich. Gleichzeitig sind im landwirtschaftlichen Anbau biologische Alternativen zu den alten Chemie-Pestiziden auf dem Vormarsch.

Das Schöne ist, es schont unsere Umwelt und schützt die Arbeiterinnen und Arbeiter in der Landwirtschaft. Denn auch das ist dringend nötig. Nach WHO-Angaben sterben jährlich rund 200.000 Menschen an Pestizidvergiftungen und in vielen Ländern sind Grundwasser und Flüsse wegen der Pestizideinträge nicht mehr als Trinkwasserquellen nutzbar.

Weitere Informationen finden Sie hier auf unserer Webseite unter Themen, Chemie und dort Pestizide & Lebensmittel.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Vergiftete Doppelstandards

Deutschland lässt den Export und Vertrieb bienengiftiger Pestizidwirkstoffe nach und in Brasilien zu. Teilweise sind sie aufgrund hoher Risiken in der EU nicht mehr zugelassen.

Her mit dem guten Leben!

Schweine, die im Matsch wühlen, Obst ohne Pestizide, Blumen am Ackerrand. Kurzum: eine bessere Landwirtschaft. Das geht nicht? Doch, hier ist die Anleitung – für ganz Deutschland.

Schadensbegrenzung

Glyphosat ist in der EU weiterhin zugelassen – Minister Schmidt hat es verbockt. Nun muss es wenigstens ein nationales Verbot geben, fordern Aktivisten vor dem Reichstag.