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Da müssen auch mal Supermärkte geschlossen werden

658 Obst- und Gemüseproben hat Greenpeace gekauft und auf Pestizidrückstände untersuchen lassen. Sie stammten aus den führenden Supermarktketten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Ergebnis ist erschreckend. Im Gespräch mit der Online-Redaktion erläutert Greenpeace-Chemieexperte Manfred Krautter die Testergebnisse und fordert Supermärkte und Regierung zum Handeln auf.

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Greenpeace-Redaktion: Welche Parameter hat Greenpeace für die Untersuchtung angelegt, wonach wurde beurteilt?

Manfred Krautter: Wir haben jede der 658 Proben auf 300 verschiedene Pestizide untersucht. Dann haben wir Negativpunkte vergeben, zum Beispiel wenn Höchstmengen überschritten waren oder wenn es Mehrfachbelastungen gab. Auf diese Weise kamen die Rotwertungen zustande, die eigentlich nichts anderes als gesundheitsgefährdend bedeuten. Grünwertungen dagegen haben Produkte immer dann bekommen, wenn gar keine Pestizide nachweisbar waren.

Greenpeace-Redaktion: Einige Supermärkte haben bei den Tests besser abgeschnitten als andere. Wie erklärst du dir das?

Manfred Krautter: Scheinbar gibt es doch große Unterschiede bei dem Qualitätsmanangement der Lebensmittelketten. Die Regel, dass billig automatisch schlecht ist, scheint sich da nicht immer zu bewahrheiten. Aldi scheint jedenfalls Qualität und günstige Angebote besser unter einen Hut zu bekommen als Lidl, wo man auf Kontrollen scheinbar ganz verzichtet und kontinuierlich schlechte Qualität anbietet.

Greenpeace-Redaktion: Wer ist eigentlich dafür verantwortlich, dass dem deutschen Verbraucher so viele Pestizide zugemutet werden?

Manfred Krautter: Das sind einerseits die Handelsketten, für die nur der Preis gilt. Die Preisspirale geht nach unten und damit eben oft auch die Qualität. Wir sehen, dass in den letzten Jahren die Pestizidbelastungen in Obst und Gemüse kontinuierlich gestiegen sind. Das wissen die Handelsketten, das wissen aber auch die Verbraucherpolitiker. Die letzte Verbraucherministerin hat Klasse statt Masse angekündigt, doch wir bekamen statt dessen immer mehr Gift auf den Teller. Die Agrar- und Verbraucherminister müssen jetzt endlich durchgreifen, die Supermärkte besser kontrollieren und Märkte auch mal schließen, wenn sie diese Ware verkaufen.

Greenpeace-Redaktion: Wie beurteilst du das konventionelle Obst- und Gemüseangebot nach der neuen Untersuchung?

Mafred Krautter: Deutschland hat die billigsten Lebensmittel in ganz Europa, allerdings auch mit die schlechteste Qualität, was die Pestizidbelastungen angeht. Die Lebensmittelüberwachung muss sehr viel besser werden, da müssen auch mal Supermärkte geschlossen werden, die wiederholt solche Waren verkaufen. Und bis es so weit ist, müssen die Verbraucher sich selber helfen. Sie können den kostenlosen Ratgeber bei Greenpeace anfordern und dort einkaufen, wo es die beste Qualität gibt, am besten Bioware.

Greenpeace-Redaktion: Welche Forderungen verbindet Greenpeace mit dem Testergebnis?

Manfred Krautter: Die Supermarktketten müssen zumindest einmal sicherstellen, dass das, was sie verkaufen, den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Am besten wäre natürlich pestizidfreie Ware, und dazu müssen sie ihre Qulität deutlich verbessern. Damit es soweit kommt, muss auch das Pestizid-Reduktionsprogramm des Bundes verbessert werden, so dass beispielsweise illegale Pestizide nicht mehr eingesetzt werden und dass auf den Äckern weniger gespritzt wird. Und die Kontrollen müssen verschärft werden, denn wenn die Kontrollen so bleiben wie sie jetzt sind, wird auch die Qualität im Keller bleiben.

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