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Greenpeace-Abfrage: Baumärkte und Gartencenter reduzieren Pestizide im Sortiment

Ausmisten im Giftschrank

Kein Glyphosat für private Gärten – Bauhaus, Obi und Toom verkaufen Hobbygärtnern weniger gefährliche Pestizide, stellt Greenpeace fest. Doch noch nicht alle Baumärkte ziehen mit.

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Verbraucher wollen kein Gift im Garten – und der Markt reagiert. Das ist das Ergebnis einer Greenpeace-Abfrage bei acht großen Baumärkten und Gartencentern aus diesem Sommer. Bauhaus, Globus, Hornbach, Obi und Toom haben vor, das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat ganz aus dem Sortiment zu nehmen. Mit gutem Grund: Im Juli stufte eine Agentur der Weltgesundheitsorganisation Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein.

Der US-Konzern Monsanto vertreibt das Herbizid seit den Siebzigerjahren unter dem Namen „Roundup“. Bis heute ist Glyphosat der weltweit meistgenutzte Wirkstoff in Unkrautvernichtungsmitteln: Das sogenannte Totalherbizid, das sämtliche Pflanzen abtötet, galt lange Zeit als vollkommen harmlos für den Menschen. Aktuell mehren sich die Hinweise, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend ist.

Im eigenen Garten will damit kaum noch ein Hobbygärtner hantieren. „Die Verbraucherproteste zeigen Erfolg“, sagt Christiane Huxdorff, Greenpeace-Expertin für Landwirtschaft. „Die Baumärkte erkennen, dass sie mitverantwortlich dafür sind, ob gefährliche Gifte in Gärten und auf Balkone gelangen.“

Vollständig verschwunden ist Glyphosat allerdings nicht aus deutschen Baumärkten. Die großen Ketten Dehner, Hagebau und Hellweg behalten das Gift weiter im Sortiment. „Auch sie sollten auf den umstrittenen Wirkstoff verzichten“, so Huxdorff. „Produkte, bei deren Gebrauch Menschen mit Glyphosat sehr wahrscheinlich in direkten Kontakt kommen, müssen überall umgehend ausgelistet werden. Das muss für alle Baumärkte und auch Online-Shops gelten.“

Teilerfolge beim Bienenschutz

Auch das Pestizid Thiacloprid ist bei Bauhaus, Obi und Toom aus den Regalen genommen, wie die Abfrage ergab. Die Firma Hellweg will bis zum Ende des Jahres Mittel mit diesem Wirkstoff aus dem Sortiment nehmen. Der Wirkstoff ist erwiesenermaßen schädlich für Bienen. Leider gilt das Auslisten nicht für das ebenfalls gefährliche Neonicotinoid Acetamiprid, das in allen Läden vorerst weiter im Verkauf ist. Sämtliche Baumärkte verzichten zwar auf die gefährlichsten, als B1 gekennzeichneten Stoffe, doch auch die weniger giftigen B3-Stoffe können bei falscher Anwendung für Bienen schädlich sein. Globus ist der einzige Markt, der konsequent auch auf alle B3-Wirkstoffe verzichtet.

Zierpflanzen, die man aus dem Baumarkt nach Hause trägt, sind ebenfalls häufig mit bienengefährdenden Pestiziden belastet. Sieben der Gifte sollen jedoch künftig nicht mehr in der Produktion zum Einsatz kommen, die Märkte sind dazu mit ihren Lieferanten im Gespräch. Christiane Huxdorff verspricht, dass Greenpeace diese Entwicklung im Blick behält: „Wir werden weiterhin beobachten, welche Fortschritte wirklich erzielt werden.“ 

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