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Kein Krebsmaus-Patent in Kanada

Die US-amerikanische Eliteuniversität Harvard ist mit ihrem Antrag auf ein kanadisches Patent vor dem Supreme Court (Obersten Gerichtshof) in Ottawa gescheitert. Damit ging ein 17 Jahre währender Rechtsstreit zu Ende.

Ziel der Universität war es, wie schon in den USA, Japan und einigen europäischen Staaten, auch in Kanada den besonderen Rechtschutz für ihre so genannte Oncomouse sowie alle ihre Nachfahren zu erlangen. Die gentechnisch veränderten Mäuse spielen eine bedeutende Rolle in der Krebsforschung. Die Universität hätte mit dem Patent Einfluss auf die Forschung nehmen können.

Mit 5 gegen 4 Stimmen entschieden die Richter am Supreme Court, dass das kanadische Patentgesetz von 1869 nicht dazu geschaffen wurde, auf höhere Lebensformen wie Mäuse angewendet zu werden. Greenpeace begrüßte die Entscheidung des Gerichts. Der Beschluss sei im besten Interesse der Öffentlichkeit und der gesamten Umwelt. Lebewesen sind keine Glühbirnen und Säugetiere keine Maschinen, sagte Joanne Dufay von Greenpeace Canada. Das Urteil ist ein Sieg für das Leben. Das kanadische Parlament muss dem Druck widerstehen, der jetzt zweifellos durch die Gentech-Industrie ausgeübt wird.

Der Supreme Court hat empfohlen, die Sache dem Parlament vorzulegen. Die Harvard-Universität hat bereits gefordert, dass die Parlamentarier das Patentgesetz noch einmal genau unter die Lupe nehmen. Vertreter der Biotechnologie-Industrie sehen schon das Ende aller Forschung bevorstehen. Dieser Beschluss stoppt unseren Wissenserwerb und jede Innovation, sagte Janet Lambert von BIOTECanada, der nationalen Biotech-Handelsvereinigung. Der Chef der staatlichen Wissenschaftsförderung hingegen sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass negative Folgen für Kanada noch gar nicht zu erkennen seien.

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