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Nestlé: Zweierlei Maß bei der Gentechnik

Was der Lebensmittelkonzern Nestlé sich in Deutschland nicht mehr anzubieten traut, versucht er in Thailand ungeniert an den Kunden zu bringen. Greenpeace hat Mitte dieser Woche aufgedeckt, dass einige Lebensmittelhersteller die schwachen Kennzeichnungsregelungen des asiatischen Landes ausnutzen: Sie jubeln den Kunden Nahrungsmittel mit Gen-Zutaten unter.

So ist es ganz legal, dass die Produkte Tesco Lotus' Chinese Sausage und Nesvita von Nestlé trotz eines erheblichen Anteils an Gen-Soja keinen Hinweis auf der Verpackung tragen. Ein angesehenes Analyselabor in Deutschland hatte die Nahrungsmittel untersucht und festgestellt, dass der Soja-Anteil bei Nesvita zu 80 Prozent, bei dem Tesco-Produkt zu 83 Prozent aus genmanipulierten Pflanzen stammte.

Die thailändischen Vorschriften, die erst im Mai dieses Jahres in Kraft getreten sind, fordern lediglich für die drei Hauptzutaten in einem Nahrungsmittel einen Hinweis, wenn sie aus Gen-Pflanzen gewonnen wurden. Der Schwellenwert, ab dem gekennzeichnet werden muss, liegt bei fünf Prozent. Für alle weiteren Zutaten besteht keine Kennzeichnungspflicht. Diese Lücke nutzen die Lebensmittelproduzenten aus: Bevor die Regeln beschlossen wurden, lag bei Nesvita der Anteil von Gen-Soja an der gesamten Soja-Zutat bei sieben Prozent. Jetzt sind es bereits 80 Prozent.

Ganz anders stellt sich die Situation in Deutschland mit seinen Gentechnik-kritischen Verbrauchern dar. Hier hat Nestlé gegenüber Greenpeace versichert, keine Zutaten aus genmanipulierten Pflanzen zu verwenden. Es wird Zeit, dass Nestlé seine Doppelstandards aufgibt, fordert Alexander Hissting, Gentechnik-Experte bei Greenpeace. Alle Verbraucher haben ein Recht auf qualitativ hochwertige, gentechikfreie Nahrungsmittel - weltweit.

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