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Naturschutzamt kritisiert unzulängliche Gen-Maisüberwachung - Seehofer hört weg

Der umstrittene Gen-Mais MON810 des Konzerns Monsanto ist auf bundesdeutschen Äckern wieder freigegeben. Monsanto habe die Auflage erfüllt und einen vollständigen Plan zur Beobachtung der Umweltauswirkungen des Genmais-Anbaus vorgelegt, teilte das Bundesamt für Verbraucherschutz (BVL) am 6. Dezember mit. Falsch: Greenpeace liegt eine Stellungnahme des Bundesnaturschutzamtes vor. Darin kritisiert die Behörde, dass der Überwachungsplan unvollständig sei.

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Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ist als Bundesfachbehörde am Genehmigungsverfahren für den Anbau von Gen-Pflanzen beteiligt. Als bekannt wurde, dass MON 810 trotz vorhandener Bedenken wieder angebaut werden soll, stellte Greenpeace eine Anfrage gemäß Umweltinformationsgesetz (UIG) und erhielt die Stellungnahme des BfN. Unsere Gentechnikexpertin Ulrike Brendel analysierte das Papier. Sie stellte fest, dass es erhebliche Kritik am Überwachungsplan des Konzerns Monsanto enthält. Diese blieb offensichtlich ohne Folgen.

Brendels Schlussfolgerung: Seehofer hat die Einwände der Fachbehörde schlicht ignoriert und handelt völlig widersprüchlich. Im April schränkt er den Anbau von Gen-Mais ein, jetzt akzeptiert er einen lächerlichen Überwachungsplan und genehmigt den Anbau. Er muss sich entscheiden, ob er die Interessen der Verbraucher und der Umwelt oder die der Gentechnik-Firmen vertreten will.

Das BfN bemängelt unter anderem, dass von neun angeordneten Prüfpunkten fünf überhaupt nicht und zwei nur teilweise berücksichtigt sind. Außerdem kritisiert die Behörde, dass die Auswirkungen des Gifts auf Schmetterlinge und Wasserlebewesen nicht fallspezifisch untersucht werden sollen. Das Gleiche gilt für den Verbleib des Gifts in der Umwelt: Eine Beobachtung der Folgen ist nicht vorgesehen.

Diese Überwachungen sind unverzichtbar. Studien haben die schädliche Wirkung des Gen-Maises auf bestimmte Lebewesen bereits belegt. Mögliche negative Auswirkungen auf die Umwelt können daher nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden.

Das BfN bemängelt weiter, dass Landwirte, die Gen-Mais anbauen, von Monsanto überwiegend nach ackerbaulichen Aspekten wie dem Wachstum der Pflanzen befragt werden. Auswirkungen auf die Umwelt können so kaum erfasst werden. Zudem will Monsanto schon vorhandene Daten sammeln und auswerten, die in einigen Fällen gar keinen Bezug zum Anbau von Gen-Mais haben.

MON810 ist seit 1998 in der EU zugelassen. Seit 2003 sind neue Genehmigungen für Gen-Pflanzen an ein Monitoringprogramm gebunden – einen Plan zur Beobachtung der Umweltauswirkungen. Für bereits bestehende Zulassungen gab es eine Übergangsregelung, die 2007 auslief. Monsanto musste einen Überwachungsplan für MON810 nachreichen. Dieser wurde am 4. Dezember vorgelegt.

Gegen den Monsanto-Mais bestehen seit langem Sicherheitsbedenken. Der sogenannte Bt-Mais enthält ein Gift, das den Maiszünsler tötet. Bisherige Erkenntnisse legen aber nahe, dass die giftigen Pollen auch andere Schmetterlings- und nützliche Insektenarten schädigen können. In den USA wurde dies bereits am Beispiel des geschützten Monarchfalters belegt. In Deutschland mehren sich Hinweise auf eine Gefahr für Honigbienen.

Zudem gibt es sehr widersprüchliche Angaben zum Giftgehalt des Maises. Die Werte schwanken je nach Untersuchungsmethode um bis zu 100 Prozent. Das stellte das Labor EcoStrat fest. Es hatte im Auftrag von Greenpeace Gen-Maisproben von verschiedenen deutschen Anbauflächen analysiert. Ein standardisiertes Prüfverfahren gibt es bis heute nicht.

Greenpeace fordert, den Anbau von Gen-Mais einzustellen und MON810 in der EU nicht wieder zuzulassen. Es kann nicht sein, dass Sicherheitsbedenken und Kritik nicht zur Kenntnis genommen werden, bis die Folgen unumkehrbar sind.

Die Stellungnahme des Bundesamts für Naturschutz finden Sie hier auf unserer Seite.

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