Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Koexistenz mit Gentechnik - ein Märchen

In Brüssel berät am Montag der EU-Agrarministerrat über die so genannte Koexistenz: den parallelen Anbau von gentechnisch veränderten und konventionellen Pflanzen sowie Pflanzen aus ökologischer Landwirtschaft. Aus Anlass des Treffens haben Greenpeace-Aktivisten Beutel mit zertifizierter Gentechnik-freier Saat aus Österreich an die Minister verteilt. Die Umweltschützer fordern ein striktes Reinheitsgebot für Saatgut in allen europäischen Ländern.

Zur Diskussion stehen die Richtlinien der Europäischen Kommission zur Koexistenz und die darin vorgeschlagenen Grenzwerte für die Kontaminierung von Saatgut. Die Kommission spricht sich für Grenzwerte zwischen 0,3 und 0,7 Prozent je nach Pflanzenart aus. Sie sieht nur sehr allgemeine Empfehlungen für die einzelnen EU-Mitgliedsstaaten vor. Letztendlich läuft diese Vorgabe auf eine Freigabe kontaminierter Saat hinaus, die zur Verseuchung der gesamten Nahrungskette führen würde.

Eine echte Koexistenz ohne Vermischung kann es nicht geben. Wenn gentechnisch veränderte und herkömmliche Pflanzen erst einmal Acker an Acker wachsen, ist eine Verseuchung der herkömmlichen Pflanzen praktisch unvermeidlich. Leiden würden besonders die Öko-Bauern, die zur Erzeugung Gentechnik-freier Nahrungsmittel verpflichtet sind. Wer für die entstehenden Schäden haften müsste, ist völlig unklar.

Die Bauern müssen vor Kontamination geschützt werden, warnt darum Henning Strodthoff, Gentechnik-Experte von Greenpeace. Das Saatgut ist die Basis der landwirtschaftlichen Erzeugung und unserer Nahrung. Es braucht besonderen Schutz. In Ländern wie Österreich und Deutschland ist das Saatgut noch frei von gentechnischen Kontaminierungen. Hier Grenzwerte einzuführen, ist überflüssig.

Das politische Signal für ein absolutes Reinheitsgebot muss vom Ministerrat kommen. Sollte er sich nicht durchringen, so läge die Entscheidung beim Ständigen Saatgutausschuss der EU, der nach ersten Planungen am 27. Oktober tagen wird. Der EU-Kommission wäre es sicherlich Recht. Der Ausschuss fällt keine politischen, sondern technische Beschlüsse. Nach Ansicht von Greenpeace allerdings ist er damit für eine Entscheidung dieser Reichweite das falsche Gremium. (sit)

Das Ergebnis des Ministerrats-Treffens war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Gentechnik beim Namen nennen

Die „Genschere“ Crispr ist Gentechnik, entschied heute der Europäische Gerichtshof. Daraus entstehende Produkte sind damit kennzeichnungspflichtig. Gut für Umwelt und Verbraucher!

Na dann Mahlzeit!

CETA tritt vorläufig in Kraft – und in Kanada kommt genveränderter Lachs auf den Markt. Der könnte durch das Handelsabkommen in Europa landen, so Greenpeace-Analysen.

Bleib sauber

Raps-Saatgut ist frei von Gentechnik. Die anstehende Fusion von Bayer und Monsanto sowie eine neue Generation an Pflanzen bedrängen jedoch die gentechnikfreie Landwirtschaft.