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Gen-Reis: Sicher ohne Forschung?

Die Supermarktkette Edeka Südwest hat am Donnerstag ihr Produkt fit for fun Vollkornreis Marathon aus den Regalen genommen. Untersuchungen der Lebensmittelüberwachung hatten am Mittwoch ergeben, dass das Lebensmittel mit dem illegalen Gen-Reis LLRice 601 aus den USA verunreinigt ist. Von Seiten der Behörden und des Handels hieß es, von dem Gen-Reis gingen keine gesundheitlichen Gefahren aus. US-amerikanische Behörden hatten den Reis zuvor als unbedenklich eingestuft, ohne ihn getestet zu haben.

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Diese Beurteilung entbehrt jeder Basis, da der Gen-Reis nicht ausreichend auf die Gefahren für Gesundheit und Umwelt getestet wurde. Deshalb darf es nicht heißen, er sei ungefährlich, kritisiert Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace.

Der Gen-Reis ist in erster Linie ein Präzedenzfall: Nach den Bestimmungen der Europäischen Kommission sind die Auswirkungen von LLRice 601 auf die menschliche Gesundheit nicht erforscht. Nötig wäre demnach dazu ein offizielles Zulassungsverfahren. Der LLRice 601 darf weltweit weder angebaut, noch als Nahrungsmittel verkauft werden.

Da es kein Zulassungsverfahren gab, stehen der Forschung keine Informationen zur Verfügung, die abschließend die Auswirkung des Reises belegen. Problematisch ist zudem: Werden entsprechende Untersuchungen zu Gen-Pflanzen durchgeführt, so ist es überwiegend die Industrie selbst, die die Tests durchführt oder in Auftrag gibt. Unabhängige Forschung zu Gen-Pflanzen ist selten, meint Brendel.

Um das Erbgut zu manipulieren, werden die Fremdgene in der Regel per Schrotschussverfahren in ein Genom eingesetzt. Dabei können die Forscher nicht bestimmen, wo genau sie im Genom landen. Ein solches Zufallsverfahren macht das Ergebnis unvorhersehbar. Trotz aufwändiger Zulassungsverfahren können kaum Aussagen über die Auswirkungen der Manipulation getroffen werden.

Selbst offizielle Zulassungsverfahren bieten kaum Sicherheit. Trotz fehlerhafter Unterlagen für das Zulassungsverfahren der Gen-Maissorte MON 863, ließ die in Europa zuständige Behörde EFSA im Jahr 2004 den Gen-Mais als Futtermittel zu. Fütterungsversuche an Ratten mit dem insektenresistenten Mais zeigten jedoch, dass der Verzehr der Körner Veränderungen im Blutbild und Organschäden hervorruft.

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen 2005 auch australische Wissenschaftler. Sie mussten die Fütterungsversuche mit Gen-Erbsen an Mäusen einstellen. Der Grund: Die Tiere wurden krank, sie litten an den Symptomen einer Lungenentzündung. In die Hülsenfrüchte wurde zuvor ein Hemmstoff eingeführt, der sie gegen gegen den schädlichen Erbsenkäfer resistent machen sollte.

Da Gen-Pflanzen unkontrollierbar sind, sollten sie generell nicht mehr angebaut werden. Nur so können Verbrauchern gentechnikfreie Lebensmittel garantiert werden. sagt Brendel.

(Autorin: Cindy Roitsch)

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