Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Gen-Freilandversuche lenken ab

Seit Freitag wird in Großbritannien der derzeitige Stand der wissenschaftlichen Kenntnis zum Thema Grüne Gentechnik gesammelt und bewertet. Auf einer Pressekonferenz teilte der Leiter des Überprüfungsgremiums, Prof. David King, mit, dass die Ergebnisse der seit mehreren Jahren in Großbritannien laufenden Freilandversuche jedoch keine Berücksichtigung finden werden. Seine Begründung: Es würden anderenfalls allein die Freilandversuche in den Fokus von Presse und Öffentlichkeit rücken, und das wäre vollkommen falsch.

Die neue Studie soll bis Juni 2003 der britischen Regierung vorliegen und den Ministern ermöglichen, fundierte Entscheidungen zu treffen. King forderte alle Wissenschaftler auf, ihren Beitrag zu leisten und Fragen und Fakten an das Entscheidungsgremium zu schicken, in dem 24 Wissenschaftler und Laien sitzen. Im Gremium sitzen neben einigen Kritikern auch Vertreter der Gentech-Konzerne Monsanto und Syngenta. Studien-Schwerpunkte sind u. a.: die Sicherheit von Gen-Nahrung, die Verbreitung der Genkonstrukte sowie deren Überwachung.

Während Wissenschaftler die Studie und das Außerachtlassen der Freilandversuche begrüßen, bereitet gerade das Gentechnik-Gegnern erhebliches Unbehagen. Erst im August diesen Jahres musste der Bayer-Konzern eingestehen, dass seine Gen-Saaten außer Kontrolle geraten waren. In mindestens 14 Fällen waren illegale Rapssorten angebaut worden, was London als ernsten Verstoß gegen gesetzliche Auflagen wertete.

Adrian Bebb von der Umweltschutzorganisation Friends of the Earth bezeichnete gegenüber der BBC den Zeitplan der neuen Studie als das beschleunigte Ende der Debatte. Es komme kurz bevor die mehrjährigen Freilandversuche im nächsten Jahr wie schon seit langem vorgesehen abgeschlossen und ausgewertet würden. Bebb führt das auf den Druck der Gentechnik-Industrie zurück. Hinzu käme jedoch, dass auch die Regierung die Gentechnik nicht als Thema bei den nächsten Wahlen wünsche. (mir)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Gentechnik beim Namen nennen

Die „Genschere“ Crispr ist Gentechnik, entschied heute der Europäische Gerichtshof. Daraus entstehende Produkte sind damit kennzeichnungspflichtig. Gut für Umwelt und Verbraucher!

Na dann Mahlzeit!

CETA tritt vorläufig in Kraft – und in Kanada kommt genveränderter Lachs auf den Markt. Der könnte durch das Handelsabkommen in Europa landen, so Greenpeace-Analysen.

Bleib sauber

Raps-Saatgut ist frei von Gentechnik. Die anstehende Fusion von Bayer und Monsanto sowie eine neue Generation an Pflanzen bedrängen jedoch die gentechnikfreie Landwirtschaft.