Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

EU will gentechnikfreundlichere Regelungen durchsetzen

Erneut hat die Europäische Kommission in Brüssel ihre uneingeschränkt positive Haltung zur Gentechnik unter Beweis gestellt: Am Freitag veröffentlichte sie einen Bericht zur Rechtslage der so genannten Koexistenz auf den Äckern zwischen Gen-Pflanzen und herkömmlichen Pflanzen in den EU-Mitgliedsländern. Darin geißelt sie, dass einige Staaten Verbote für bestimmte Gen-Pflanzen erlassen haben, obwohl sie in der EU zugelassen sind. So darf in Deutschland kein Gen-Mais der Linie Bt-176 angebaut werden.

  • /

Die Kommission droht nun mit geeigneten Maßnahmen, um das Einhalten der Kommissionsvorgaben sicherzustellen. Sie sieht in der EU noch großen Bedarf, den Anbau von Gen-Pflanzen und herkömmlichen Pflanzen nebeneinander zu beobachten. Ländern, die bereits gesetzliche Regelungen zum Schutze der gentechnikfreien Landwirtschaft erlassen haben, wirft sie verfrühtes Vorpreschen vor. Erst für 2008 kündigte sie einen Zwischenbericht an.

Bislang schon zeichnete sich die EU-Kommission durch ihre Bereitwilligkeit aus, jede von der Industrie beantragte Zulassung einer Gen-Pflanze abzunicken, kommentiert der Greenpeace-Landwirtschaftsexperte Alexander Hissting die Veröffentlichung des Berichtes. Nun versucht sie mit der Drohung rechtlicher Schritte, Länder und Regionen in der EU auf ihren Kurs zu zwingen. Gerade wenn diese sich frühzeitig für die Rechte ihrer Bauern und Verbraucher stark machen, die sich gegen den Anbau von Gen-Planzen und gegen Gen-Food aussprechen.

Machen Sie mit: Fordern Sie den Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft auch international

Nächste Gelegenheit für eine Auseinandersetzung über das Thema Koexistenz bietet sich bei einer EU-Konferenz in Wien vom 4. bis 6. April. Vor dem Tagunsort wird es einen Marsch der gentechnikfreien Regionen geben, an dem sich Bauern, Vertreter der Regionen und NGOs wie Greenpeace beteiligen. Schon viel früher - vom 13. bis 17. März - findet auf internationaler Ebene ein Treffen statt, wo es um die Bedrohung der biologischen Vielfalt durch die weltweiten Im- und Exporte von Gen-Pflanzen geht.

Beim dritten Treffen der Mitgliedsländer des Cartagena Protokolls in Curitiba sollen die Methoden festgelegt werden, mit denen bei internationalen Transporten Gen-Pflanzen identifiziert werden können, erklärt Hissting. Hier müssen klare Regeln her, damit jedes Land der Welt genau weiß, wo Gen-Pflanzen ins Land kommen und welche es sind. Doch im Moment ist unklar, auf was sich die Teilnehmer einigen werden.

Ein großer Unsicherheitsfaktor ist Brasilien. Bislang hat dessen Präsident Luiz Inácio Lula da Silva eine internationale Regelung blockiert und es ist unbekannt, ob er strikte Methoden, die die größte Transparenz versprechen, befürwortet. Schreiben Sie deshalb Präsident Lula und fordern Sie ihn auf, den Geist des Cartagena-Protokolls zu erfüllen. Beteiligen Sie sich an unserer Mitmach-Aktion! (Link ganz unten)

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Gentechnik beim Namen nennen

Die „Genschere“ Crispr ist Gentechnik, entschied heute der Europäische Gerichtshof. Daraus entstehende Produkte sind damit kennzeichnungspflichtig. Gut für Umwelt und Verbraucher!

Na dann Mahlzeit!

CETA tritt vorläufig in Kraft – und in Kanada kommt genveränderter Lachs auf den Markt. Der könnte durch das Handelsabkommen in Europa landen, so Greenpeace-Analysen.

Bleib sauber

Raps-Saatgut ist frei von Gentechnik. Die anstehende Fusion von Bayer und Monsanto sowie eine neue Generation an Pflanzen bedrängen jedoch die gentechnikfreie Landwirtschaft.