Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Der Gentechnik auf der Spur

Sonderschutz für Gentechnik durch Geheimpolitik? - Nicht mit uns! Greenpeace ist am Montag in der Landeshauptstadt Magdeburg vor Ort, um Proben von Maispflanzen auf Gentechnik zu untersuchen. Die Proben können Landwirte, Imker oder Passanten am Alten Markt vorbeibringen. Völlig kostenlos testen wir mit einem Schnelltest, ob ein Kennzeichen für Gentechnik im Mais enthalten ist oder nicht.

Die Regierung Sachsen-Anhalts ist zu diesem Service am Bürger nicht bereit. Sie verweigert, die Standorte der Gen-Maisfelder im Lande bekanntzugeben. Und das, obwohl die Europäische Freisetzungsrichtlinie 2001/18 ein öffentliches Register für Standorte von Gen-Pflanzen fordert. Aber die Landesregierung in Magdeburg ignoriert die Richtlinie und hüllt sich in Schweigen.

Auch die Informationspolitik des Projektträgers Innoplanta schafft keine Transparenz. Der Verband hat zwar eine Hotline für Landwirte eingerichtet, informiert aber willkürlich und völlig unzureichend. Das kann eine behördliche Auskunft nicht ersetzen, sagt Henning Strodthoff in Magdeburg. Er ist Gentechnikexperte bei Greenpeace.

In diese Bresche springt nun Greenpeace. Heute beginnt eine Testphase. Jedermann kann in den nächsten Wochen Proben von Maispflanzen auf Gentechnik testen lassen, erklärt Strodthoff. Das geht ganz einfach: Die Probe kann hier in Magdeburg im Greenpeace-Büro abgegeben oder eingeschickt werden. Wir wollen damit den Landwirten und Imkern schnelle Hilfe anbieten.

Für die Untersuchung reicht ein kleines Stück eines Maisblattes, stellt Strodthoff klar. Dadurch fügt man der Pflanze keinen Schaden zu. Sie wird nicht beschädigt oder zerstört. Wenn sich darüber ein Gen-Feld identifizieren lässt, werden wir das den Überwachungsbehörden bekannt geben und natürlich auch die Öffentlichkeit informieren.

Weiß die Landesregierung tatsächlich nichts?

Die Landesregierung unterstützt zwar Gentechnik, aber ihre Pflicht zur Überwachung vernachlässigt sie sträflich. Gegen die Interessen von Verbrauchern und Landwirten werden die Versuchsfelder systematisch verschleiert, kritisiert Strodthoff.

Greenpeace hat bereits mit einer offiziellen Anfrage bei der Landesregierung Sachsen-Anhalts erste juristische Schritte gegen die Geheimhaltung der Flächen eingeleitet, so Strodthoff weiter, doch bislang hat die Regierung nicht reagiert.

Stattdessen behauptet die CDU/FDP-Landesregierung, die Lage der Mais-Felder nicht zu kennen. Doch die könnte sie leicht in Erfahrung bringen: Der verantwortliche Projektleiter der Innoplanta, Uwe Schrader, ist Mitglied der FDP-Fraktion des Landtags.

Ablenkungsmanöver der Landesregierung

Befürworter der Gentechnik hatten in den letzten Wochen die Geheimhaltung der Anbauflächen mit möglichen Feldzerstörungen begründet. Strodthoff: So will die Regierung von ihrem Verstoß gegen EU-Recht ablenken.

In Deutschland wächst Mais auf etwa 1,5 Millionen Hektar. Die jetzt angebauten 300 Hektar Gen-Mais erstrecken sich zwar auf nur 0,2 Promille der Maisanbaufläche. Sie bedeuten aber für Landwirte, die gentechnikfrei produzieren wollen, eine erhebliche Verunsicherung, da die Maispollen auch ihre Felder verschmutzen können.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Gentechnik beim Namen nennen

Die „Genschere“ Crispr ist Gentechnik, entschied heute der Europäische Gerichtshof. Daraus entstehende Produkte sind damit kennzeichnungspflichtig. Gut für Umwelt und Verbraucher!

Na dann Mahlzeit!

CETA tritt vorläufig in Kraft – und in Kanada kommt genveränderter Lachs auf den Markt. Der könnte durch das Handelsabkommen in Europa landen, so Greenpeace-Analysen.

Bleib sauber

Raps-Saatgut ist frei von Gentechnik. Die anstehende Fusion von Bayer und Monsanto sowie eine neue Generation an Pflanzen bedrängen jedoch die gentechnikfreie Landwirtschaft.