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Amt muss erneut Gen-Patent einschränken

Das Europäische Patentamt in München hat am Donnerstag ein weiteres von ihm erteiltes Patent auf ein menschliches Gen teilweise zurücknehmen müssen. Betroffen diesmal: Patent EP 0705 902, das so genannte Brustkrebsgen-Patent. Es ist zu erwarten, dass die Patentinhaber gegen die heutige Entscheidung des Patentamtes Beschwerde einlegen werden.

Ursprünglich war das gesamte Gen mit der wissenschaftlichen Bezeichnung BRCA1 unter Patentschutz gestellt worden. Jetzt gilt dieser nur noch für spezifische Teilabschnitte des Gens. Sie spielen in der Diagnose des erblichen Brustkrebses eine wichtige Rolle. Nach Ansicht von Humangenetikern führt die Einschränkung dazu, dass die Gefahr einer umfassenden Monopolisierung der diagnostischen Verfahren in Europa erheblich reduziert ist.

Die unglaublich umfassenden Patente auf ganze Gen-Familien, Pflanzen-Gattungen und Tierarten verursachen einen erheblichen Schaden für die gesamte Gesellschaft, stellt Christoph Then klar, Patent-Experte von Greenpeace. Selbst wenn solche Patente später widerrufen werden, dauert es in der Regel Jahre, in denen vieles blockiert ist. Auch im aktuellen Fall müssen Patienten, Ärzte und das Gesundheitssystem noch wer weiß wie lange mit erheblichen Problemen rechnen, bis über das Patent endgültig entschieden ist.

Gegen das Patent EP 0705 902 hatten unter anderem Greenpeace, das Institut Curie, Humangenetiker sowie die Regierung der Niederlande Einspruch eingelegt. Das jetzt widerrufene Patent gehört zu insgesamt drei Patenten, die in Europa für die Firma Myriad auf das so genannte Gen für Brustkrebs BRCA1 erteilt wurden. Eines davon - in dem diverse Verfahren zur Testung von erblichem Brustkrebs enthalten waren - wurde bereits im Mai 2004 widerrufen. Die Entscheidung über das dritte Patent wird in einer weiteren Verhandlung vom 24. bis 26. Januar fallen. Greenpeace wird dort ebenfalls vertreten sein. (mir)

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