Auswertung von Greenpeace und Bioland: kaum gentechnische Verunreinigungen in deutschem Saatgut

Am Ende?

Die gentechnische Verunreinigung von Saatgut nimmt ab, ebenso der Anbau von Gen-Pflanzen. Doch die Industrie will eine neue Generation auf Europas Äcker bringen.

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Auch 2016 bestätigt sich der Trend der vergangenen Jahre: Die gentechnische Verunreinigung von Maissaatgut nimmt weiter ab. Für diese erfreuliche Nachricht haben Greenpeace und Bioland die Saatgutuntersuchungen der Bundesländer ausgewertet. Lediglich 3 von 521 Proben waren kontaminiert – das sind 0,6 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es 1,3 Prozent,  2011 noch 7 Prozent.

Seit Jahren beobachtet Greenpeace die Entwicklungen auf dem Saatgutmarkt mit Argusaugen. "Die Saatgutindustrie und die Kontrollbehörden müssen die gentechnikfreie Landwirtschaft vor Verunreinigungen durch Gen-Pflanzen schützen", sagt Dirk Zimmermann, Agrarbiologe und Greenpeace-Experte für Landwirtschaft. "Dass das möglich ist, zeigen die Daten." So müsse beispielsweise beim Transport penibel darauf geachtet werden, dass Anlagen von Verschmutzungen durch Gen-Saatgut gereinigt werden.  

Hilfreich für diese Entwicklung ist sicherlich auch der rückläufige Anbau. Sogar der Interessenverband der Gentechnikindustrie ISAAA erklärt, dass weltweit erstmals die Fläche geschrumpft sei – um ein Prozent. Das klingt vielleicht wenig; für die Gentechnik-Branche allerdings ist das ein Rückschlag. Erst recht, wenn man sich die Daten für Europa anschaut. Von einem ohnehin niedrigen Niveau aus ist der Anbau noch einmal um 18 Prozent zurückgegangen. Nur auf 0,007 Prozent der Agrarflächen in Europa wuchsen 2015 Gen-Pflanzen: Das sind 116.870 Hektar von insgesamt 175 Millionen.

Bald Gen-Pflanzen ohne Risikoprüfung?

Wer jetzt hofft, dass sich die Gentechnikphase in der Geschichte des Ackerbaus dem Ende neigt, irrt. Mit neuen Verfahren wie CRISPR/Cas will die Industrie den Markt erobern. Diese sollen das Erbgut präziser verändern als die bisherigen – klassischen – Methoden. Da sich die Manipulation nicht immer in der Pflanze nachweisen lässt, pocht die Gentechnik-Branche darauf, dass es gar keine Gentechnik sei. Und das Produkt folglich auch nicht die Risikoprüfung von Gen-Pflanzen durchlaufen müsse.

"Auch die neuen Verfahren bergen unkalkulierbare Risiken", sagt Dirk Zimmermann. "Studien belegen, dass die neuen Methoden keineswegs so gezielt wirken wie behauptet. Bei ihnen treten ebenfalls ungewollte Effekte und nicht vorhergesehene Veränderungen im Erbgut auf."

Die politische Debatte, unter welche Regulierung diese Pflanzen fallen, läuft. In diesem Jahr will die EU eine Entscheidung treffen. Wäre es das normale Sortenrecht würde nicht nur die Risikoprüfung, sondern auch die Kennzeichnungsregelung für Gen-Pflanzen und die Rückverfolgbarkeit in der Produktionskette entfallen. Fatal für die gentechnikfreie Landwirtschaft – und somit für die Ernährung.

Bislang stecken die neuen Verfahren noch in den Kinderschuhen. Abgesehen von den USA wachsen derartig veränderte Pflanzen in keinem anderen Land der Welt. Die Produkte sind auf keinem Markt in Europa zu kaufen. 

Damit das so bleibt, muss die EU, das durch CRISPR/Cas und andere neue gentechnische Methoden gewonnene Saatgut der Gentechnik-Regulierung zuordnen. Nur so lässt sich auch künftig unser Saatgut frei von Gentechnik halten. Und nur dann haben wir die Wahl, uns gegen Gen-Pflanzen auf dem Acker und im Essen zu entscheiden.

Publikationen

Maissaatgut 2016

Verunreinigungen von Mais-Saatgut mit gentechnisch veränderten Organismen im Jahr 2016.

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