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Isländischer Walfang: Erster Finnwal getötet

Greenpeace hat die erneute Jagd auf Finnwale des isländischen Walfängers Kristján Loftsson scharf kritisiert. Unterstützt von der isländischen Regierung, will er mit seiner Fangflotte diesen Sommer bis zu 180 Finnwale jagen. Der erste Finnwal, ein über 20 Meter langes Männchen, wurde vom Walfangboot Hvalur 8 aus getötet und am Dienstag im Hafen von Hvalfjörður, nahe Reykjavik, geschlachtet.

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Greenpeace ist gegen den kommerziellen Walfang und betont, dass diese Unternehmung trotz des kommerziellen Walfangverbots stattfindet, das die Internationale Walfangkommission (IWC) eingeführt hat. Der Finnwal steht zudem auf der Roten Liste für bedrohte Arten der "Internationalen Naturschutzorganisation IUCN".

"Es ist unfassbar, dass ein einzelner isländischer Walfänger mit Unterstützung der Regierung das kommerzielle Walfangverbot untergräbt. Wir brauchen dieses Verbot, um die Zukunft unserer Wale zu retten", sagt Martin Norman, Kampaigner bei Greenpeace Nordic.

Island ist Mitglied der IWC, der Organisation, die für die Regulierung des Walfangs zuständig ist, aber Reykjavik weigert sich, die Nullquote für kommerziellen Walfang zu akzeptieren. "Wenn ein IWC-Mitglied das internationale Verbot auf diese Art zu umgeht, geraten wir auf eine sehr schiefe Bahn. Diese Wale gehören nicht alleine Island, dieser Alleingang ist unmoralisch und inakzeptabel", so Norman.

Der Walfang gefährdet den Tourismus

Die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs zeitgleich mit der Hochsaison für Walbeobachtungs-Safaris hat zu Protesten der isländischen Tourismusindustrie geführt. Die isländische Tourismus-Vereinigung SAF äußerte Bedenken und sagt: "Es ist völlig klar, dass Whale Watching mehr zur Wirtschaft beiträgt als es der Walfang jemals wird".

In den Niederlanden hat die Organisation Avaaz der Regierung vor Kurzem eine Petition übergeben, die mit mehr als 1,1 Millionen Unterschriften ein Verbot des Umschlags von isländischem Walfleisch in niederländischen Häfen fordert.

Hierzulande bezieht die Supermarktkette EDEKA Fisch und Meeresfrüchte vom einem isländischen Unternehmens, dessen Haupteigner der Walfänger Loftsson ist. Avaaz hat eine Petition an EDEKA gestartet, um Druck auf die Walfänger auszuüben und den Walfang in Island zu stoppen.

Der isländische Walfang dient einzig und allein dem Export nach Japan, wo der Markt für Walfleisch immer kleiner wird. Walfleisch aus der isländischen Jagdsaison 2010 wurde in Japan in letzter Zeit in Luxushundefutter verwendet. In Island gibt es keinen Bedarf für Fleisch von Finnwalen.

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