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Bioland und Greenpeace fordern

Keine Gen-Verunreinigungen von Saatgut!

In der EU gilt: Saatgut muss rein sein. Ist es auch nur minimal mit Gen-Sorten verunreinigt, darf es nicht mehr vermarktet werden. In Deutschland wird diese Richtlinie bislang streng umgesetzt. Bayern und Hessen möchten das ändern.

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Vom 6. bis 8. Oktober tagt in Lübeck die deutsche Agrarministerkonferenz. Die Bundesländer Bayern und Hessen haben beantragt, die bisherigen Regelungen beim Saatgut zu ändern: Die Behörden sollen künftig nur dann einen Rückruf des Saatguts anordnen können, wenn die Verunreinigung in der behördlichen Nachkontrolle über 0,1 Prozent liegt.

Der ökologische Anbauverband Bioland und Greenpeace fordern die anderen Länderminister auf, diese Anträge zurückzuweisen. Bioland-Präsident Thomas Dosch: Saatgut muss mit hoher Priorität vor jeglicher Verunreinigung mit Gen-Saaten geschützt werden. Dies ist eine zentrale Voraussetzung für die Existenz einer Landwirtschaft ohne Gentechnik, die die Mehrheit der Bevölkerung wünscht.

Auch Sandra Blessin von Greenpeace warnt davor, das Prinzip der Nulltoleranz im Saatgut aufzuweichen. Schon geringfügig verunreinigtes Saatgut kann dazu führen, dass sich Gen-Pflanzen unkontrolliert und ohne Wissen der Landwirte ausbreiten und in die Nahrungskette gelangen.

Beide Verbände fordern, dass die Bundesländer stattdessen das Saatgut intensiver überprüfen, damit die Saatgutfirmen ihre Qualitätssicherung verbessern. Im Frühjahr 2010 waren immerhin sechs Prozent des untersuchten Maissaatguts in Deutschland mit Gen-Saat kontaminiert. Da fragt man sich doch, was mit den nicht beprobten Chargen passiert, so Blessin.

Zumindest was die Menge des untersuchten Saatguts betrifft, geht Österreich mit gutem Beispiel voran: Aus jeder Charge werden Proben genommen und auf gentechnische Verunreinigungen getestet.

Blessin möchte das österreichische Modell aber wegen des Grenzwertes nicht übernommen wissen. Dort können alle Gen-Pflanzen, egal ob zugelassen oder nicht, auf den Acker gelangen, wenn ein Verschmutzungswert von 0,1 Prozent nicht überstiegen wird. Das lehnt Greenpeace ab.

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