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Rostbraune Idylle

Der Zustand der Spree verschlechtert sich zusehends. Schuld ist auch der Tagebau Welzow-Süd I. Greenpeace und BUND haben Klage gegen Vattenfall eingereicht.

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Eisenverbindungen aus dem Abraum der Lausitzer Braunkohletagebaue färben die umliegenden Gewässer braun und zerstören das Leben in den Flüssen. Bislang hieß es, die alten, längst geschlossenen Tagebaue aus DDR-Zeiten seien schuld an dieser sogenannten Verockerung, die heute aktiven Tagebaue seien sauber.

Das ist jetzt widerlegt. Wasserproben im Bereich des aktiven Tagebaus Welzow-Süd I wiesen stark erhöhte Eisenwerte auf. Umweltschützer des BUND hatten zusammen mit dem Berliner Institut Eurofins Umwelt Ost im Juni und August an 15 Stellen Proben genommen. Die Laboruntersuchung förderte an 11 der 15 Stellen Eisenwerte zutage, die teilweise deutlich über den vorgeschriebenen Grenzwerten lagen. Über die kleinen Zuflüsse gelangen die schädlichen Eisenverbindungen in die Spree.

Rostschlamm in den Steinitzer Alpen

Greenpeace-Aktivisten sahen sich im September in den Steinitzer Alpen um, einem Wäldchen nahe dem Vattenfall-Tagebau Welzow-Süd I. Bei ihrer Tour entdeckten sie ein Rohr, aus dem eine rostfarbene Brühe in die Umgebung lief - eine offizielle Einleitstelle aus dem Tagebau. In den Bachbetten des Steinitzfließes und des Peterhainerfließes bedeckt eine bis zu 30 Zentimeter dicke Schicht aus Eisenockerschlamm den Grund.

"Die Mär von den sauberen Vattenfall-Tagebauen ist endgültig unhaltbar. Genehmigt die Landesregierung weitere Tagebaue, dann genehmigt sie damit auch, dass weiterhin das Klima und Umwelt zerstört werden. Solange nicht einmal die laufenden Tagebaue die Umweltgesetze einhalten, dürfen keine weiteren genehmigt werden", so Niklas Schinerl, Energieexperte von Greenpeace.

Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat das Problem mittlerweile erkannt. Nach einem Besuch in Spremberg, wo die Spree sich wie ein braunes Schlammband durch die Stadt windet, erklärte sie die Verockerung des Flusses zur Chefsache.

Verockerung im Spreewald

Greenpeace hatte schon im Juli 2013 die Verockerung der Spree dokumentiert. Dabei stellte sich heraus, dass die Eisenoxidwerte der Gewässer im Biospshärenreservat Spreewald gegenüber früheren Messungen teilweise deutlich gestiegen waren. Die südlichen Zuflüsse der Spree: Wudritz, Greifenhainer Fließ oder Vetschauer Mühlenfließ waren sichtbar rostrot gefärbt.

Nach den neuen Erkenntnissen haben Greenpeace und der BUND nun gemeinsam Strafanzeige gegen die Vattenfall Europe Mining AG erstattet. Mit Einleitungen des laufenden Braunkohletagebaus Welzow-Süd verstößt der Konzern gegen bestehende Grenzwerte.

Keine Einsicht

Obwohl Vattenfall schon die Folgen der bereits vorhandenen Tagebaue nicht im Griff hat, will der Konzern weitere Tagebaue eröffnen. Neben zerstörten Landschaften und Ökosystemen droht den Bewohnern der Region auch die Abbaggerung ganzer Dörfer.

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