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Bundesverband Braunkohle ignoriert Klimawandel und Gesundheitsgefahr

Ganze Lobbyarbeit?

Arbeitsplätze und billiger Strom: Der Bundesverband Braunkohle würde sich auf seiner Tagung gern gut präsentieren. Wenn da nur nicht die Greenpeace-Aktivisten mit ihrem Banner wären.

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„Braunkohle zerstört das Klima – Schluss damit!“ steht auf dem sechs mal vier Meter großen Banner vor dem Tagungshaus in Köln, wo der Bundesverband Braunkohle (DEBRIV) konferiert. Die Dringlichkeit der Botschaft hatte auch Wirtschaftsminister Gabriel erkannt und deshalb eine Klimaschutzabgabe auf alte Kohlekraftwerke vorgeschlagen. Der Bundesverband lief dagegen Sturm, beschwor den Verlust von zigtausenden Arbeitsplätzen und die Gefährdung des Industriestandortes Deutschland. Obwohl die Argumente weder neu noch haltbar sind, haben sie ihre Wirkung offensichtlich nicht verfehlt. Nun soll  die Kohleindustrie – laut Gabriel – nur noch 16 statt der ursprünglichen 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Damit aber würde Deutschland seine Klimaziele verfehlen. Die sehen vor, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Bis zum Jahr 2030 dürfte Deutschland nur noch eine Milliarde Tonnen Braunkohle verfeuern, um seiner Verantwortung im weltweiten Klimaschutz gerecht zu werden. Das hat Greenpeace basierend auf Zahlen des Wissenschaftlichen Beirats für globale Umweltveränderungen errechnet. Demnach müssten Dreiviertel der bereits genehmigten Braunkohlemengen in der Lausitz und im Rheinland im Boden bleiben.

Kohle macht krank

Und nicht nur die Klimaziele sind gefährdet: Aus den Schloten von Braunkohlekraftwerken quellen jede Menge Schadstoffe. Diese sind hochgiftig. Europaweit können Kohle-Emissionen allein in den Jahren 2020 bis 2029 bis zu 71.000 vorzeitige Todesfälle verursachen. Dies belegt eine aktuelle Studie von Greenpeace. Hinzu kommen Hunderttausende Herz- und Atemwegserkrankungen. Der Ausstoß von Quecksilber ist besonders für Föten gefährlich – er beeinträchtigt die Entwicklung des menschlichen Gehirns. Auf die Gesellschaft kämen dadurch Kosten von rund 52 Milliarden Euro zu.

Andere Länder wie die USA haben bereits Konsequenzen gezogen und strengere Grenzwerte verankert. In der EU hingegen tut sich kaum etwas – die derzeit diskutierten Grenzwerte sind viel zu lasch.  

„Braunkohle fordert Todesopfer. Sowohl durch die giftigen Emissionen aus den Kohleschloten als auch durch die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels“, sagt Niklas Schinerl, Greenpeace-Experte für Energie. „Deutschlands Klimaziele lassen sich nur ohne schädliche Braunkohle erreichen – das weiß auch die Industrie. Unbeirrt reitet die Kohlelobby jedoch weiter ein totes Pferd und verhindert dringend notwendigen Klimaschutz.“

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