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Interview zum Energiekongress von Greenpeace Energy

Stromaufwärts zu sauberem Strom

Welche politische Strategie kann unser Klima retten? Wie wird Energie gespeichert? Wie hängt unser Energieverbrauch mit der weltweiten Armut zusammen? Viele spannende Fragen und Antworten erwarten die Besucher des vierten Energiekongresses von Greenpeace Energy am 24. und 25. September in Berlin. Die Informationen und Diskussionen sind für Laien ebenso interessant, wie für gut informierte Kritiker. Kongressorganisatorin Lena Wäbs erzählt im Interview mehr.

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Greenpeace: Warum veranstaltet Greenpeace Energy seit 2004 alle zwei Jahre den Energiekongress?

Lena Wäbs: Zum ersten Mal haben wir den Energiekongress anlässlich des fünfjährigen Jubiläums von Greenpeace Energy veranstaltet. Er ist seither eine Kommunikationsplattform für alle interessierten Laien. Jeder soll sich über Erneuerbare Energien informieren und Experten Fragen stellen können. Getreu unserem Motto stromaufwärts möchten wir mit dem Energiekongress den positiven Aufwärtstrend für Erneuerbare Energien unterstützen. Gleichzeitig schwimmen wir mit kontroversen Themen auch gerne mal gegen den Strom.

Greenpeace: Welche Fragen werft ihr bei dem Kongress auf?

Lena Wäbs: Ganz aktuell ist die Frage, wie lange brauchen wir noch Atomkraft? Auf dem Podium werden Vertreter aus der Politik und der Wirtschaft diskutieren, ob längere Laufzeiten für die Atomkraftwerke verantwortungslos oder notwendig sind. Im Forum erklärt Ingo Stadler, wie die Versorgung mit sauberem Strom auf der praktischen Ebene funktionieren kann. Das Zauberwort lautet virtuelle Kraftwerke - dahinter stecken dezentrale Energiespeicher und dezentrale Kraftwerke. Der Professor an der FH Köln stellt ein neues, spannendes Forschungsprojekt vor.

Greenpeace: Lena, du organisierst den Kongress. Was erwartest du von der Veranstaltung?

Lena Wäbs: Bisher haben wir nach jedem Energiekongress sehr positive Rückmeldungen von den Teilnehmern bekommen. Sie stellen ihre persönlichen Fragen und erhalten von Experten eine fundierte Antwort. Ihnen diese Chance zu geben, ist uns sehr wichtig. Und wir werden bestimmt wieder viele Teilnehmer davon überzeugen, wie wichtig sauberer Strom für unsere Umwelt ist - und sie wechseln ihren Stromanbieter oder werden Mitglied bei Greenpeace Energy.

Greenpeace: Bei welcher Veranstaltung erwartest du die hitzigste Debatte?

Lena Wäbs: Das Wüstenstrom-Projekt Desertec sorgt immer wieder für kontroverse Diskussionen, auch unter den Befürwortern der Erneuerbaren Energien. Deshalb haben wir Katrin-Susanne Richter eingeladen. Sie ist Vorstandsmitglied der Desertec-Foundation, der Stiftung, die den Strom aus der Wüste fördert. Sie wird zum Beispiel beantworten können, ob Desertec uns von Ländern abhängig macht, in denen die politische Lage unsicher ist. Oder ob das Projekt eine neue Form der Ausbeutung Afrikas ist. Aber auch technische Aspekte, zum Beispiel den Stromtransport aus der Wüste nach Deutschland, wird Richter erklären können.

Greenpeace: Der Impulsvortrag von Peter Spiegel tanzt thematisch etwas aus der Reihe. Was beabsichtigt ihr damit?

Lena Wäbs: Peter Spiegel wird erklären, warum der weltweite Kampf gegen Armut und Umweltverschmutzung für ihn zusammenghören. Und er wird verraten, wieso unsere Wirtschaft stabiler wird, wenn wir in Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit investieren. Wir wollen damit mehr Menschen davon überzeugen, wie wichtig Umweltschutz und sauberer Strom ist - nicht nur für das Klima.

Greenpeace: Was wird dein persönliches Highlight des Energiekongresses?

Lena Wäbs: Ich freue mich besonders auf das Streitgespräch zwischen den Weizsäcker-Brüdern. Zur Frage Wie viel Umweltschutz verträgt unsere Industrie? haben sie ganz unterschiedliche Meinungen. Das wird sicher kontrovers und amüsant. Wir übertragen die Diskussion übrigens live auf unserer Homepage. Wer möchte kann sich das Streitgespräch also anschauen, auch wenn er nicht an dem Kongress teilnimmt.

Hier finden Sie alle Informationen zum Energiekongress.

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