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Industrieausnahmen sind Preistreiber für Privathaushalte

EEG-Umlage kann 2014 auf 6,5 Cent steigen

Die Energiewende gibt es nicht umsonst, doch die Kosten für den Ausbau von Wind und Sonne sind darüber hinaus äußerst unfair verteilt. Große Teile der Industrie profitieren von sinkenden Preisen an der Strombörse und beteiligen sich nicht an der Ökostrom-Umlage. Private Haushalte schultern alle finanziellen Lasten. Dennoch müssten Privatverbraucher im nächsten Jahr nur 0,2 Cent pro Kilowattstunde mehr für die EEG-Umlage bezahlen, wenn die Stromversorger die fallenden Preise der Strombörse an die Verbraucher weitergeben würden.

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Dies hat das Öko-Institut für Greenpeace herausgefunden. Danach steigt die EEG-Umlage von derzeit 5,27 Cent pro Kilowattstunde auf 6,5 Cent in 2014. Im Juli ging das Öko-Institut noch von einem Anstieg auf rund 6,1 Cent aus. Diese Einschätzung wurde jetzt mit den aktuell vorliegenden Daten zum EEG-Kontostand nach oben korrigiert.
Die Ökostrom-Umlage errechnet sich aus der Differenz zwischen Börsenstrompreis und gesetzlich festgelegter Vergütung für erneuerbaren Strom. Wind und Sonne machen den Strom an der Börse günstiger. Die Energieversorger geben diese günstigen Preise aber nicht an die Privathaushalte weiter, sondern steigern damit ihren Gewinn. Weil die Förderung für die Erneuerbaren Energien aber feststeht, wachsen unter dem Strich die Kosten für private Verbraucher.
Mehr als 2000 Unternehmen sind inzwischen von der EEG-Umlage befreit, sie zahlen keinen Cent für den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien. So steigen die Kosten für Privathaushalte weiter, die solche Privilegien nicht genießen. Neue Anlagen haben hingegen nur einen geringen Anteil an der Erhöhung der EEG-Umlage – selbst, wenn ab 2014 gar keine neuen Anlagen mehr gebaut würden, würde die Umlage für 2014 noch um einen Cent pro Kilowattstunde steigen. Dennoch will Schwarz-Gelb den Ausbau von Wind und Sonne deckeln. "Eine Ablösung des erfolgreichen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) würde die Kosten für die Verbraucher kaum reduzieren. Sie würde aber die Energiewende abwürgen", sagt Andree Böhling, Energie-Experte von Greenpeace.
Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, die massiven Industrievergünstigungen beim Strompreis zu reduzieren und die Stromerzeugung gerechter zu besteuern. Würde die Industrie gerechter beteiligt, könnte dies die Bürger um 1,6 Cent pro Kilowattstunde entlasten. Eine Reform der Strombesteuerung, nach der Erneuerbare Energien geringer oder gar nicht vom Staat besteuert werden, könnte die Haushalte weiter entlasten. Wind und Sonne verursachen deutlich weniger gesellschaftliche Folgekosten wie z.B. Umweltschäden und sollten daher nicht genauso hohe staatliche Abgaben zahlen müssen wie Kohle- und Atomstrom.
Greenpeace schlägt eine "Abzockbremse" vor, mit der ein Drei-Personen-Haushalt bei einem Stromverbrauch von 4.000  Kilowattstunden im Jahr 100 Euro einsparen.
(Autor: Andree Böhling)

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