Energieszenario zeigt: Die Energiewende ist möglich, mit Kohleausstieg bis 2030

Fahrplan für die Zukunft

Während die Kohlekommission darum ringt, wann welches Kraftwerk vom Netz geht, rechnet Greenpeace vor: So geht die Energiewende; auch ohne Kohle hat Deutschland immer genug Strom.

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Es ist keine einfache Aufgabe, die Treibhausgasemissionen so zu senken, dass die Erderwärmung auf 1,5 Grad gehalten werden kann. Doch der Dürresommer 2018 zeigt: Es gibt keine Alternative. Jedes Land muss dazu seinen Beitrag leisten. Auch für Deutschland ist diese Vorgabe nicht leicht zu erreichen. Aber sie ist machbar: Deutschland kann seine Klimaziele für 2020 und 2030 schaffen. Wie genau, und welche Kohlekraftwerke dazu wann gedrosselt, welche Anlagen abgeschaltet werden müssen, und wie der Ausbau von Energie aus Sonne und Wind gestaltet werden muss, hat jetzt das Fraunhofer-Institut im Auftrag von Greenpeace errechnet.

Selbst das Klimaziel 2020 – 40 Prozent weniger Treibhausgase im Jahr im Vergleich zu 1990 –, von dem Deutschland zurzeit viel zu weit entfernt ist, lässt sich noch erreichen, so die Studie „2030 kohlefrei“. Dazu müsste das älteste Drittel aller Braunkohlekraftwerke sofort abgeschaltet und ein weiteres Drittel gedrosselt werden. „Deutschland kann sich ab 2030 sicher und kohlefrei mit Energie versorgen, das zeigt unsere Studie“, sagt Fraunhofer-Wissenschaftler Norman Gerhardt. Erfolgt der Umbau der Energieversorgung nach dem Plan der Studie,  würde Deutschland ab 2030 über 70 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als 1990.

Auch der Hambacher Wald muss dann nicht für Braunkohle abgebaggert werden. Aus dem Fraunhofer-Szenario abgeleitete Kohlemengen für einzelne Kraftwerke zeigen, dass in den Tagebauen Hambach und Garzweiler deutlich weniger Braunkohle abgebaut werden müsste als RWE bislang plant. Der Hambacher Wald könnte gerettet werden. 

Das Ende des fossilen Zeitalters

Es muss jetzt zügig zu Ende gehen mit dem Kohlestrom, denn die Menge an Kohlendioxid, die unsere Atmosphäre noch verträgt, bevor das Klima kippt, ist beinahe erreicht. Im Jahr 2025 müssen und können laut Studie alle Braunkohlekraftwerke gedrosselt sowie alle Steinkohlekraftwerke, die älter sind als 40 Jahre, stillgelegt werden. Moderne Gaskraftwerke ersetzen die bisherige Wärmeversorgung aus Kohle. Bis 2030 gehen bis auf ein paar allerletzte Reserven auch die Steinkohlekraftwerke vom Netz. Denn spätestens dann muss Schluss sein mit Strom aus Braun- und Steinkohle. Das Szenario berechnet außerdem, wann dazu wo welche Erneuerbaren Energien ausgebaut werden müssen und können, damit die Stromversorgung sichergestellt ist.

Doch eine Umstellung bei der Stromerzeugung alleine wird nicht reichen. Damit die deutsche Energieversorgung nach 2030 weitgehend emissionsfrei ist, muss Deutschland außerdem den Stromverbrauch insgesamt senken, die Heizsysteme auf klimafreundliche Technologien umstellen und sein Mobilitätsverhalten grundlegend ändern. Denn auch der Verkehrssektor muss dann weitgehend frei von Treibhausgasen sein.

Klimawandel bedroht Pazifische Inseln

„Es gilt für Deutschland sowie auch weltweit: Erneuerbare Energien auszubauen alleine reicht nicht. Es müssen endlich auch die Treibhausgasemissionen sinken“, fordert Anike Peters, Greenpeace-Expertin für Energie. Ohne weitere Klimaschutzanstrengungen droht eine Erderwärmung um mindestens vier Grad bis zum Ende des Jahrhunderts. Mit katastrophalen Folgen für Millionen von Menschen: Extremwetterereignisse wie Dürren, Überflutungen und Stürme werden zunehmen, ganze Inselstaaten im Pazifik untergehen. „Unsere Generation heute hat es in der Hand, diese Katastrophe aufzuhalten“, so Peters. „Klimaschutz ist machbar – die Politiker müssen nur wollen.“

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