Greenpeace-Report: Investitionen in Kohlekraftwerke sinken weltweit

Das Ende der Kohle-Ära?

In Kohlekraftwerke wird weltweit immer weniger investiert; immer mehr Kraftwerke gehen vom Netz. Nur China setzt weiter auf  Kohle – mit verheerenden Folgen fürs Klima.

  • /

In der Kohlekraft mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende: 2018 sank die Anzahl an weltweit geplanten Kohlekraftwerken im dritten Jahr in Folge. Auch wurden 2018 20 Prozent weniger Kohlekraftwerke fertiggestellt als im Jahr davor. Beim Baubeginn sind die Rückgänge noch deutlicher: 39 Prozent weniger als im Vorjahr. Das sind die Ergebnisse diesjährige „Boom & Bust“–Reports im Auftrag von Greenpeace China, Global Energy Monitor und dem Sierra Club. 

Das Fazit: Die Zahl der Kohlekraftwerke, die neu ans Netz gehen, nimmt stetig ab. Gleichzeitig werden immer mehr Blöcke abgeschaltet. Zwar werden weltweit jedes Jahr immer noch mehr Kohlekraftwerke neu ans Netz genommen als abgeschaltet, aber der Zubau verlangsamt sich immer mehr.

Weltweite Energiewende nimmt Fahrt auf

Weltweit wurden im vergangenen Jahr Kohlemeiler mit einer Kapazität von 31 Gigawatt abgeschaltet: Der dritthöchste Wert seit 2005. Allein in China und Indien sanken die Neuzulassungen auf ein historisches Tief. Beide Länder waren in den vergangenen zehn Jahren maßgeblich für die steigende Zahl neuer Kohlemeiler verantwortlich. In den USA gingen 2018 beispielsweise 17,6 Gigawatt (das entspricht 45 Kraftwerksblöcken) vom Netz –  und das trotz aller Bemühungen der US-Regierung unter Donald Trump, die Laufzeiten für Kohlekraftwerke weiter zu verlängern.

Mehr als 100 Institutionen wie zum Beispiel die französische Großbank BNP Paribas haben ihre Investments und Finanzierungen in Kohleprojekte massiv eingeschränkt. 31 Nationen, darunter Kanada, Großbritannien, Frankreich oder Italien, haben einen Kohleausstieg beschlossen. Die Energiewende ist also in der weltweiten Kohleindustrie angekommen, das politische und wirtschaftliche Klima steht auf Ausstieg, so der Report.

China setzt weiter auf Kohle

Einzige Ausnahme in dieser – aus Klimaschutzgründen positiven – Entwicklung ist China. Obwohl viele Kohleprojekte in der Volksrepublik offiziell als aufgeschoben gelten, zeigen Satellitenaufnahmen, dass dort die Arbeit mancherorts wieder aufgenommen wurde. Die derzeit für die chinesischen Energiekonzerne diskutierte Obergrenze für die installierte Leistung bei Kohlekraftwerken ist derart hoch, dass weitere 290 Gigawatt neu ans Netz kommen könnten. Zur Einordnung: Das wären mehr als sämtliche am Netz befindlichen Kohlekraftwerke der USA. Auch  investieren chinesische Finanzinstitutionen weiterhin weltweit in Kohlekraftwerke – sie sind die letzten großen Investoren der Kohlekraft, rund ein Viertel aller weltweiten Investitionen in Kohleinfrastruktur wird damit finanziert.

Klimaschutz braucht Kohleausstieg

Insgesamt also ein wirtschaftlich positiver Trend. Doch um die Erderhitzung zu stoppen und den Klimawandel aufzuhalten, reicht er bei weitem nicht aus. Industrienationen müssen den Ausstoß ihrer Treibhausgase bis 2035 auf beinahe Null bringen – und das gelingt nur mit einem vollständigen Ausstieg aus der Kohleverstromung.

Publikationen

Weiterführende Publikationen zum Thema

Zur Kampagne

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Bayerische Wildnis

„Es war bitterkalt“, erinnert Oppermann die Aktion im Spessart. Für den Waldschutz arbeitet er ehrenamtlich. Was bedeutet ihm der Beschluss Bayerns, 58.000 Hektar zu schützen?

Umsonst versenkt

Sie speichern gigantische Mengen CO2: Wälder, Meere, Böden. Welche Rolle spielen diese Kohlenstoffsenken im Kampf gegen die Klimakrise?

„Beste Nachricht seit Langem“

Trump ist weg, der nächste US-Präsident Biden will Klimaneutralität bis 2050 und den Wiederbeitritt zum Paris-Abkommen. Interview mit dem geschäftsführenden Vorstand Martin Kaiser.