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Greenpeace: Verseuchung erfordert weitere Evakuierungen

Die Greenpeace-Strahlenexperten haben in Tokio erste Ergebnisse präsentiert und angekündigt, ihre Messungen in Fukushima zu vertiefen. Sie fordern die japanische Regierung auf, die Evakuierungszone auf 40 Kilometer auszuweiten. Vor allem Kinder und Schwangere seien gefährdet.

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Das Team hat in mehreren Ortschaften außerhalb der Evakuierungszone Strahlenwerte gefunden, die eine Erweiterung der Zone unbedingt erforderlich machen. Die maximale erlaubte Jahresdosis für die Bevölkerung - 1000 Mikrosievert pro Jahr - wird dort innerhalb weniger Stunden erreicht.

Strahlenschutzexperte Jan van de Putte berichtet: In der Stadt Fukushima haben wir zwischen 1 und 5 Mikrosievert pro Stunde gemessen. Aber es gibt bestimmte Punkte, an denen aufgrund geologischer Bedingungen eine höhere Radioaktivität auftritt: zwischen 5 und 6 Mikrosievert pro Stunde. In der Gegend um Tsushima, ca. 35 Kilometer von der Anlage, sind über 100 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden. In dieser Gegend leben nur wenige Menschen.

Weiter im Norden haben wir in der Nähe von Reisfeldern zwischen 20 und 40 Mikrosievert gemessen. Noch weiter im Norden - in Iitate (7000 Einwohner) waren es durchschnittlich 8 bis 10 Mikrosievert. Die Behördendaten für Iitate verzeichnen einen Höhepunkt der Strahlung am 15. März, vermutlich aufgrund einer radioaktiven Wolke. Nach dem 15. März nimmt die Radioaktivät ab auf 9 Mikrosievert. Zu dieser Zeit haben wir auch unsere Messungen gemacht.

Unsere Werte decken sich mit denen der japanischen Regierung. Dennoch unterlässt es die Regierung, die Menschen zu schützen, sie aus der Gefahrenzone zu bringen oder auch nur angemessen zu informieren. Die Regierung muss sofort tätig werden und zuerst Kinder und Schwangere aus dem Dorf Iitate evakuieren.

Derzeit ist ein Gebiet im Umkreis von 20 Kilometern um das havarierte Atomkraftwerk evakuiert. Im Umkreis von weiteren 10 Kilometern wurden die Menschen lediglich aufgefordert, ihre Häuser möglichst nicht zu verlassen. Doch die Strahlung hat längst auch Gebiete außerhalb dieser Zonen erreicht. Die Radioaktivität habe sich ungleichmäßig über das Land verteilt, daher sei eine konstante 20 Kilometer-Evakuierungszone unzureichend, stellt van de Putte fest.

Das Greenpeace-Team will noch diese Woche nach Fukushima zurückkehren. Bis Mitte April wollen sie detailliertere Untersuchungen vornehmen. Wir werden Wasser, Milch und Essen testen. Und wir werden künftig auch die genauen Isotope feststellen - mit Hilfe eines portablen Gamma-Spektrometers, das wir in den letzten Jahren vielerorts benutzt haben. Die Feststellung der Isotope ist wichtig, um das Krankheitsrisiko für die Menschen genauer einschätzen zu können.

Greenpeace-Energieexperte Hisayo Takada begrüßte die Ankündigung der japanischen Regierung, in Zukunft verstärkt auf Erneuerbare Energien zu setzen. Wenn sie eine weitere Katastrophe wie in Fukushima verhindern will, sollte sie allerdings ihre Neubaupläne für neun Reaktoren bis 2020 sofort fallen lassen und stattdessen in Energieeffizienz und saubere Energie investieren.

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